28.02.13

Bispingen

Es gibt noch Hoffnung für den "Snow Dome"

Das Wirtschaftsministerium äußerte sich optimistisch, dass die Skihalle nur vorübergehend geschlossen werde. Betreiber will neues Konzept vorlegen. Land deutet Bereitschaft zur Förderung an.

Von Carolin George
Foto: dpa
Snow Dome in Bispingen
Der "Snow Dome" in der Lüneburger Heide muss vorerst schließen - Hoffnung für eine Weiterführung gibt es aber

Bispingen. Nach einem Gespräch zwischen Wirtschaftsministerium und Geschäftsführung der Skihalle "Snow Dome" in Bispingen hat sich Sprecher Stefan Wittke am Donnerstagabend hoffnungsvoll gegenüber dem Abendblatt geäußert. "Es gibt noch Chancen", sagte er. "Es könnte sein, dass es sich nur um eine vorübergehende Schließung handelt."

Dass Ende März geschlossen werde, sei unumgänglich. Der Betreiber aber werde dem Land ein Konzept vorlegen, wie die Anlage weiterbetrieben werden könne. "Das betrifft auch die Energiewirtschaft", sagte Ministeriumssprecher Wittke. Die steigenden Energiekosten hätten die Bilanz belastet, Ziel könnte sein, die Anlage energieautark zu machen etwa durch Solaranlagen oder ein Windrad.

Eine weitere Förderung durch das Land Niedersachsen sei möglich, so Wittke, "unter dem erklärten Willen weiterzumachen". Die Förderung könne das Marketing oder die Energiefrage betreffen. "Das schließen wir nicht aus." Ministerium und Betreiber eine der Wunsch, lebendigen Tourismus zu erhalten. "Das Interesse des Betreibers an der Anlage ist da. Das freut uns."

Ein Schlag für die Kommune

Kirche, Apotheke, Supermarkt. Fischladen, Fleischer, Schuhgeschäft. Eisdielen, Restaurants, Hotels. Zwei Tankstellen. Bispingen hat weit mehr an Infrastruktur, als die knapp 2500 Einwohner vermuten lassen. Grund ist allein der Tourismus. Doch dass der in Zukunft arg leiden könnte, das ist die große Sorge, die seit Mittwoch im Ort umgeht. Seit in der Zeitung stand, dass der "Snow Dome" schließt.

Zwei, drei Kilometer vom Dorfkern entfernt, liegt die Skihalle seit Herbst 2006 direkt an der Autobahn 7, zwischen Heide und Iserhatsche, Freizeitparks und Hügelgräbern. Zusammen mit einer Kartbahn von Ralf Schumacher und einem auf dem Kopf stehenden Haus – ein Dorf im Dorf, Touristenattraktion. Eigentlich sollte dort zusätzlich ein Outlet-Center entstehen, ein Bauschild kündigt das auch immer noch an – aber die Shoppingmeile hat längst beim Konkurrenten auf der anderen Seite der Autobahn aufgemacht, in Soltau. Und Bispingens Klage gegen die Baugenehmigung hat das Verwaltungsgericht Lüneburg gerade abgewiesen.

Jetzt der nächste Schlag ins Kontor der Kommune.

"Wenn der Snow Dome schließt, ist das eine Schweinerei", lässt Christel Wenk, 74, ihrer Wut beim morgendlichen Einkauf freien Lauf. "Die haben Fördergeld bekommen und wollen jetzt im Hauruck-Verfahren zumachen. Das kann doch nicht sein."

Mit 3,4 Millionen Euro hat das Land Niedersachsen die Investition der Tiroler Firma aus Sölden im Ötztal gefördert – die Bindefrist lief am 31. Mai 2012 ab. Hätte die Skihalle vorher geschlossen, hätte der Unternehmer das Geld dem Wirtschaftsministerium zurückzahlen müssen. Hinzu kommt: Noch Anfang Februar hat es ein Gespräch des Geschäftsführers mit der niedersächsischen Förderbank über mögliche Investitionen gegeben.

Das "wie" macht auch Bispingens Bürger stutzig. Nicht nur die Rentnerin Christel Wenk wundert sich, dass längst ein Sozialplan ausgearbeitet sein soll. An eine Schließung für immer wollen die wenigsten glauben.

"Wir hoffen, dass es weitergeht", sagt Bärbel Schmidt, 48, an der Rezeption des Gasthofs Rieckmann direkt neben der Dorfkirche. "Für die Mitarbeiter, aber auch für uns als Hotel." Vor der Tür stehen Heidschnucken aus Baumstämmen, in Holzkästen wächst winterharte Heide. "Wir haben davon profitiert, haben unseren Gästen spezielle Arrangements gemeinsam mit dem Snow Dome angeboten und eng zusammenarbeitet." Auch wenn das weniger wurde, als neben der Skihalle vor einem Jahr das eigene Hotel-Resort aus Blockhäusern eröffnet wurde. Von der geplanten Schließung Ende März hat Bärbel Schmidt aus der Zeitung erfahren. "Wir sind sehr erschüttert und perplex. Die Nachricht hat hier eingeschlagen wie eine Bombe."

"Der einzige Anlaufpunkt für unsere Jugendlichen"

Zwei Häuser weiter dekoriert Christine Wedemann, 45, gerade den Souvenirstand für Schafsfelle, Stoffschafe und wollene Hausschuhe. "Ich bin total traurig, aber auch optimistisch, dass es irgendwie weitergeht", sagt sie. "Die 1000 Gäste pro Tag, mit denen die Betreiber gerechnet haben, kamen natürlich nicht. Im Sommer habe ich mich schon oft gefragt, ob das gut gehen kann." Die Halle aber sei "schön aufgemacht" und für den Nachwuchs im Ort am Wochenende die Rettung: "In der Disco ist immer etwas los. Sie ist der einzige Anlaufpunkt für unsere Jugendlichen."

Und die laufen dem Dorf weg, wenn es irgendwann keine Attraktionen mehr für sie gibt, fürchtet Gitta Gröning, 58, Inhaberin des "Kleinen Speichers". Dieselbe Sorgt plagt Katja Habermann, 42. "Als Mutter hatte ich immer ein gutes Gefühl, mein Kind am Wochenende dorthin zu schicken", sagt die Bäckereiverkäuferin und schlägt ein Sonnenblumenbrot in Papier ein. "Die Preise fürs Skifahren waren zwar hoch, gerade für Familien. Aber wenn es das nicht mehr gibt, ist hier am Wochenende gar nichts mehr los."

Habermann und ihre Kollegin Yvonne Johansdotter, 28, hoffen auf den Erhalt der Halle. Auch wenn sie sich schon länger gefragt haben, wie sich die Anlage eigentlich rentieren kann. Wenn sie für immer schließt, "beeinflusst das die ganze Wirtschaftslage des Ortes", sagt Floristin Silke Sonnenberg, 40, als sie eine Rose anschneidet. "Das Kaufverhalten, die Repräsentation, alle hängt daran. Der Snow Dome war ein Symbol für den ganzen Ort."

Bei Gastwirt Erhard Steltzer, 71, haben mitunter Gruppen aus Hamburg gegessen, die als Betriebsausflug erst Ski fuhren und sich anschließend in "De ole Döns" stärkten. "Es fließt weniger Geld in die Gemeinde, die überregionale Werbung fällt weg", zählt er die Folgen einer Schließung auf. Er spricht von "Erpressung" und davon, dass Druck aufs Land ausgeübt wird, um womöglich weitere Fördermittel zu bekommen. Denn Steltzer kann sich "nicht vorstellen, dass man das brachliegen lässt".

Wenn doch, leiden andere mit. Zum Beispiel das "Verrückte Haus", das vor der Kartbahn und der Skihalle auf dem Kopf steht. Mitarbeiterin Anneliese Jantohs, 57, verkauft dort im vor drei Monaten neu eröffneten "Café Kopfüber" Kaffee und Kuchen. "Wenn dahinten zu ist, kommen auch hierher weniger Leute", ahnt sie und versteht nicht, warum wegen aufwendiger Sanierungen gleich von Schließung gesprochen wird und nicht von Betriebsunterbrechung.

Ob die Bispinger Recht behalten, ob ihre Hoffnung zu Recht besteht, bleibt abzuwarten.

Multimedia

Lüneburger Heide

Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Alles über Ihre Straße

Top Bildergalerien mehr
Eidelstedt

Osterfeuer greift auf Bürogebäude über

Bundesliga

HSV kassiert Heim-Debakel gegen Wolfsburg

Kate, William und George besuchen Australien

Christliches Fest

Die besten Bilder von Ostern 2014

Highlights
tb_hh_mahjong100.jpg
Mahjong

Spielen Sie mit!mehr

rb_wetter_926045a.jpg
Wetter in Hamburg

Der aktuelle Wetterbericht mit Karte und Vorhersagemehr

rb_stadtplan_926042a.jpg
Stadtplan Hamburg

Mit dem Hamburger Stadtplan Adresse und Orte findenmehr