23.01.13

DDR-Vergangenheit

Lange Wartezeit für die Einsicht in Stasi-Akten

Für viele Bürger ist das SED-Unrecht nicht verjährt. Sie wollen wissen, welche Informationen die Stasi einst sammelte. Antragszahl wächst.

Foto: ZB/DPA
Außenstelle der Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen
Ein Rollwagen voller Stasi-Akten - nur ein Bruchteil der Gesamtunterlagen

Rostock. Das Interesse von Bürgern an ihren Stasi-Akten nimmt weiter zu. Bei der Außenstelle Rostock des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen wurden im vergangenen Jahr 3450 private Anträge auf Akteneinsicht abgegeben, wie Behördenleiter Volker Höffer am Mittwoch in Waldeck bei Rostock sagte. Im Jahr zuvor waren es 3068 Anträge gewesen.

Wer allerdings keinen Grund für eine vorrangige Akteneinsicht angeben kann, muss sich gedulden. Die Wartezeit liege inzwischen bei knapp drei Jahren. Der Grund dafür liege in der sinkenden Zahl von Mitarbeitern in seiner Behörde, sagte Höffer. Inzwischen seien nur noch fünf Sachbearbeiter mit privaten Anträgen beschäftigt, vor zwei Jahren seien es noch acht gewesen. Insgesamt arbeiteten derzeit in der Rostocker Behörde gut 50 Personen, "wir waren einmal 90".

Ein Grund für eine vorrangige Akteneinsicht sei beispielsweise ein Alter von mehr als 75 Jahren oder eine schwere Krankheit eines Antragstellers. Auch wer die Informationen für Rehabilitierungs- oder Wiedergutmachungsansprüche brauche, könne schneller Zugang zu den Akten bekommen. Dies gelte auch für diejenigen, die als Kinder ihren Eltern weggenommen wurden, weil diese einen Ausreiseantrag gestellt hatten. Viele von ihnen wurden in Jugendwerkhöfen oder Spezialkinderheimen untergebracht.

Es gebe auch zahlreiche Menschen, die aus politischen Gründen in DDR-Haft waren und nun einen Antrag auf Rehabilitation stellen. "Sie haben erst jetzt die innere Ruhe und den Abstand gefunden, sich damit auseinanderzusetzen." Oft seien die Verletzungen so tief, dass dieser große zeitliche Abstand notwendig war. Höffer berichtete von Menschen, die bei einer versuchten "Republikflucht" erwischt wurden und im Knast landeten. Nach dem Freikauf durch die Bundesrepublik mussten sie ihr Leben erst wieder in den Griff bekommen. Mit dem Eintritt ins Rentenalter wachse das Interesse an der eigenen Vergangenheit. Oft wendeten sich auch die Kinder der Betroffenen an die Behörde.

Von Bedeutung sei auch die Bildungsarbeit. So seien im vergangenen Jahr in der ehemaligen Rostocker Untersuchungshaftanstalt der Stasi und heutigen Gedenkstätte mehr als 10 000 Besucher gezählt worden. Höffer hob dabei hervor, dass mit knapp 2000 die Zahl der Schüler gestiegen sei, auch wenn in den vergangenen Jahren die absolute Schülerzahl in Mecklenburg-Vorpommern stetig gesunken sei. Ein Besuch rentiere sich besonders für Abiturienten, die sich in ihren Prüfungen mit dem Kalten Krieg auseinandersetzen müssten. "Alles, was die Stasi gemacht hat, ist ohne den Kontext der großen politischen Geschichte nicht zu verstehen", sagte Höffer. Dazu zähle beispielsweise der Einmarsch der Warschauer-Pakt-Truppen in die Tschechoslowakei 1968.

(dpa)
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