22.06.07

Tessin: Zwei Gymnasiasten vor Gericht

Mord an Ehepaar: War es den Tätern im Dorf zu langweilig?

Insgesamt 80-mal stachen sie auf ihre Opfer ein, dann stahlen sie deren Auto. Prozessbeginn ohne Öffentlichkeit.

Von Corinna Pfaff
Foto: dpa
Der mit 41 Fahrgästen besetzte Bus kam in einer Kurve von der Straße ab und landete auf einer Wiese bei Wöhrden (Dithmarschen).

Schwerin. So viele Kameras wie zum Auftakt des Prozesses zur "Bluttat von Tessin" waren selten vor dem Schweriner Landgericht aufgebaut. Doch die Öffentlichkeit bekam keinen der beiden 17-jährigen Angeklagten zu sehen. Die Gymnasiasten, die sich wegen des Doppelmordes von Tessin vor der Jugendstrafkammer verantworten müssen, wurden durch eine Hintertür in den Gerichtssaal gebracht. Hinter verschlossenen Türen sagten die beiden dann aus. Zunächst zu ihren Lebensläufen, dann zur Tat, die wegen ihrer Brutalität bundesweit für Schlagzeilen sorgte.

Die beiden Schüler, die gemeinsam das Gymnasium in Boizenburg (Mecklenburg-Vorpommern) besuchten und Medienberichten zufolge mit ihrem Leben in der Provinz haderten, sollen am 13. Januar 2007 in Tessin ein Ehepaar brutal getötet haben. 62 Einstiche und Schnittverletzungen zählten die Gerichtsmediziner an der Frau (41), mindestens 17-mal trafen die Klingen der Küchenmesser den Mann (46). Beide verbluteten. Neben Mord wird den Angeklagten auch Geiselnahme und Raub mit Todesfolge vorgeworfen. Nach einer Begutachtung von Sachverständigen sieht die Staatsanwaltschaft keine Hinweise auf Schuldunfähigkeit.

Der Staatsanwaltschaft zufolge haben die beiden den Tatablauf bei den Vernehmungen gestanden. Auch vor Gericht beantworteten die Jugendlichen bereitwillig alle Fragen, sagte der Pressesprecher des Landgerichts, Detlef Baalcke. Die Anklagebehörde geht davon aus, dass die Gymnasiasten die Schule abbrechen und in Japan ein neues Leben beginnen wollten. Deshalb wollten sie sich ein Fahrzeug beschaffen, um sich auf den Weg zu machen. Für die Staatsanwaltschaft liegt zumindest bei einem der Angeklagten ein weiteres Motiv nahe: Macht auszuüben. Von Gewaltfantasien bei dem Jungen berichtete auch die Wochenzeitung "Die Zeit" in einer mehrseitigen Reportage. Der Redakteur hatte mit den Eltern der mutmaßlichen Täter gesprochen, die mit ihren Kindern aus Hamburg nach Tessin gezogen waren und die Tat auch fünf Monate danach noch nicht begreifen können. Für den Prozess sind vorerst vier Verhandlungstage bis zum 12. Juli geplant.

dpa
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Alles über Ihre Straße

Top Video Alle Videos

Innerhalb von sechseinhalb Jahren sollen 89 Tunnelelemente á 217 Meter Länge im Bauhafen von Rodby gegossen und dann nacheinander in der Ostsee vergraben werden. In der Spitze sollen beim Bau des Ostsee-Tunnels bis zu 4000 Menschen Arbeit finden.
Brightcove Videos

Dänemark und Deutschland planen einen Ostseetunnel, um ihre Länder miteinander zu verbinden. Autos und Züge sollen im Jahr 2021 den längsten Tunnel dieser Art passieren. Doch es gibt Widerstand.mehr »

Top Bildergalerien mehr
Clubverbot

Razzia bei den Hells Angels

Polizei

Flüchtlinge besetzen Kreuzung in Bahrenfeld

Bundesliga

Werder steckt nach 0:1 gegen Köln weiter in Krise

Hamburg

Die große Laubschlacht der Stadtreinigung

Highlights
tb_hh_mahjong100.jpg
Mahjong

Spielen Sie mit!mehr

rb_wetter_926045a.jpg
Wetter in Hamburg

Der aktuelle Wetterbericht mit Karte und Vorhersagemehr

rb_stadtplan_926042a.jpg
Stadtplan Hamburg

Mit dem Hamburger Stadtplan Adresse und Orte findenmehr