20.02.13

Prozess

46-Jähriger nach 20 Jahren wegen Mordes verurteilt

Mehr als 20 Jahre wurde der 46-Jährige eines Mordes verdächtigt, doch erst moderne Analyseverfahren haben nun zu seiner Verurteilung geführt.

Foto: DPA
Statue Justitia - Weniger Verfahren vor Gerichten
Justitia (Symbolbild)

Braunschweig. Zwei Jahrzehnte nach dem Tod einer jungen Frau hat das Landgericht Braunschweig am Mittwoch einen 46-Jährigen wegen Mordes zu 13 Jahren und 6 Monaten Haft verurteilt. Das Gericht sprach den Psychiatriepatienten für schuldig, die 23-Jährige im Oktober 1992 im Harz vergewaltigt und getötet zu haben. Die Frau war ein Zufallsopfer. Die Kammer könne nicht ausschließen, dass der Mann wegen einer Persönlichkeitsstörung vermindert schuldfähig ist, erläuterte Richter Ralf-Michael Polomski das Urteil.

In einem grauen Sweatshirt sitzt der 46-Jährige mit dem Rücken zum Publikum. Während der Urteilsverkündung richtet er seinen Blick meist nach unten. Schon als junger Mann wurde er wegen mehrfacher Vergewaltigung verurteilt. Unabhängig vom Richterspruch wird sich für ihn zunächst wenig ändern: Seit 1988 wird er in einem Psychiatrie-Krankenhaus im Maßregelvollzug therapiert. Erst wenn seine Behandlung als abgeschlossen gilt, müsste er in ein Gefängnis. Ob dann die Jahre in der Psychiatrie angerechnet werden, ist derzeit gesetzlich offen. Der Rechtsanwalt will nun prüfen, welche Folgen das heutige Urteil hat und dann gegebenenfalls Revision einlegen.

Bei einem Gruppenausflug hatte sich der aus dem Kreis Peine stammende Täter unerlaubt entfernt und nach einem Opfer Ausschau gehalten. "Die 23-Jährige hatte keine Chance", so der Richter. Von hinten hatte er die Frau überfallen und unter Drohungen auf eine Lichtung gezwungen. Dort fesselte er sie mit einem Klebeband und missbrauchte sie. Um die Vergewaltigung zu vertuschen, musste die junge Frau nach Auffassung des Gerichts sterben.

Als neue Analysemethoden den Mann als Täter identifizierten, gestand er die Vergewaltigung, nicht aber die Tötung. "Die genaue Todesursache konnte letztendlich nicht festgestellt werden", sagte Polomski. Die Leiche war erst nach fünf Monaten entdeckt worden. Klar sei jedoch, dass die 23-Jährige durch den Angeklagten ums Leben kam.

Bevor der Mann auf freien Fuß kommen könnte, muss eine Strafvollstreckungskammer urteilen, ob er in Sicherungsverwahrung kommt – dann käme er erst wieder frei, wenn Gutachter ihn für ungefährlich hielten. "Der Hang zu weiteren Straftaten kann nicht festgestellt werden, ist aber wahrscheinlich", begründete Polomski den Vorbehalt der Sicherungsverwahrung.

(dpa)
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