21.01.13

Stralsund und Wolgast

Werften-Ausschuss prüft drei Jahre vor P+S-Pleite

Der Untersuchungsausschuss soll untersuchen, ob der Landesregierung bei ihren Rettungsbemühungen Fehler unterlaufen sind.

Foto: dpa
P+S-Werften
Das Firmenschild der P+S-Werften ist am Eingang zur Volkswerft in Stralsund hinter einem Zaun zu sehen

Schwerin. Der Landtags-Untersuchungsausschuss arbeitet die Pleite der P+S-Werften in Stralsund und Wolgast chronologisch in drei Zeitabschnitten auf. Darauf verständigten sich die Mitglieder am Montag, wie der Ausschussvorsitzende Jochen Schulte (SPD) in Schwerin sagte. Zunächst werde die Entwicklung von Mitte 2009 bis zur Schaffung einer Treuhandlösung für die damals zur Hegemann-Gruppe gehörenden Werften Anfang 2010 untersucht. Später sollen zwei weitere Komplexe folgen: die Zeit von 2010 bis Ende 2011 und die Entwicklungen 2012 bis zur Insolvenz.

Der Ausschuss soll untersuchen, ob der Landesregierung bei ihren Rettungsbemühungen Fehler unterlaufen sind. Die Politik hatte immer wieder mit Bürgschaften und Darlehen in Millionenhöhe geholfen. Die Insolvenz konnte sie damit nicht abwenden.

Mitte 2009 waren erstmals finanzielle Schwierigkeiten der Schiffbaubetriebe in Stralsund und Wolgast bekanntgeworden. Im Herbst jenes Jahres gewährte das Land ein erstes Darlehen über 28 Millionen Euro, wie die Obfrau der Linken im Untersuchungsausschuss, Jeannine Rösler, sagte. "Wir wollen unter anderem Wissen, warum man sich 2009 für die Treuhandlösung entschieden hat", sagte Rösler. Hegemann hätten damals auch andere Varianten zur Sanierung des Unternehmens vorgeschwebt. Auch die Kosten der Treuhandlösung für das Unternehmen sollen beleuchtet werden, kündigte die Finanzpolitikerin an.

Schulte und auch Rösler gehen davon aus, dass Ende April die ersten Zeugen zum ersten Themenkomplex gehört werden können. Er hoffe, dass dieser Themenkomplex bis zum Sommer abgearbeitet sein wird, sagte der Vorsitzende.

Schulte zufolge hat die Landesregierung dem Ausschuss inzwischen alle rund 300 Akten zu den Vorgängen um die P+S-Werften zur Verfügung gestellt. Sie würden derzeit digitalisiert und für die Ausschussmitglieder bereitgestellt, sagte er.

P+S – Das Auf und Ab der Werften

Chronologie der P+S-Werften

1948 wurden die Volkswerft Stralsund und die Peene-Werft Wolgast gegründet.

1992 übernimmt die Bremer Hegemann-Gruppe die einstige Marinewerft in Wolgast. Jahrelang hat die Peene-Werft volle Auftragsbücher.

Juli 2007: Die Hegemann-Gruppe übernimmt die Volkswerft Stralsund. Sie will in die Produktion besonders großer Containerschiffe einsteigen.

Februar 2009: Infolge der Wirtschaftskrise werden in beiden Werften die Aufträge knapp. Reedereien stornieren Schiffsneubauten.

März 2009: Hegemann kündigt die Umstellung auf den Spezialschiffbau an.

Juni 2009: Finanz- und Wirtschaftsministerium geben grünes Licht für eine Bürgschaft über 9 Millionen Euro.

Juni 2010: Die beiden Werften stellen sich unter dem Namen P+S- Werften neu auf. Die Hegemann-Gruppe hält einen Anteil von 7 Prozent, die HSW Treuhand- und Beteiligungsgesellschaft ist mit 93 Prozent beteiligt.

August 2010: Die Belegschaften erklären sich zu kostenloser Mehrarbeit bereit, um die weitere Sanierung der Werften zu sichern.

August 2011: Die P+S-Werften erhalten einen weiteren Millionenauftrag über den Bau von zwei Offshore-Installationsschiffen.

März 2012: Land, Bund und Banken einigen sich auf Unterstützung bei der Finanzierung von Schiffbauaufträgen. Grund sind die teureren Spezialschiffe.

Mai 2012: Ein Finanzloch von 200 Millionen Euro gefährdet den Fortbestand. Das Land ist grundsätzlich zu erneuter Hilfe bereit, braucht aber die Zustimmung der EU und sieht auch Bund, Banken, das Unternehmen und die Belegschaft mit in der Verantwortung.

Juni 2012: Es stellt sich heraus, dass fast 300 Millionen Euro Umstrukturierungsbeihilfe nötig sind. Die Mitarbeiter erklären sich bereit, sich an der Rettung mit 68 Millionen Euro zu beteiligen. Schwerin sagt ein Darlehen von bis zu 152,4 Millionen Euro zu.

Juli 2012: Die EU-Kommission genehmigt die staatliche Garantie für die P+S Werften unter Vorbehalt.

August 2012: Der frühere Airbus-Manager und Sietas-Werftsanierer Rüdiger Fuchs wechselt als Unternehmenschef an die Spitze der P+S-Werften. Er deckt größere Probleme als bisher bekannt auf, darunter Lieferverzögerungen für Scandlines-Fähren und zwei Spezialfrachter.

20. August: Das Land stoppt die Hilfen.

1. November: Gut zwei Monate nach dem Insolvenzantrag für die P+S-Werften eröffnet das Amtsgericht Stralsund das Insolvenzverfahren. Die Gläubiger haben Forderungen in dreistelliger Millionenhöhe, auch das Land.

 Quelle: dpa

(dpa)
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