12.07.13

Norddeutschland

Rivalen im Autolack: Störche attackieren Autos und Haustüren

Glänzende Autos und blitzende Scheiben verwirren einige Weißstörche in Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen. Die Störche vermuten Rivalen in den Spiegelbildern und greifen an.

Foto: dpa

Symbolfoto Storch
Symbolfoto Storch

Bergholz/Lübtheen. Aufgeregte Weißstörche attackieren derzeit in Norddeutschland Autos und spiegelnde Scheiben und sorgen so für Ärger. "Wir haben mehrere Fälle und sind sehr unglücklich darüber", sagte der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Weißstorchschutz Mecklenburg-Vorpommern, Helmut Eggers, am Freitag in Lübtheen (Kreis Ludwigslust-Parchim).

So "patrouilliert" im vorpommerschen Bergholz ein Storch seit Tagen durch das Dorf und hat "mindestens vier Autos angegriffen und zum Teil sogar eingebeult", wie Bürgermeister Ulrich Kersten sagte. Weitere Fälle mit den geschützten Tieren kennt Eggers aus den Nachbarorten Dreilützow in Westmecklenburg und Wilkenstorf im Amt Neuhaus, das zu Niedersachsen gehört.

"Die Autolacke und Scheiben werden immer besser und spiegeln mehr, so dass die Störche glauben, sie stehen Rivalen in ihrem Revier gegenüber", erläuterte Eggers. Ein Betroffener in Dreilützow habe schon einen Plastikstorch aufgestellt, um den Angreifer von Autos wegzulocken. Den Plastikvogel habe der echte Storch "zerlegt". Am besten helfe wohl Abdecken der Spiegelflächen oder ein "sachtes Verscheuchen" des Tieres.

"Je nach Autotyp wird der Schaden auf 300 bis 1000 Euro geschätzt", sagte Bürgermeister Kersten. Da das Tier auch schon Scheiben an Haustüren und Kellern mit dem Schnabel zerschlug und Terrassentüren angriff, haben einige Dorfbewohner ihre Türen mit Decken verhängt. "Wir wissen nicht, was wir noch tun sollen", räumte Kersten ein: "Einsperren geht nicht, anbinden geht auch nicht."

Der Storch ziehe gerade mit einem zweiten Vogel drei Junge im Dorfzentrum von Bergholz auf. "Die Tiere brüten seit 20 Jahren hier, wir haben das große Nest erst im Frühjahr wieder befestigt." Kersten rät den 381 Bergholzern, Ruhe zu bewahren und die Autos möglichst in Garagen zu stellen. Von den Versicherern habe man bisher keine guten Nachrichten erhalten: "Einer hat gesagt, gezahlt werde nur, wenn der Vogel angefahren würde – eine andere Versicherung zahlt nur bei "Haarwild".

(dpa)
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