Auf einer rechtsextremen Internetseite war die von Angela Merkel gestiftete Gedenk-Tafel der Stralsunder Synagoge zuvor verunglimpft worden.

Vermutlich rechtsextreme Täter haben eine von Bundeskanzlerin Angela Merkel gestiftete Synagogen-Gedenktafel in der Langenstraße in Stralsund gestohlen.
Foto: dpa/DPA
Stralsund. Vermutlich rechtsextreme Täter haben eine von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gestiftete Synagogen-Gedenktafel in Stralsund gestohlen. Die Messingtafel, die an das in der Reichspogromnacht 1938 in Brand gesteckte jüdische Gotteshaus erinnert, wird auf einer rechtsextremen Internetseite mit einem sarkastischen Text ausgestellt. Wie ein Polizeisprecher am Mittwoch sagte, waren die Beamten bei Recherchen im Internet auf das Objekt gestoßen und hatten am 29. Oktober Strafanzeige wegen Diebstahls gestellt. Der Täter werde in der rechtsextremen Szene vermutet, hieß es. Inzwischen ist das Landeskriminalamt in die Ermittlungen eingebunden.
Wann die gut sichtbar neben dem Eingang eines Hauses angebrachte Tafel gestohlen wurde, ist nach Angaben der Polizei unklar. Die CDU in Stralsund reagierte betroffen auf den Diebstahl. „Das ist eine Unverfrorenheit, die zum Gedankengut der Rechten passt“, sagte die christdemokratische Abgeordnete und Stralsunder Initiatorin des Stolperstein-Projektes, Ute Nitz, am Mittwoch. Eine neue Tafel wurde bereits in Auftrag gegeben, das Merkel-Wahlkreisbüro wurde informiert.
Die Synagoge, die einst auf dem Hinterhof des Hauses stand, wurde in der Nacht vom 9. zum 10. November 1938 in Brand gesteckt. Mit der Deportation der Stralsunder Juden in das Konzentrationslager Sachsenhausen erlosch das jüdische Leben in der Hansestadt. Die Reste der Synagoge wurden 1951 abgerissen. Die von Merkel im April 2009 gestiftete Tafel zitiert einen Satz aus dem Tagebuch von Anne Frank, die im KZ Bergen-Belsen starb: „Geschehene Dinge kann man nicht ändern, aber man kann dafür sorgen, dass sie nicht wieder vorkommen.“
Das Landeskriminalamt ist in die Ermittlungen eingebunden. Es gebe einen Verdacht, sagte LKA-Sprecher Olaf Seidlitz. Weitere Angaben machte die Behörde nicht. Die Ermittlungen zum Betreiber der Internetseite gestalteten sich allerdings schwierig, da der Server im Ausland stehe.
Für Ute Nitz war der Diebstahl der Tafel „nur eine Frage der Zeit“. Regelmäßig würden in Stralsund zum Holocaust-Gedenktag am 27. Januar die an frühere jüdische Bürger erinnernden Stolpersteine mit Beton beschmiert. Die Täter wurden bisher nicht ermittelt. Stillschweigend haben die Stolperstein-Initiatoren den Beton immer wieder beseitigt.














