18.01.13

Stralsund

Linke will Klarheit über Verluste des Landes bei P+S-Pleite

Schleswig-Holstein stellt sich auf Verluste ein. Der Betrag, den das Land wahrscheinlich abschreiben muss, steht bislang nicht fest.

Foto: dpa
Die insolvente P+S-Werft in Stralsund
Die insolvente P+S-Werft in Stralsund

Schwerin. Die Linke will Klarheit über die Verluste, die dem Land im Zusammenhang mit der Pleite der P+S-Werften drohen. Die Fraktion beantragte, dass die Landesregierung den Finanzausschuss des Landtags unverzüglich über die aktuellen Entwicklungen im Insolvenzverfahren aufklärt. Nach der Gläubigerversammlung am Donnerstag sei zu befürchten, dass das Land als einer der größten Gläubiger auf einen Großteil seiner Forderungen verzichten müsse, sagte die finanzpolitische Sprecherin Jeannine Rösler am Freitag. Es sei schockierend, dass das Land wahrscheinlich fast alle Ansprüche in Höhe von über 270 Millionen Euro abschreiben müsse.

Land und Bund hatten mehr als 300 Millionen Euro schwere Krediten der Nord LB und der KfW-Bank an die P+S-Werften mit Bürgschaften in Höhe von bis 90 Prozent abgesichert und darüber hinaus Darlehen gewährt. Das maximale Ausfallrisiko für das Land beträgt nach Angaben des Finanzministeriums 271,1 Millionen Euro. Als Gläubigerforderung hat das Land 216,5 Millionen Euro bei der Insolvenzverwaltung der P+S-Werften angemeldet.

Die Forderungen der Banken sind gesichert, dem Bankenkonsortium steht also wegen der eingetragenen Schiffsbauwerkhypotheken ein Sonderrecht an den Erlösen aus den von ihm finanzierten Neubauten wie den Scandlines-Fähren zu. Bei einem Verkauf der Fähren durch die Insolvenzverwaltung würden die Einnahmen an die Banken fließen, der Haftungsbetrag des Landes sinkt um diesen Betrag. Nach Angaben des Sprechers des Wirtschaftsministeriums sind derzeit noch keine Aussagen über den Verlust des Landes durch die P+S-Pleite möglich.

Für die nichtgesicherten Forderungen, zu denen auch Kleingläubiger und Zulieferer gehören, rechnet Insolvenzverwalter Berthold Brinkmann nach Angaben vom Donnerstag mit einer Auszahlungsquote von ein bis drei Prozent. Danach stehen diesen Forderungen in Höhe von rund 500 Millionen Euro rund sechs Millionen Euro zur freien Verteilung gegenüber. Die Insolvenzverwaltung hält Forderungen von rund 700 Millionen Euro für berechtigt. Darunter sind rund 200 Millionen Euro, die durch Grundbucheinträge oder Sonderrechte an Schiffsneubauten gesichert sind.

P+S – Das Auf und Ab der Werften

Chronologie der P+S-Werften

1948 wurden die Volkswerft Stralsund und die Peene-Werft Wolgast gegründet.

1992 übernimmt die Bremer Hegemann-Gruppe die einstige Marinewerft in Wolgast. Jahrelang hat die Peene-Werft volle Auftragsbücher.

Juli 2007: Die Hegemann-Gruppe übernimmt die Volkswerft Stralsund. Sie will in die Produktion besonders großer Containerschiffe einsteigen.

Februar 2009: Infolge der Wirtschaftskrise werden in beiden Werften die Aufträge knapp. Reedereien stornieren Schiffsneubauten.

März 2009: Hegemann kündigt die Umstellung auf den Spezialschiffbau an.

Juni 2009: Finanz- und Wirtschaftsministerium geben grünes Licht für eine Bürgschaft über 9 Millionen Euro.

Juni 2010: Die beiden Werften stellen sich unter dem Namen P+S- Werften neu auf. Die Hegemann-Gruppe hält einen Anteil von 7 Prozent, die HSW Treuhand- und Beteiligungsgesellschaft ist mit 93 Prozent beteiligt.

August 2010: Die Belegschaften erklären sich zu kostenloser Mehrarbeit bereit, um die weitere Sanierung der Werften zu sichern.

August 2011: Die P+S-Werften erhalten einen weiteren Millionenauftrag über den Bau von zwei Offshore-Installationsschiffen.

März 2012: Land, Bund und Banken einigen sich auf Unterstützung bei der Finanzierung von Schiffbauaufträgen. Grund sind die teureren Spezialschiffe.

Mai 2012: Ein Finanzloch von 200 Millionen Euro gefährdet den Fortbestand. Das Land ist grundsätzlich zu erneuter Hilfe bereit, braucht aber die Zustimmung der EU und sieht auch Bund, Banken, das Unternehmen und die Belegschaft mit in der Verantwortung.

Juni 2012: Es stellt sich heraus, dass fast 300 Millionen Euro Umstrukturierungsbeihilfe nötig sind. Die Mitarbeiter erklären sich bereit, sich an der Rettung mit 68 Millionen Euro zu beteiligen. Schwerin sagt ein Darlehen von bis zu 152,4 Millionen Euro zu.

Juli 2012: Die EU-Kommission genehmigt die staatliche Garantie für die P+S Werften unter Vorbehalt.

August 2012: Der frühere Airbus-Manager und Sietas-Werftsanierer Rüdiger Fuchs wechselt als Unternehmenschef an die Spitze der P+S-Werften. Er deckt größere Probleme als bisher bekannt auf, darunter Lieferverzögerungen für Scandlines-Fähren und zwei Spezialfrachter.

20. August: Das Land stoppt die Hilfen.

1. November: Gut zwei Monate nach dem Insolvenzantrag für die P+S-Werften eröffnet das Amtsgericht Stralsund das Insolvenzverfahren. Die Gläubiger haben Forderungen in dreistelliger Millionenhöhe, auch das Land.

 Quelle: dpa

(dpa)
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