Schleswig-Holstein Böge soll neuer CDU-Chef in Schleswig-Holstein werden

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Der Politiker soll den strauchelnden Landesverband wieder auf Kurs bringen. Der Landesvorstand nominierte ihn am Donnerstag.

Kiel. Der Europaabgeordnete Reimer Böge soll die Nord-CDU als neuer Landesvorsitzender wieder in ruhigere Fahrwasser führen. Der erweiterte Landesvorstand nominierte den bisherigen Partei-Vize am Donnerstagabend auf einer Sitzung in Kiel einstimmig. "Wir sind in einer etwas schwierigen Zwischenphase", sagte der 61-Jährige am Rande der Sitzung. Als Notlösung will er seine Kandidatur aber nicht verstanden wissen: "Ich stehe hier nicht als Notnagel."

Böge hatte am Mittwochabend wie erwartet seine Kandidatur für den Chefposten angekündigt und dafür seine schriftliche Bewerbung bei der CDU-Geschäftsstelle eingereicht. Die Neuwahl ist nötig geworden, weil der bisherige Vorsitzende Jost de Jager Anfang Januar – enttäuscht vom mangelnden Rückhalt in der Partei – zurückgetreten war. Gewählt werden soll der neue Landeschef auf einem Parteitag am 16. März.

Böge wies Darstellungen zurück, nur ein Übergangskandidat an der Spitze der Nord-CDU zu sein. "Der Landesvorstand ist auf zwei Jahre gewählt. In meinem Alter denkt man ohnehin nicht mehr in Jahrzehnten", sagte der 61-Jährige. Nach dem Abgang von de Jager hatte Böge zunächst eine Kandidatur ausgeschlossen. "Es war nicht mein politisches Lebensziel, jemals an der Spitze der Landes-CDU zu stehen", sagte er am Donnerstag.

Mit Blick auf die vergleichsweise häufigen Wechsel an der Parteispitze in den vergangenen Jahren fügte er hinzu: "Sicherheit gibt es in diesem Geschäft nie." Durch seine Arbeit im Europaparlament, für das er erneut kandidieren wolle, habe er gelernt, den Dialog zu führen. Sein Wirken in Brüssel – weitab von der Landespolitik – sehe er dafür nicht als Nachteil. "Den Spagat mache ich schon seit mehr als 20 Jahren." Böge ist seit 1997 bereits Partei-Vize.

Bis zum Parteitag will sich Böge auf drei Kommunalkonferenzen der Basis vorstellen. Für die Kommunalwahl im Mai sei die Union gut aufgestellt, sagte er. Offen ist allerdings noch, wer an Böges Stelle neuer stellvertretender Landeschef wird.

Der ehemalige Landesvorsitzende de Jager war erst Ende November als Landesvorsitzender in seinem Amt bestätigt worden. Der 47-Jährige stand nur eineinhalb Jahre an der Spitze der Nord-CDU. Er war 2011 auf Christian von Boetticher gefolgt, der über eine frühere Beziehung zu einer Minderjährigen gestürzt war. Als Spitzenkandidat zur Landtagswahl im Mai 2012 hatte er das Ziel verfehlt, Ministerpräsident zu werden. Die CDU musste in die Opposition und sucht in dieser neuen Rolle immer noch ihr Profil.

Sein designierter Nachfolger Böge ist innerhalb der Union hoch angesehen. Lange Zeit wurde auch der Bundestagsabgeordnete und Vorsitzende der CDU-Kommunalpolitiker, Ingbert Liebing, als möglicher neuer Landeschef gehandelt. Im Falle eines Duells beider Kandidaten wäre Böge wahrscheinlich ohnehin der Favorit gewesen. Allerdings hatte sich der Kreisvorstand in Dithmarschen einstimmig für Liebing ausgesprochen. Liebing selbst betonte mit Blick auf die geplante Wahl von Böge, "ich bin sicher, dass der Parteitag ein großes Signal der Geschlossenheit senden wird".