21.02.13

Alter Brauch

Tausende feiern traditionelles Biikebrennen in Nordfriesland

Biikebrennen gilt als ältester nordfriesischer Brauch. Die Ursprünge des "Feuerkults" liegen in grauer Vorzeit. Viele Gäste anwesend.

Foto: dpa

Besucher stehen vor einer brennenden Strohpuppe im traditionellen Biikefeuer in Simonsberg bei Husum in Schleswig-Holstein

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Bredstedt/St. Peter-Ording. Tausende Menschen haben am Donnerstagabend in Nordfriesland die traditionellen Biikefeuer besucht. Wegen des meist trockenen Winterwetters überstieg die Gästezahl zum Teil sogar die Erwartungen der Veranstalter. Insgesamt loderten mehr als 60 Feuer an den Küsten des Festlands und auf den Inseln Sylt, Amrum, Föhr und Pellworm.

In St. Peter-Ording waren schon am Nachmittag die ersten Besucher mit dem Zug eingetroffen – darunter zahlreiche Familien mit Kindern. In ausgebeulten Manteltaschen und Rucksäcken schleppten sie Thermoskannen voll heißem Saft für die Kleinen, während die Großen meist hochprozentigen Glühwein im Kampf gegen den eisig-kalten Wind bevorzugten. Wer die Biike stilecht wie die Friesen feiern wollte, wärmte Hände und natürlich auch sein Inneres mit süßem Teepunsch. Dafür werde Köm – eine Art norddeutscher Aquavit – mit heißem Tee aufgegossen, verriet ein junger Friese, während er einem Rentner aus dem Rheinland einen ordentlichen Schluck in seinen Thermosbecher einschenkte.

Biike ist das friesische Wort für "Feuerzeichen". Das Biikebrennen gilt als ältester nordfriesischer Brauch. Heidnische Bauern feierten es vor über 2000 Jahren als Fackeltanz zur Beschwörung einer guten Ernte, weiß das Nordfriisk Institut (Nordfriesisches Institut) in Bredstedt. Auch nach der Christianisierung blieb der Brauch erhalten. Im 17. und 18. Jahrhundert riefen die Biikefeuer vor allem die Menschen zum Gerichtstag zusammen, bevor in den darauffolgenden Wochen die friesischen Walfänger aufbrachen. Dabei wurde das Feuer noch bis ins 19. Jahrhundert auf Stangen herumgetragen. Die heute üblichen großen Feuerstöße werden erst seit Mitte des 19. Jahrhunderts aufgeschichtet, als auch die Nordfriesen begannen, ihre "guten Stuben" mit Weihnachtsbäumen zu schmücken, und die trockenen Tannen nach dem Fest wieder loswerden wollten.

Heute ist das Biikebrennen zur Touristenattraktion geworden. Die brennenden Holzstöße locken samt traditioneller Feuerrede jedes Jahr tausende Gäste in den Nordwesten Schleswig-Holsteins. Auch diesmal drängten sie sich bei Einbruch der Dunkelheit gemeinsam mit den einheimischen Nordfriesen um den "Scheiterhaufen" und kommentierten das Auflodern der Flammen mit einem ehrfürchtigen "Aaah". Spät am Abend verteilten sich alle auf die umliegenden Gasthöfe zum traditionellen Grünkohlessen: Typisch norddeutsch mit süßen Kartoffeln, Bauchspeck, Kassler und Kochwurst.

(dpa)
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