13.09.12

IAA 2012

Konjunktur-Tief: USA und Russland sollen Lkw-Markt helfen

Wie bei den Pkw, so bei den schweren Lastern: Der lahmende Absatz in Südeuropa zwingt die Nutzfahrzeugbauer, ihr Heil anderswo zu suchen.

Von Jan-Henrik Petermann
Foto: dpa/DPA
IAA Nutzfahrzeuge 2012
Am 20.September 2012 startet die IAA Nutzfahrzeuge in Hannover

Hannover. Wenn der konjunkturelle Motor stottert, kann die Nachfrage nach Nutzfahrzeugen schlimmstenfalls gleich mit abgewürgt werden. Auf der weltgrößten Fachmesse in Hannover will die alarmierte Branche jetzt ihr Selbstbewusstsein aufpolieren – und mit jeder Menge Neuheiten gegen die schwere Absatzkrise in Westeuropa anfahren.

Wohl nur Maschinenbau und Elektrotechnik reagieren noch anfälliger auf Schwankungen der ökonomischen Großwetterlage als das Geschäft mit Brummis, Lieferwagen und anderen automobilen Arbeitstieren. Wegen der enormen volkswirtschaftlichen Bedeutung des Straßengüterverkehrs gilt die IAA Nutzfahrzeuge (20. bis 27. September) deshalb auch als Gradmesser für die allgemeine Stimmung in vielen Industriesparten.

Nicht allein im Pkw-Geschäft sind Märkte wie Spanien, Italien oder Portugal von der Kaufzurückhaltung durch die staatlichen Spardiktate infolge der Euro-Schuldenkrise arg gebeutelt. Die Nutzfahrzeugbauer leiden unter ganz ähnlichen Problemen. Denn wenn die Aufträge im produzierenden Gewerbe einbrechen, trifft es Logistiker mit als erste - die Bestellungen bei Herstellern und Zulieferern sinken merklich.

Im ersten Halbjahr berichtete der europäische Autoverband Acea in dem Segment von einem Neuzulassungs-Minus von 10,8 Prozent auf knapp 900.000 Einheiten in der EU. Verglichen mit den ersten sechs Monaten 2011 sank die Nachfrage in Deutschland dabei noch relativ moderat um 1,9 Prozent. Derweil lagen die spanischen (-25,5) und italienischen (-37) Märkte am Boden. In Frankreich (-7,2) und Großbritannien (-5,1) mehrten sich zumindest die Anzeichen, dass es steil bergab geht.

Besser sieht es freilich bei Nahverkehrs- und Reisebussen über 3,5 Tonnen aus, hier gelang seit Jahresbeginn ein Plus von 5,2 Prozent. Doch diese Fahrzeuge spiegeln eben nur einen Teil des Angebots wider.

Klar ist: Die IAA soll angesichts des schwierigen Umfelds Impulse geben. Weil sich die Situation in Süd- und Westeuropa aber so bald kaum stabilisieren dürfte, blicken die Produzenten hoffnungsvoll in andere Teile der Welt. Die Traditionsbranche, die in Deutschland nach Angaben des Verbands der Automobilindustrie (VDA) gut ein Viertel aller Mitarbeiter des gesamten Auto-Sektors beschäftigt, will darum die großen Potenziale in Osteuropa, Asien und Amerika heben. "Durch Wachstum in anderen Regionen – wie in den USA oder Russland – können wir das ausgleichen", glaubt VDA-Präsident Matthias Wissmann.

+++ Die Autos auf der IAA gehen Up und elektrisieren +++

Daimlers Lkw-Chef Andreas Renschler bringt die diffuse Gemengelage relativ entspannt auf den Punkt: "Mit unserem Auftragseingang in Westeuropa sind wir zufrieden, aber es könnte natürlich besser sein." Ein Rückgang von Europas Gesamtmarkt um 10 Prozent sei 2012 denkbar. Den Schwaben kommt allerdings zugute, dass sie bereits stärker als manch ein Rivale in Fernost und jenseits des Atlantiks unterwegs sind. 2011 lagen die Anteile Asiens (32 Prozent) und Nordamerikas (27) als Absatzmärkte schon vor Europa (22). Das bisherige Absatzplus für dieses Jahr lag bei Daimler Ende Juli bei insgesamt 23 Prozent.

Die Nutzfahrzeugsparte von Europas Auto-Primus VW konnte zuletzt sogar in Westeuropa draufsatteln – die Hannoveraner rechnen die gute Entwicklung in Deutschland hier jedoch mit ein. In der Summe wuchsen die Verkäufe im ersten Halbjahr um 3,7 Prozent. Der Münchner MAN-Konzern, an dem VW inzwischen über drei Viertel der Anteile hält, kommt mit seinen Schwerlastern dagegen schlecht vom Fleck: Im zweiten Quartal fuhren die Bayern in die roten Zahlen. Der VW-Ableger Scania aus Schweden, dessen Verhältnis zu MAN als schwierig gilt, verdiente in der ersten Hälfte 2012 ein Drittel weniger als vor einem Jahr.

Insbesondere Renault und Volvo, die ihr Geschäft mit großen Trucks zusammengelegt haben, wollen sich mit Platzhirsch Daimler und der VW-Gruppe einen Dreikampf liefern. Volvo konnte seinen Nutzfahrzeug- Gewinn im zweiten Quartal im Vergleich zum Vorjahr immerhin fast halten. Konzernchef Olof Persson begründete dies aber mit der Stärke in Nordamerika und Osteuropa. Das habe Probleme in Südamerika und Westeuropa ausgebügelt. Pikant für Volkswagen: In den USA ist der Autoriese bei schweren Lkw bisher noch gar nicht vertreten.

Wie auch immer das Wettrennen in Zeiten der Krise ausgeht: Alle Beteiligten beschwören zur IAA, dass man sich keinen Rezessionsklagen hingeben dürfe. Das mag mit Blick auf Europa wie das Pfeifen im Walde klingen. Bei den globalen Aussichten versucht Wissmann die Deutschen jedenfalls zu beruhigen: "Der Markt dürfte stabil bleiben." Und 2013? Analyst Eric Heymann von Deutsche Bank Research sieht etwas Licht: "Unter dem Strich sind die Erwartungen für Europa alles andere als berauschend, aber zuversichtlicher als noch für das laufende Jahr."

(dpa)

Multimedia

Neue Flitzer auf der IAA 2011

Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Alles über Ihre Straße

Top Video Alle Videos
Nobelpreisträger Stefan W. HellBrightcove Videos

Er hat die superauflösende Fluorseszenz-Mikroskopie entwickelt: Gemeinsam mit zwei Amerikanern ist Stefan W. Hell aus Göttingen mit dem Nobelpreis für Chemie ausgezeichnet worden.mehr »

Top Bildergalerien mehr
Clubverbot

Razzia bei den Hells Angels

Polizei

Flüchtlinge besetzen Kreuzung in Bahrenfeld

Bundesliga

Werder steckt nach 0:1 gegen Köln weiter in Krise

Hamburg

Die große Laubschlacht der Stadtreinigung

Highlights
tb_hh_mahjong100.jpg
Mahjong

Spielen Sie mit!mehr

rb_wetter_926045a.jpg
Wetter in Hamburg

Der aktuelle Wetterbericht mit Karte und Vorhersagemehr

rb_stadtplan_926042a.jpg
Stadtplan Hamburg

Mit dem Hamburger Stadtplan Adresse und Orte findenmehr