Tessin: Zwei Gymnasiasten vor Gericht Mord an Ehepaar: War es den Tätern im Dorf zu langweilig?

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Insgesamt 80-mal stachen sie auf ihre Opfer ein, dann stahlen sie deren Auto. Prozessbeginn ohne Öffentlichkeit.

Schwerin. So viele Kameras wie zum Auftakt des Prozesses zur "Bluttat von Tessin" waren selten vor dem Schweriner Landgericht aufgebaut. Doch die Öffentlichkeit bekam keinen der beiden 17-jährigen Angeklagten zu sehen. Die Gymnasiasten, die sich wegen des Doppelmordes von Tessin vor der Jugendstrafkammer verantworten müssen, wurden durch eine Hintertür in den Gerichtssaal gebracht. Hinter verschlossenen Türen sagten die beiden dann aus. Zunächst zu ihren Lebensläufen, dann zur Tat, die wegen ihrer Brutalität bundesweit für Schlagzeilen sorgte.

Die beiden Schüler, die gemeinsam das Gymnasium in Boizenburg (Mecklenburg-Vorpommern) besuchten und Medienberichten zufolge mit ihrem Leben in der Provinz haderten, sollen am 13. Januar 2007 in Tessin ein Ehepaar brutal getötet haben. 62 Einstiche und Schnittverletzungen zählten die Gerichtsmediziner an der Frau (41), mindestens 17-mal trafen die Klingen der Küchenmesser den Mann (46). Beide verbluteten. Neben Mord wird den Angeklagten auch Geiselnahme und Raub mit Todesfolge vorgeworfen. Nach einer Begutachtung von Sachverständigen sieht die Staatsanwaltschaft keine Hinweise auf Schuldunfähigkeit.

Der Staatsanwaltschaft zufolge haben die beiden den Tatablauf bei den Vernehmungen gestanden. Auch vor Gericht beantworteten die Jugendlichen bereitwillig alle Fragen, sagte der Pressesprecher des Landgerichts, Detlef Baalcke. Die Anklagebehörde geht davon aus, dass die Gymnasiasten die Schule abbrechen und in Japan ein neues Leben beginnen wollten. Deshalb wollten sie sich ein Fahrzeug beschaffen, um sich auf den Weg zu machen. Für die Staatsanwaltschaft liegt zumindest bei einem der Angeklagten ein weiteres Motiv nahe: Macht auszuüben. Von Gewaltfantasien bei dem Jungen berichtete auch die Wochenzeitung "Die Zeit" in einer mehrseitigen Reportage. Der Redakteur hatte mit den Eltern der mutmaßlichen Täter gesprochen, die mit ihren Kindern aus Hamburg nach Tessin gezogen waren und die Tat auch fünf Monate danach noch nicht begreifen können. Für den Prozess sind vorerst vier Verhandlungstage bis zum 12. Juli geplant.