08.01.13

Niedersachsen

IG Metall sieht Tausende Offshore-Jobs in Gefahr

Weil Investoren zögern oder Planungen aufschieben, bangen Beschäftigte um ihre Jobs. Rund 700 Beschäftigte demonstrierten in Hannover.

Foto: dapd

Beschäftigte von verschiedenen Werften in Norddeutschland demonstrieren am Dienstag in Hannover mit einem Banner "Stralsund braucht die Werft" vor dem Congress Centrum

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Hannover/Hamburg. Eineinhalb Wochen vor der Landtagswahl in Niedersachsen erhöht die IG Metall den Druck auf die Politik, der kriselnden deutschen Offshore-Industrie neuen Schub zu geben. "Das Planungschaos verzögert notwendige Investitionen", sagte der Chef der Gewerkschaft im Bezirk Küste, Meinhard Geiken, am Dienstag in Hannover. Mindestens 700 Beschäftigte aus den Nord-Ländern hatten sich am Rande einer Konferenz des Bundeswirtschaftsministeriums dort versammelt. Die Demonstranten forderten bessere Rahmenbedingungen für Investoren, mehr Jobsicherheit und mehr Tempo bei der Netzanbindung.

Auch der Verband Deutscher Reeder (VDR) warnte vor Arbeitsplatzverlusten, falls der Offshore-Ausbau weiter ins Stocken gerät. Der Investitionsstau in der Branche und Haftungsfragen hatten bereits im vergangenen Jahr für Unruhe gesorgt, die Siag-Nordseewerke im Emden und die Hamburger Sietas-Werft sind inzwischen insolvent. "2012 war für die Energiewende ein verlorenes Jahr", sagte Geiken. "Wir erleben, dass ganze Windparks jetzt zur Disposition stehen."

Der Gewerkschafter machte Niedersachsens Ministerpräsidenten David McAllister (CDU) für einen Teil der Probleme mitverantwortlich. Nach dem Versprechen, zu Siag zu stehen und die Energiewende insgesamt zu fördern, habe sich der Regierungschef den nötigen Bürgschaften und einer Transfergesellschaft verweigert. "Der Ministerpräsident muss handeln und nicht nur Sonntagsreden halten", kritisierte Geiken.

McAllister hielt dagegen, wichtige Etappenziele seien mittlerweile erreicht. "So haben wir uns beispielsweise erfolgreich um die Netzanbindung der Offshore-Windparks gekümmert", sagte er bei der Fachtagung in Hannover. Im Bundesrat hätten die Länder außerdem dafür gesorgt, dass die Haftung bei verspäteten Anschlüssen nun durch die Netzbetreiber "zufriedenstellend geregelt" sei. Niedersachsen beteilige sich überdies am Offshore-Netzentwicklungsplans des Bundes.

Die schleppende Verkabelung von Anlagen auf hoher See müsse sich beschleunigen, mahnte Geiken. "Tausende Arbeitsplätze sind in Gefahr, wenn die desaströse Politik weitergeht." Auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU) solle beim Wort genommen werden: "Man muss diese Aufgabe zur Chefsache machen und das nicht den einzelnen Ministerien überlassen."

Dabei gelte es, Alternativen zum kapitalschwachen Netzbetreiber Tennet aus den Niederlanden zu suchen. McAllister versicherte: "Auch hier arbeiten alle Ebenen an einer nachhaltigen Lösung."

Zu den Protesten waren unter anderem auch Arbeiter der P+S-Werften in Stralsund und Wolgast, eine Delegation der Nordic-Werften aus Wismar und Warnemünde sowie des Bremerhavener Rotorblatt-Herstellers PowerBlades nach Hannover gereist. Ihnen schlossen sich Kollegen der Papenburger Meyer-Werft an, die mit großem Erfolg Kreuzfahrtschiffe bauen. "Wir wollen hier Solidarität zeigen", sagte ein Mitarbeiter. "Unsere Werft darf nicht dichtmachen, es muss weitergehen", forderte Siag-Mann Andreas van Dieken, der seit 43 Jahren im Unternehmen ist.

Der Kandidat für den Posten des Wirtschaftsministers im Fall eines SPD-Siegs bei der Landtagswahl am 20. Januar, Olaf Lies, nannte die Konferenz "plumpe Wahlkampfhilfe" für McAllister: "Die schwarz-gelbe Landesregierung hat mit ihrer Politik der Tatenlosigkeit zugeschaut, wie eine Zukunftsbranche in ihrer Existenz bedroht wird." Sollte die Offshore-Windkraft in Deutschland nicht vorankommen, befürchten auch die Reeder Einbußen. VDR-Chef Ralf Nagel sagte, seine Branche sichere als Dienstleister derzeit 1500 Arbeitsplätze im Offshore-Segment.

(dpa)
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