31.01.13

Mecklenburg-Vorpommern

Anstieg der Arbeitslosenzahl – über 100.000 ohne Job

Auf dem Bau, im Tourismus und in der Landwirtschaft werden weniger Menschen beschäftigt. Auch die wirtschaftliche Dynamik hat nachgelassen.

Foto: dapd
Ein Mann geht an einem Logo der Bundesagentur für Arbeit (BA) vorbei. Die Arbeitslosenzahl in Mecklenburg-Vorpommern ist im Januar um 14 Prozent gestiegen
Ein Mann geht an einem Logo der Bundesagentur für Arbeit (BA) vorbei. Die Arbeitslosenzahl in Mecklenburg-Vorpommern ist im Januar um 14 Prozent gestiegen

Kiel/Schwerin. Die Arbeitslosenzahl in Mecklenburg-Vorpommern ist im Januar sprunghaft um 14 Prozent gestiegen. 115 500 Männern und Frauen standen ohne Job da – 14 200 mehr als im Dezember, wie die Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit am Donnerstag in Kiel mitteilte. Die Arbeitslosenquote war den Angaben zufolge mit 13,6 Prozent aber – anders als bundesweit – immer noch niedriger als im Januar vor einem Jahr mit 14 Prozent. Damals waren 120 000 Menschen erwerbslos. Dennoch ist Mecklenburg-Vorpommern mit 12,4 Prozent derzeit unter den Bundesländern – nach Berlin – wieder das Schlusslicht in der Arbeitslosenstatistik.

Die Chefin der Regionaldirektion Nord, Margit Haupt-Koopmann, nannte als Grund für den Anstieg primär jahreszeitliche Einflüsse. Für einen Januar sei die Entwicklung "absolut saisontypisch" und noch immer geringer als in den vergangenen drei Jahren. "Was mich umtreibt, ist die nachlassende wirtschaftliche Dynamik", sagte Haupt- Koopmann. "Ich sehe erste Bremsspuren am Arbeitsmarkt." Das Beschäftigungswachstum sei zum Stillstand gekommen. Die Zahl der gemeldeten sozialversicherungspflichtigen Stellen sei im Vergleich zum Januar 2012 um 560 oder 17,5 Prozent gesunken.

Die Betriebe seien wegen der schwächeren Konjunkturerwartungen bei Neueinstellungen vorsichtiger. Daher hätten deutlich weniger Arbeitslose im Januar einen neuen Job bekommen. Die Zahl derjenigen, die sich bei den Arbeitsagenturen und Jobcentern in eine Erwerbstätigkeit abmeldeten, sei im Vorjahresvergleich um 1500 oder 23,0 Prozent gesunken.

Es gebe aber weiterhin Bereiche, die aufbauen, sagte die Geschäftsführerin. Dazu gehörten Gesundheit und Soziales mit einem Plus von 1500 Beschäftigten, das verarbeitende Gewerbe mit ebenfalls 1500 und das Gastgewerbe mit 800 zusätzlichen Stellen. Einen Abbau gebe es unter anderem bei der Zeitarbeit mit 1000 und bei privaten Dienstleistungen mit 700 Beschäftigten.

"Das Gesundheitswesen bleibt der Jobmotor in Mecklenburg- Vorpommern", sagte Arbeitsministerin Manuela Schwesig zu den neuen Zahlen. In Zeiten einer abflauenden Konjunkturentwicklung ist es nach ihrer Auffassung notwendig, dass sich die Bundesregierung ihrer Verantwortung für den Arbeitsmarkt wieder bewusst wird. "Das Zurückfahren der Eingliederungshilfen durch Bundesministerin Ursula von der Leyen ist ein verheerendes Signal für alle Arbeitslosen in Deutschland. Dadurch wird Arbeitslosigkeit zementiert", meinte die SPD-Politikerin.

Nach Ansicht der Linken zeigt der Anstieg der Arbeitslosenzahlen die nach wie vor große saisonale Abhängigkeit der Wirtschaft und des Arbeitsmarktes. Der arbeitsmarktpolitische Sprecher der Linksfraktion, Henning Foerster, forderte die Landesregierung auf, sich auf Bundesebene für die Ausweitung des Anspruchs auf Arbeitslosengeld I einzusetzen. Derzeit müssen Arbeitnehmer innerhalb von zwei Jahren zwölf Monate sozialversicherungspflichtig beschäftigt sein, um Arbeitslosengeld zu erhalten und nicht in Hartz IV zu fallen. Dies Spanne sollte auf sechs Monate in drei Jahren verringert werden.

Die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, Silke Gajek, verwies auf Versäumnisse in der Bildungs- und Ausbildungspolitik der vergangenen Jahrzehnte. Sie seien mit Schuld daran, dass derzeit knapp 12 000 Menschen zwischen 25 und 35 Jahren keine abgeschlossene Erstausbildung haben.

Der arbeitsmarktpolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Torsten Renz, sieht das Land trotz des Anstiegs der Arbeitslosenzahlen auf einem guten Kurs. Immerhin gebe es 3,6 Prozent weniger Erwerbslose als im Januar 2012. Die Vereinigung der Unternehmerverbände Mecklenburg-Vorpommern (VUMV) habe eine insgesamt optimistische Konjunkturprognose abgegeben.

Die Beschäftigungsaussichten für die mittelständisch geprägte und wenig exportabhängige Wirtschaft des Landes seien demnach besser als bislang gedacht. "Technologie- und Innovationsförderung des Mittelstands muss auch in Zukunft prioritäre Aufgabe der Landespolitik bleiben", forderte Renz – und verstärkte Maßnahmen für Vorpommern. So sei die Arbeitslosenquote in Vorpommern-Rügen mit 17,4 Prozent fast doppelt so hoch wie im Kreis Ludwigslust-Parchim (9,5).

(dpa)
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Alles über Ihre Straße

Die Welt - Aktuelle News
  1. 1. DeutschlandCSU-General Scheuer"Die AfD ist eine Partei von gestern"
  2. 2. DeutschlandLandtagswahlenBerauschte AfD setzt rasanten Aufstieg fort
  3. 3. KommentareLandtagswahlenNur CDU und SPD können jetzt die Mitte bewahren
  4. 4. DeutschlandThüringen-WahlSPD-Chef Gabriel teilt Backpfeifen aus
  5. 5. DeutschlandThüringen-WahlRamelow kann erster linker Regierungschef werden
Top Video Alle Videos
Die Terrororganisation Islamischer Staat sei auch eine Bedrohung für Deutschland, sagte De Maiziere.Brightcove Videos

Bundesinnenminister Thomas de Maizière hat die Betätigung der Terrororganisation Islamischer Staat in Deutschland verboten. Jeder Verstoß gegen das Betätigungsverbot ist ab sofort eine Straftat. mehr »

Top Bildergalerien mehr
Bundesliga

HSV verliert in Hannover 2:0

Spendenaktion

Eine Brücke aus Booten über die Alster

Fußball

Günter Netzer – was für ein Typ!

2. Bundesliga

Die Sonntagsspiele der 2. Bundesliga

Highlights
tb_hh_mahjong100.jpg
Mahjong

Spielen Sie mit!mehr

rb_wetter_926045a.jpg
Wetter in Hamburg

Der aktuelle Wetterbericht mit Karte und Vorhersagemehr

rb_stadtplan_926042a.jpg
Stadtplan Hamburg

Mit dem Hamburger Stadtplan Adresse und Orte findenmehr