Harburg. Früher fuhr man für Kultur über die Elbe in die City. Heute kommt Kultur über die Elbe nach Harburg. 900 Studenten und Interessierte lauschten am Montagabend dem Schriftsteller und Hamburger Ehrenbürger Siegfried Lenz (77) im großen Audimax der TU Harburg. Sämtliche Plätze waren besetzt, die Aufgänge auch und selbst zu Füßen des Meisters ("So zärtlich war Suleyken", "Deutschstunde"), saßen noch zwei Dutzend junger Leute. Lenz verriet im Rahmen der TU-Reihe "TUHH impulse", wie er mal angefangen hatte: Seinen Erstlingsroman "Es waren Habichte in der Luft" verkaufte er für 3000 Mark an eine Zeitung - "eine unvorstellbar hohe Summe", so Lenz, "neue Wünsche wuchsen wie Pilze." Anschließend sprach er "Von der Wirkung der Landschaft auf den Menschen". Dien Techniker ermahnte er, dass Landschaft viel über sich ergehen lassen müsse. Lenz verwies auf Kant und plädierte dafür, mit Vernunft an die Natur heranzugehen, nicht wie Schüler, sondern wie ein "gescheiter Richter". Wichtig sei es, die Naturlandschaft, die "Wildnisse" zu erhalten, auch in der Stadt. TU-Präsident Christian Nedeß (59) dankte Lenz und sagte, die TU lege großen Wert darauf, keine "Technokraten" auszubilden, sondern die Studenten auch für Geisteswissenschaften zu sensibilisieren. Nach dem Vortrag lud Nedeß Lenz und dessen Gattin Liselotte zum Essen ins Hotel Lindtner. Mit am Tisch saßen Christiane Nedeß, TU-Vizepräsident Ulrich Killat und Frau Renate, Jochen Winand, Vorsitzender des Wirtschaftsvereins für den Hamburger Süden, und Frau Astrid, der ehemalige Chef des Harburger Mercedes-Werks der Daimler Chrysler AG, Dieter Bobbert, und Walter Conrads, Sprecher der Philips GmbH. Die Gruppe speiste à la carte und trank dazu Fränkischen Riesling von Wirsching in Iphofen.arus