Sieben Exponate mussten verhüllt und zensiert werden, damit die Ausstellung "Echte Körper - von den Toten lernen" am Sonnabend eröffnen durfte.

Sieben Exponate in Leichenshow verhüllt

Besucher stehen am Sonnabend vor einem der sieben verhüllten Exponate in Hannover. "Zensiert" steht auf einem angehängten Zettel.
Foto: dpa/DPA

Hannover. Mit Verspätung ist am Samstag in Hannover eine umstrittene Ausstellung mit präparierten menschlichen Leichenteilen eröffnet worden. Behördenvertreter hatten zuvor die Räumlichkeiten besichtigt und verfügt, dass sieben Exponate zunächst verhüllt und versiegelt werden. „Wir erwarten in diesen Fällen den Nachweis, dass eine Einwilligung der Verstorbenen vorliegt, die auch den Exponaten zugeordnet werden kann“, sagte Klaus Abelmann, Sprecher der Region Hannover. Erst dann könne über eine Ausnahmegenehmigung entschieden werden. Bei den betroffenen Ausstellungsstücken handelt es sich nach Auffassung der Region um Leichen. Nach dem Niedersächsischen Bestattungsgesetz sei es aber grundsätzlich verboten, eine Leiche öffentlich auszustellen, sagte Abelmann.

Leichen-Ausstellung sorgt für Wirbel

Teil der Ausstellung "Echte Körper - von den Toten lernen": Ein plastinierter männlicher Körper.

„Es bedarf keiner Ausnahmeregelung, diese Ausstellung fällt nicht unter das Bestattungsgesetz“, betonte hingegen Rechtsanwalt Helmut Hartung, der den deutschen Veranstalter Premium Exhibition Ltd. vertritt. Es läge ein Gutachten vor, dass es sich um eine wissenschaftliche Präsentation handele, sagte der Jurist. „Die Behörde handelt außerhalb ihrer Kompetenz.“ Die Exponate seien nicht als Leichen anzusehen.

Die Körper kommen nach Angaben des Veranstalters aus einem amerikanischem Körperspende-Programm. Die Plastinate stammten aus dem Labor Corcoran Inc. im US-Bundesstaat Michigan. Die Ausstellung „Echte Körper – von den Toten lernen“, in der unter anderem Organe wie eine Raucherlunge zu sehen sind, aber auch ein Fötus und ein Männerkörper, hatte für viele kritische Stimmen gesorgt, vor allem von Seiten der Kirche. Die Ausstellung setzt nach Angaben von Ausstellungsleiter Stephan Marschall im Gegensatz zur Schau des umstrittenen Plastinators Gunther von Hagens nicht auf Effekthascherei: „Unsere Schau ist eine medizinische Ausstellung.“

In Deutschland sei sie seit 2006 unter anderem in Leipzig, Dresden und Magdeburg gezeigt worden. In Hannover soll sie bis Ende November auf dem ehemaligen Expo-Gelände zu sehen sein. Gunther von Hagens war es 2003 von der Stadt Hannover verboten worden, seine „Körperwelten“ zu zeigen. Mit drei Stunden Verspätung öffnete die Schau schließlich gegen Mittag. Etwa 20 Besucher harrten am Vormittag vor den verschlossenen Türen des Ausstellungsgebäudes aus. Eine Besucherin, die mit ihrem Mann und ihrem Sohn die Exponate sehen wollte, schimpfte über die deutsche Bürokratie. Ein Mann bezeichnete das Verhalten der Behörden als „lächerlich und provinziell“.


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