29.06.13

Aurum Edelmetalle und Recycling GmbH

Norderstedter Goldbarren für London

Bei der Aurum Edelmetalle und Recycling GmbH können auch Privatkunden ihren Schmuck einschmelzen lassen. Edelmetall wird an der Börse verkauft. Goldpreis ist seit Jahresbeginn um 20 Prozent gefallen.

Von Steffen Preißler
Foto: Roland Magunia

Das Einschmelzen von Silber verschiedener Legierungen
Das Einschmelzen von Silber verschiedener Legierungen

Hamburg. Der Schmuck liegt in einer Plastikschale: Ringe, Ketten und ein Armreif. So wie ihn ein Kunde bei der Aurum Edelmetalle und Recycling GmbH in Norderstedt abgeliefert hat. Auch nach dem starken Einbruch beim Goldpreis läuft das Geschäft noch gut. "Mengenmäßig spüren wir kaum einen Rückgang. Die Ankaufpreise für ein Gramm Feingold sind mit rund 28 Euro noch immer hoch", sagt Mathias Kruse, der Geschäftsführende Gesellschafter des Unternehmens. Er kann sich noch an einstellige Ankaufpreise erinnern.

Doch die Motive für den Verkauf von Gold haben sich verändert. Preissensible Kunden, die einen hohen Kurs erzielen wollen, kommen jetzt seltener, denn seit Jahresbeginn ist der Goldpreis um rund 20 Prozent gefallen. Doch wer das Geld für andere Zwecke benötigt, verkauft auch jetzt noch, denn trotz Preiseinbruch ist das Edelmetall 240 Prozent teurer als vor zehn Jahren. Und der Glanz des Goldes als Wertspeicher ist noch nicht verblasst, auch wenn viele Banken inzwischen den Daumen wieder über Gold senken. "Viele Kunden lassen sich ihren Goldschmuck einschmelzen und umformen und nehmen einen Goldbarren mit nach Hause", sagt Betriebsleiterin Miriam Torbeck.

Schmelzöfen fassen bis zu 60 Kilogramm

Goldankäufer gibt es an jeder Ecke. Doch nur in wenigen Unternehmen kann das Altgold verarbeitet werden – wie hier in Norderstedt. Den Armreif des Kunden zerteilt Mitarbeiterin Elisabeth Chwiatkowski mit einem Seitenschneider, damit er später in das Schmelzgefäß passt. Auch andere Teile, die nicht aus Gold sind, sowie Schmucksteine entfernt sie. "Kleine Goldmengen bis 100 Gramm schmelzen wir per Hand ein", sagt Kruse. Für größere Mengen gibt es Schmelzöfen, die bis zu 60 Kilogramm fassen. Der Kundenauftrag, der jetzt gerade bearbeitet werden soll, wiegt aber nur 49 Gramm.

Uwe Konopatzki füllt den Schmuck in das Schmelzgefäß, das wie ein Aschenbecher aussieht. Dann erhitzt er das Metall mit einem Schweißbrenner auf bis zu 1300 Grad und bewegt mit Hilfe einer Vorrichtung das Gefäß mit der heißen Masse mit kleinen kreisenden Bewegungen. Das dauert maximal fünf Minuten. Nach der Schmelze erstarrt das Metall und sieht zunächst in Größe und Farbe wie ein Spiegelei aus. Doch als Konopatzki das Gold im Wasser abkühlt, nimmt es schnell die gewohnte Farbe an.

Röntgengerät bestimmt den Goldgehalt

Nun muss der genaue Goldgehalt mit einem speziellen Röntgengerät bestimmt werden. Das geht innerhalb von drei Minuten und der Computerausdruck listet neben dem Goldanteil alle Metalle wie Kupfer, Silber oder Zinn auf, die üblicherweise in Goldschmuck enthalten sind. In diesem Fall liegt der reine Goldgehalt bei 58 Prozent, eine gute Quote. Erst jetzt kann der Preis genau bestimmt werden, den der Kunde für sein Altgold bekommt. Denn 28,4 Gramm in dem Metallblock sind reines Gold. Das bringt zum aktuellen Tagespreis rund 810 Euro abzüglich der Kosten für die Aufarbeitung.

Viele Kunden warten gleich, bis ihr Gold eingeschmolzen und geprüft ist. Das Geld wird dann ausgezahlt oder überwiesen. Wer sich über den gefallenen Goldpreis ärgert und auf höhere Kurse hofft, kann sein Gold (ab 50 Gramm) seinem Metallkonto gutschreiben lassen und das Edelmetall erst später verkaufen. "Das Preisänderungsrisiko liegt dann allerdings beim Kunden", sagt Kruse. Aurum ist eine der wenigen Gold- und Silberscheideanstalten, die auch Privatkunden bedienen. "Wer Edelmetalle bei uns verkaufen will, muss sich aber vorher telefonisch einen Termin geben lassen", sagt Torbeck.

Anteil der Privatkunden um zehn Prozent gestiegen

Gemessen an dem Aufwand, den Aurum Edelmetalle bei der Prüfung des Schmucks betreibt, verwundert es, wo jetzt überall Gold angekauft wird: Im Kiosk, beim Optiker oder im Nagelstudio. "Dort bekommen sie meist Nasenpreise", sagt Torbeck. Mitunter kommen Kunden von solchen Aufkäufern und sind enttäuscht, weil ihr Schmuck nicht als Gold anerkannt wurde. "Das kann passieren, denn die verwendeten Säuretests sind nur auf die häufig anzutreffenden Legierungen wie 333 oder 585 ausgerichtet", sagt Torbeck. In England wird auch eine 416er Legierung verwendet. Auf Basis des Säuretest würde der Schmuck aber nur als 333er Gold eingestuft. "Für den Aufkauf von Gold ist es deshalb immer besser, sich an Fachbetriebe zu wenden", sagt Torbeck.

Seit dem Anstieg des Goldpreises ist der Anteil der Privatkunden von 20 auf 30 Prozent gestiegen. Neben Goldschmuck bringen sie auch Zahngold, Kerzenständer, Becher, Schalen aus Silber oder Platinschmuck. "Wir können alle Edelmetalle verarbeiten und trennen", sagt Kruse. Die Sachverständige und Gutachterin Torbeck rät aber gelegentlich vom Einschmelzen ab, zum Beispiel bei Objekten mit antikem oder historischem Wert. "Wir können nur Edelmetallwerte vergüten, doch manche Schmuckstücke oder Münzen sind viel wertvoller", sagt sie.

Gestiegene Edelmetallpreise sorgten für mehr Kunden

Aurum Edelmetalle und Recycling ist neben Aurubis die einzige Scheideanstalt in Norddeutschland. 1997 gründete Kruse zusammen mit seiner Frau das Unternehmen, das heute zehn Mitarbeiter beschäftigt. Damals kostete eine Feinunze Gold (31,1 Gramm) 350 Dollar. Heute sind es 1200 Dollar. "Allein in den vergangenen fünf Jahren sind wir um 50 Prozent gewachsen", sagt Kruse. Ausgeweitet wurde die Angebotspalette für Dienstleistungen rund um die Edelmetalle wie der Barrenhandel oder der Vertrieb von Formteilen für die Schmuckindustrie. Auch gestiegene Edelmetallpreise sorgten für mehr Kunden. "Unser Geschäftsmodell hängt aber nicht an den Edelmetallpreisen, sondern an unserem Spezialwissen", sagt Kruse. Das Gold wird, so wie es hereinkommt, auch gleich wieder an der Londoner Börse verkauft. "Wir spekulieren nicht."

Der Zahntechniker und Zahnarzt Kruse, der auch Chemie studiert hat, interessierte sich schon früh für Dentallegierungen. "Das war ein interessantes Feld für mich, da wollte ich selbstständig arbeiten", erzählt er. Noch immer liefert er Dentallegierungen für Zahnärzte und Zahntechniker. Inzwischen verliert dieses Geschäftsfeld aber an Bedeutung. Die Patienten haben jetzt lieber Keramik als Metall im Mund. Mit anderen Geschäftsbereichen lässt sich der Rückgang aber ausgleichen. Aurum Edelmetalle ist ein wichtiger Zulieferer für die Schmuckindustrie. Für sie liefert das Unternehmen Bleche, Drähte und Formteile aus Edelmetall.

Das Ziel ist reines Gold zu gewinnen

Wenn das Gold der Kunden eingeschmolzen und geprüft ist, beginnt bei Aurum Edelmetalle erst die eigentliche Arbeit. Denn die Metallklumpen haben ganz unterschiedliche Anteile des Edelmetalls. Das Ziel: reines Gold zu gewinnen. Dort, wo das geschieht, dürfen wir keinen Blick hineinwerfen. Betriebsgeheimnis. "Theoretisch sind die Verfahren bekannt, aber unser Spezialwissen besteht darin, welche Säuren, Temperaturen und Zeitabläufe bei der Raffination erforderlich sind", sagt Kruse. Die goldhaltigen Metallstücke werden im Induktionsschmelzofen verflüssigt und in größere Barren gegossen. Dann erst beginnt die eigentliche Goldraffination. Am Ende steht ein pulverförmiges Material – reines Gold. Es wird an den Metalltechnologie-Konzern Umicore geliefert. Neben Heraeus ist es das einzige Unternehmen in Deutschland, das bankenhandelsfähige Goldbarren herstellen darf. Nur die kann Kruse dann an der Londoner Goldbörse verkaufen. Erst dann ist sein Geschäft endgültig abgeschlossen.

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