Der 15 jahre alte Schüler war am Dienstagabend verschwunden und nach knapp zwei Tagen wieder aufgetaucht

Timmendorfer Strand. Keine zwei Tage nach seinem mysteriösen Verschwinden ist der 15 Jahre alte Alexander Wittmann aus Timmendorfer Strand (Kreis Ostholstein) gestern gesund und wohlbehalten wieder aufgetaucht. Gegen 10 Uhr morgens fuhr er mit einem Taxi vor der Mietwohnung seiner Eltern vor. Noch in der Nacht hatte die Polizei mit Hubschraubern und Spürhunden erfolglos nach ihm gesucht, weil sie an eine Entführung glaubte. Der Junge war nach einem Anruf am Dienstagabend mit dem Fahrrad weggefahren. Kurz darauf soll bei den Eltern eine Lösegeldforderung eingegangen sein. Aufgeklärt ist der Fall keineswegs: "Wir wissen noch nicht, ob es sich tatsächlich um eine Entführung gehandelt hat", sagt Polizeisprecher Detlef Hardt. "Im Moment steht hinter der Sache noch ein großes Fragezeichen." Kurz nach seiner Heimkehr erzählte Alexander der Polizei seine Version. Danach habe ihn ein russischsprechender Mann am Dienstagabend mit einem Telefonanruf zu einem Wohncontainer-Dorf in der Nähe gelockt. Dort hätten zwei maskierte Männer ihn in der Dunkelheit überwältigt, gefesselt und in ein dunkles Auto gestoßen. Mit verbundenen Augen sei er dann in einer unbekannten Wohnung festgehalten worden. Von der Lösegeldforderung habe er nichts gewusst. Wenn Alexanders Version stimme, könnte die Fahndung dazu geführt haben, dass ihn die Täter ohne Geldzahlung freiließen, vermutet Kripo-Chef Michael Sörnsen. Sollte das Ganze sich als dummer Streich herausstellen, müsste Alexander vielleicht sogar für den Polizeieinsatz zahlen - der Junge ist bereits strafmündig. In einem Waldstück bei Ahrensbök, keine 15 Kilometer von der Wohnung seiner russisch-stämmigen Eltern entfernt, hätten die Entführer ihn dann gestern Morgen ausgesetzt, so Alexander weiter. An einer Tankstelle an der Segeberger Chaussee in Ahrensbök ließ er sich ein Taxi rufen. "Er kam einfach rein und wirkte, als sei nichts passiert", erinnert eine Angestellte sich. Erkannt habe sie ihn nicht: "Und er selbst hat nichts erzählt", so die Frau. Die Polizei sucht nun nach einem Mann, der den Jungen zu der Tankstelle gefahren haben soll. Das Auto sei "rot und etwas länger" gewesen, so Alexander. Er durfte nach der Befragung wieder zu seiner Familie zurück.