28.03.09

Belgischer Investor wendet die drohende Insolvenz in letzter Minute ab

Der Vogelpark Walsrode ist gerettet

Firma übernimmt sofort das Geschäft und zahlt den 60 Mitarbeitern die ausstehenden Gehälter. Wie geht es anderen Tierparks im Norden?

Von Hanna-Lotte Mikuteit
Foto: dpa
Ein Bartkauz im Anflug: Der Vogelpark Walsrode wurde 1962 gegründet, er gilt als größter der Welt - auf 24 Hektar Fläche werden 4000 Vögel gezeigt. Zurzeit hat er 60 Mitarbeiter.

Hamburg. Der Pleitegeier kreiste monatelang über dem Vogelpark Walsrode. Doch nach der drohenden Insolvenz ist der Park nun gerettet. Ein neuer Eigentümer steigt ein: das belgische Unternehmen Floralux. "Wir haben sofort die Geschäftsführung übernommen", sagte Geer Scheref von der Floralux-Gruppe am Freitag. Herz und Seele des Parks müssten nun zurückgewonnen werden - wie das geschehen soll, ist noch sein Geheimnis.

Die Firma betreibt im belgischen Dadizele ein großes Gartencenter. Das Unternehmen übernimmt bereits die Gehälterzahlungen für die 60 Mitarbeiter des Vogelparks.

"Es war Rettung in letzter Minute", sagte Michael Lebid (SPD), Bürgermeister der zuständigen Gemeinde Bomlitz, dem Abendblatt. "Wir sind sehr froh, dass da jetzt jemand ist, der investieren will." Je nachdem, wie das Konzept für den Park aussehe, könne auch über eine öffentliche Förderung verhandelt werden. "Wir sind bereit." Erleichtert zeigte sich auch die parteilose Bürgermeisterin von Walsrode, Silke Lorenz, die sich wie Lebid an den Gesprächen um die Rettung des Parks beteiligt hatte. "Ich bin so glücklich." Sie sei von dem neuen Betreiber sehr überzeugt.

Lebid sieht den "nötigen Sachverstand" bei dem Käufer. Floralux wolle vor allem Qualität und Struktur des Parks erhalten. Die gärtnerische Gestaltung sei dem neuen Eigentümer besonders wichtig, und die wissenschaftliche Arbeit des Vogelparks solle wieder deutlich in den Vordergrund rücken, sagte Lebid. Der Park schuldet der Gemeinde noch 80 000 Euro. Die Belgier hätten bereits 300 000 Euro für Verbindlichkeiten und Gehälter gezahlt, sagte der Bürgermeister. Von weiteren 200 000 Euro für die noch ausstehenden Gehaltszahlungen für Februar und März an die Mitarbeiter sei die Rede gewesen.

Die Besucherzahl im Vogelpark Walsrode war im vergangenen Jahr auf 280 000 zurückgegangen, das hatte den Park in finanzielle Schieflage gebracht. 330 000 Besucher sind erforderlich.

Der Vogelpark Walsrode, der in seiner jetzigen Form nicht mehr auf dem Stand der Zeit ist, wird runderneuert. Aber wie geht es anderen Tierparks in Norddeutschland?

Der Vogelpark im ostholsteinischen Niendorf steckt in massiven Schwierigkeiten. Der Kreis hat die Anlage geschlossen, weil der Betreiber die behördlichen Auflagen nicht erfüllt und die Volieren nicht vergrößert hatte. Klaus Landfeldt hatte sich mit der Gründung des Vogelparks vor 25 Jahren einen Traum erfüllt. Jetzt muss er um sein Lebenswerk kämpfen. "Der Betreiber weiß seit Jahren, dass die Tiere nicht gemäß den gesetzlichen Bestimmungen untergebracht sind", sagt die Sprecherin des Kreises Ostholstein, Anja Sierks-Pfaff. Aber Langfeldt hatte schlicht kein Geld, um die erforderlichen Umbauten zu machen. Und jetzt hat er auch keine Einnahmen mehr.

Die kleinen Tierparks, die zumeist privat betrieben werden und ohne öffentliche Unterstützung auskommen müssen, spüren auch, dass es mehr Konkurrenz gibt. "Man muss sich immer wieder etwas Neues einfallen lassen, sonst kommen die Leute nicht wieder", sagt Theda Hatlapa. Die 79-Jährige hat gemeinsam mit ihrem gerade verstorbenen Ehemann Max vor 39 Jahren den Wildpark Eekholt bei Großenaspe gegründet und zählt zu den Pionieren der Branche. Im Jahr kommen 280 000 Besucher, streifen durch das naturbelassene 67-Hektar-Gelände und bestaunen Wölfe, Otter und Rotwild.

"Es ist ein schwieriges Geschäft, interessant zu bleiben", sagt auch Friedrich August, der mit Ehefrau, Eltern und Bruder seit gut drei Jahrzehnten den Eselhof Nessendorf im Ostholsteinischen betreibt. "Wir brauchen 100 000 Besucher im Jahr, um davon leben zu können." Mit ungewöhnlichen Angeboten wie der Deutschen Junioren-Meisterschaft im IA-Rufen hat sich der Spezialpark einen Markt erarbeitet.

"So etwas wie in Walsrode kann uns nicht passieren", sagt Norbert Tietz vom Wildpark Lüneburger Heide. "Wir passen auf." Im Park gibt es 1000 Tiere und 130 Arten. 300 000 Besucher kommen im Jahr. "Das reicht. Aber wir tun auch viel dafür", sagt Tietz. Neue Höhepunkte sind das gerade eingeweihte Bärengehege, der Bau eines Reptiliums und der Umbau der Zooschule. Geplant ist ein Blockhaus-Camp, damit Gruppen auch auf dem 60-Hektar-Gelände übernachten können. "Wir sind guten Mutes, auch weil wir in diesen Zeiten ein Produkt anbieten, das für Familien bezahlbar ist", sagt Tietz.

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