03.01.11

Virus

Auch in Hamburg Schweinegrippe-Fälle

Zehn Menschen sind in den vergangenen drei Monaten an dem tödlichen Virus erkrankt. In Göttingen starben jetzt zwei Menschen.

Von abendblatt.de
Foto: dapd
Auch in Hamburg gab es in den vergangenen drei Monate Schweinegrippe-Fälle.
Auch in Hamburg gab es in den vergangenen drei Monate Schweinegrippe-Fälle.

Hamburg/Hannover. In Göttingen sind in den vergangenen Tagen zwei Menschen an der Schweinegrippe gestorben. Auch in Hamburg tauchte das Virus in diesem Winter bereits auf: In den vergangenen drei Monaten sind insgesamt zehn Menschen in der Hansestadt an der Schweinegrippe erkrankt. "Es gibt aber keine Hinweise, dass das Grippegeschehen anders ist als in anderen Jahren", sagt Julia Seifert, Sprecherin der Hamburger Behörde für Soziales, Familie, Gesundheit und Verbraucherschutz. "Auch unsere Impfempfehlung gilt wie in jedem Jahr."

Der aktuelle Impfstoff sei ein sogenannter trivalenter Impfstoff, der Bestandteile von drei verschiedenen aktuell verbreiteten Influenza-Virustypen enthalte. Er schütze also nicht nur gegen das Schweinegrippe-Virus, das die zurückliegende Influenza-Pandemie ausgelöst hat, sondern auch vor zwei weiteren verbreiteten Virustypen.

Nach den tödlichen Schweinegrippefällen in Göttingen hat das niedersächsische Gesundheitsamt vor Panik gewarnt. Zugleich rief es aber zu Schutzimpfungen gegen die Influenza-Viren auf. "Wir nehmen das sehr ernst", sagte der Leiter der Behörde, Matthias Pulz, am Montag in Hannover nach dem Bekanntwerden der zwei Todesfälle im Göttinger Uniklinikum. Pulz berichtete zugleich aber auch: "Influenza-Viren sind unberechenbar". Auch für vorher völlig gesunde Menschen kann das Virus tödlich verlaufen.

Ein dreijähriges Mädchen und ein 51 Jahre alter Mann waren an der Schweinegrippe gestorben. Seit Ende Dezember steige die Zahl der Nachweise für Influenza-Viren deutlich an. Mit dem Höhepunkt sei Ende Januar oder im Februar zu rechnen. Tödlich verlaufende Erkrankungen könnten in jeder Grippe-Welle vorkommen, teilte das Ministerium weiter mit.

Auch in Mecklenburg-Vorpommern sind nach Angaben des Landesgesundheitsamtes in Rostock in dieser Saison bisher zwei Kinder an der Schweinegrippe erkrankt. Die labordiagnostischen Untersuchungen hätten in der vergangenen Woche den Verdacht auf das Virus H1N1 bestätigt, sagte Sprecherin Anja Neutzling. Die Krankheit habe in beiden Fällen einen leichten Verlauf genommen, die Kinder mussten nicht ins Krankenhaus.

Die Schweinegrippe hat bisher in Deutschland mehr als 250 Tote gefordert. Die meisten Erkrankungen waren von Herbst 2009 bis August 2010 aufgetreten. Danach war die Welle abgeebbt. Influenza-Experten raten aber zu einer Impfung. Seit Ende Dezember 2010 steigt die Zahl der nachgewiesenen Influenzaviren in Niedersachsen deutlich an. Nach Aussagen des Landesgesundheitsamtes wurde bei den meisten Untersuchungen das Schweinegrippe-Virus A/H1N1 nachgewiesen. Die niedersächsische Gesundheitsministerin Aygül Özkan (CDU) rief dazu auf, sich in den kommenden Tagen vor einer Grippewelle zu schützen. Die neue saisonale Grippe-Impfung umfasst auch eine Komponente gegen dieSchweinegrippe, ein Extra-Schutz ist nicht mehr notwendig.

Dem widerspricht der Hamburger Tropenmediziner Christian Meyer, der das Virus vor den neuen Todesfällen noch am Wochenende als allgemein überschätzt bezeichnete. "Die Schweinegrippe gibt es noch, etwa in Indien; in Deutschland spielt sie aber gar keine Rolle mehr", sagte der Wissenschaftler vom Bernhard-Nocht-Institut (BNI) für Tropenmedizin.

Von der Aufregung um die Schweinegrippe im vergangenen Winter hätten nur die Impfstoff-Hersteller profitiert: "Angesichts der Diskrepanz in Millionenhöhe zwischen der Zahl der eingekauften und der tatsächlich verabreichten Impfdosen muss man sagen, die Schweinegrippe war in jedem Fall ein mächtiges Verlustgeschäft."

Als wesentlich gefährlicher sei dagegen auch im Winter 2010/2011 die gewöhnliche Grippe einzuschätzen. Zwischen 10 000 und 12 000 Menschen stürben daran jedes Jahr allein in Deutschland, sagte Meyer. In der diesjährigen Grippesaison sei die Lage bislang noch nicht so dramatisch, der Höhepunkt der Erkrankungswelle werde erfahrungsgemäß im Januar/Februar erreicht. "Für eine Impfung ist es noch nicht zu spät", betonte der Mediziner. Insbesondere für über 60-Jährige sei diese dringend zu empfehlen.

Auch Urlauber, die in unseren Sommermonaten auf die Südhalbkugel reisen, sollten sich impfen lassen: Denn südlich des Äquators ist dann Winter und somit Grippesaison.

Andreas Plettenberg, Leiter des ifi-Institus für Infektiologie auf dem Gelände der Asklepios-Klinik St. Georg, beantwortet die wichtigsten Fragen zur Grippe-Impfung:

Wenn ich mich jetzt gegen Grippe impfen lassen, welchen Inpfstoff bekomme ich dann?

Es handelt sich um einen sogenannten trivalenten Impfstoff, das heißt, es sind Bestandteile von drei verschiedenen aktuell verbreiteten Influenza-Virustypen enthalten. Dies sind zwei Virustypen der Gruppe A (H1N1 und H3N2) und ein Virustyp der Gruppe B. Bei einem der beiden A-Virustypen handelt es sich um das Schweinegrippe-Virus, das die zurückliegende Influenza-Pandemie ausgelöst hat. Der Impfstoff schützt also sowohl vor der Schweinegrippe als auch vor zwei weiteren verbreiteten Virustypen. Bei der Impfstoffkomponente gegen Schweinegrippe handelt es sich jedoch nicht um den Impfstoff, der während der Pandemie im vergangenen Jahr verwendet wurde.

Wie lange dauert es, bis der Impfschutz aufgebaut ist?

Ein geringer Schutz ist schon nach wenigen Tagen vorhanden, bis zum vollen Impfschutz dauert es etwa zehn bis 14 Tage.

Sollten sich Menschen, die im letzten Jahr gegen Schweinegrippe geimpft wurden, jetzt wieder impfen lassen?

Ja, aufgrund der ständigen Veränderungen der Influenza-Viren muss jedes Jahr ein neuer Impfstoff mit veränderter Zusammensetzung hergestellt werden, und so ist auch jedes Jahr erneut eine Impfung erforderlich.

Wer sollte sich überhaupt gegen Grippe impfen lassen?

Das Robert-Koch-Institut empfiehlt die Impfung zunächst einmal für alle Menschen, die älter sind als 60 Jahre. Unabhängig vom Alter sollten sich alle Menschen (auch Kinder ab dem 6. Lebensmonat) mit erhöhter Gefährdung infolge von Grunderkrankungen impfen lassen. Gemeint sind damit chronische Erkrankungen der Atmungsorgane wie z.B. Asthma oder chronische Bronchitis, Herz-Kreislauferkrankungen, Leber- und Nierenerkrankungen, Diabetes und andere Stoffwechselerkrankungen. Weiter sollten sich Menschen mit geschwächtem Immunsystem impfen lassen, also Personen z. B. mit HIV-Infektion oder Tumorerkrankungen. Dies gilt auch für Menschen mit Therapien, die das Immunsystem schwächen, wie Chemotherapien oder Cortisonbehandlung. Auch für Patienten mit neurologischen Erkrankungen wie der multiplen Sklerose, bei denen durch Infekte neue Erkrankungsschübe ausgelöst werden können, gilt die Impfempfehlung. Weiter sollte sich Menschen mit erhöhter Gefährdung impfen lassen. Einerseits ist hiermit das medizinische Personal gemeint, darüber hinaus Menschen mit vielen Kontakten zu anderen Personen bzw. mit viel Publikumsverkehr, also z. B. Kindergärtner/-innen, Busfahrer/-innen oder Lehrer/-innen. Geimpft werden sollten weiter Menschen, die in Pflegeeinrichtungen leben bzw. Personen mit direktem Kontakt zu Geflügel oder Wildvögeln.

Neu ist, dass die Impfempfehlung auch auf Frauen ausgeweitet wurde, die während der Influenzasaison schwanger sind. Für gesunde Schwangere wird eine Impfung ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel empfohlen, für Schwangere mit Grunderkrankungen auch schon früher.

Warum wird die Impfung nun auch für Schwangere empfohlen?

Es wurden neue Daten gewonnen, die gezeigt haben, dass schwangere Frauen mit Influenzavirus-Infektion ein höheres Risiko für schwere Krankheitsverläufe bzw. Komplikationen haben. Dies ist darauf zurückzuführen, dass im Rahmen der Schwangerschaft immunologische Vorgänge stattfinden, die die Abwehr von Virusinfektionen schwächen. Ein weiterer Grund für die Impfempfehlung bei Schwangerschaft ist, dass auch die Neugeborenen von geimpften Frauen etwa während der ersten sechs Monate nach der Geburt vor einer Infektion geschützt sind.

Welche Nebenwirkungen können bei der Impfung auftreten?

Einerseits sind dies lokale Nebenwirkungen an der Impfstelle wie Rötung, Schwellung und Überwärmung. Darüber hinaus können allgemeine Symptome auftreten wie Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Kopf- und Gliederschmerzen, Magen-Darm-Beschwerden oder erhöhte Temperaturen. Meist sind diese Symptome nicht sehr stark ausgeprägt und klingen nach einem bis drei Tagen wieder ab.

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