23.12.12

P+S-Werften

Land gibt Bürgschaft für Fertigstellung von Schiffen

Trotz Insolvenz sollen zwei Fähren zu Ende gebaut werden. Auftraggeber und Insolvenzverwalter erzielten Einigung, Land will bürgen.

Foto: dapd
Die Zufahrt zur Peene-Werft Wolgast der insolventen P+S-Werften
Die Zufahrt zur Peene-Werft Wolgast der insolventen P+S-Werften

Schwerin/Stralsund. Die Zukunft für den Schiffbau in Mecklenburg-Vorpommern hat sich kurz vor Weihnachten etwas aufgehellt: Nur Stunden nach der Bekanntgabe eines neuen Großauftrages für die Nordic Yards in Wismar und Warnemünde zeichnete sich ab, dass auch die insolvente P+S-Werft in Stralsund aller Voraussicht nach zwei Schiffe für die dänische Reederei DFDS fertigbauen kann. Das Land Mecklenburg-Vorpommern sichert den Weiterbau der beiden RoRo-Fähren mit Garantien in Höhe von 43,5 Millionen Euro. Ein Kreditbürgschaftsvertrag sei bereits Anfang Dezember mit dem Insolvenzverwalter unterzeichnet worden, teilte ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums in der Nacht zum Sonnabend mit. Der Vertrag enthalte auflösende Bedingungen, die jetzt aber nicht einträten.

Zuvor war bekanntgeworden, dass die Verhandlungen zwischen dem Insolvenzverwalter und dem Auftraggeber, der dänischen Reederei DFDS, erfolgreich abgeschlossen wurden. Der Vertrag über den Weiterbau der Schiffe sei "endverhandelt", sagte ein Sprecher von Insolvenzverwalter Berthold Brinkmann. Unterschrieben war der Vertrag am Freitagabend allerdings noch nicht. Das Land hatte eine Frist für die Gewährung der Kreditbürgschaft gesetzt, die um Mitternacht ablief.

Auch weitere Bedingungen für die Bürgschaft wurden nach Angaben des Ministeriums erfüllt. Die EU-Kommission erhebe keine Einwände, und die Bürgschaft sei nach Einschätzung einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft haushaltsrechtlich vertretbar. Zudem sei ein Schiffbausachverständiger zu dem Ergebnis gekommen, dass die P+S-Werft in der Lage sei, die Schiffe in Insolvenz fertigzubauen. "Somit hat das Land das Mögliche getan, um den Weiterbau der Schiffe zu unterstützen", erklärte der Ministeriumssprecher.

Die beiden begonnenen Schiffsneubauten liegen auf der Stralsunder Volkswerft und sollen dort die Weiterbeschäftigung für rund 300 Schiffbauer ab 2. Januar 2013 sichern. DFDS will Anzahlungen in Höhe von 40 Millionen Euro für deren Fertigstellung leisten, möchte das Geld aber über eine Bürgschaft abgesichert wissen.

Die Weiterarbeit an den beiden Schiffen soll den Stralsunder Betrieb für mögliche Käufer interessant machen. Derzeit ruhen die Schiffbauarbeiten in Stralsund vollständig. Während es für die Schwesterwerft in Wolgast mit der Bremer Lürssen-Gruppe einen Käufer gibt, liegen für die Stralsunder Werft mit einst mehr als 1000 Beschäftigten bislang keine konkreten Kaufangebote vor.

Die Nordic-Yards in Wismar und Warnemünde haben unterdessen einen Großauftrag vom russischen Transportministerium erhalten. Es sei ein Vertrag zum Bau von zwei eisbrechenden Rettungs- und Bergungsschiffen im Wert von 150 Millionen Euro unterschrieben worden, teilte das Unternehmen am Freitag mit. "Die Finanzierung erfolgt direkt vom russischen Staat und ist bereits heute gesichert", hieß es in der Mitteilung. Nordic Yards ist seit 2009 im Besitz des russischen Investors Vitaly Yusufov. Ende November waren bei Nordic 1125 Mitarbeiter beschäftigt. Allein in diesem Jahr wurden nach Angaben des Unternehmens 200 Leute neu eingestellt worden.

Die Bremer Lürssen-Werft

Die Bremer Lürssen-Werft wird seit 135 Jahren von der gleichnamigen Familie geführt – inzwischen in der vierten Generation. 

Der Betrieb hat mehrere Standbeine: den Neubau von Marineschiffen und Luxusjachten sowie Reparaturen und Dienstleistungen rund um Schiffe weltweit.

Lürssen hat mehrere Standorte. Neben dem Hauptsitz in Bremen-Vegesack sind das die Kröger-Werft in Rendsburg, Wilhelmshaven, Lemwerder und Aumund (bei Bremen).

Lürssen ist insbesondere für seine Superjachten bekannt, Milliardäre aus aller Welt bestellen dort Riesenschiffe wie die mehr als 100 Meter lange "Topaz".

Bei den Militärschiffen ist die Bundeswehr Hauptkunde, Lürssen baut aber auch für den Export. (dapd)

P+S – Das Auf und Ab der Werften

Chronologie der P+S-Werften

1948 wurden die Volkswerft Stralsund und die Peene-Werft Wolgast gegründet.

1992 übernimmt die Bremer Hegemann-Gruppe die einstige Marinewerft in Wolgast. Jahrelang hat die Peene-Werft volle Auftragsbücher.

Juli 2007: Die Hegemann-Gruppe übernimmt die Volkswerft Stralsund. Sie will in die Produktion besonders großer Containerschiffe einsteigen.

Februar 2009: Infolge der Wirtschaftskrise werden in beiden Werften die Aufträge knapp. Reedereien stornieren Schiffsneubauten.

März 2009: Hegemann kündigt die Umstellung auf den Spezialschiffbau an.

Juni 2009: Finanz- und Wirtschaftsministerium geben grünes Licht für eine Bürgschaft über 9 Millionen Euro.

Juni 2010: Die beiden Werften stellen sich unter dem Namen P+S- Werften neu auf. Die Hegemann-Gruppe hält einen Anteil von 7 Prozent, die HSW Treuhand- und Beteiligungsgesellschaft ist mit 93 Prozent beteiligt.

August 2010: Die Belegschaften erklären sich zu kostenloser Mehrarbeit bereit, um die weitere Sanierung der Werften zu sichern.

August 2011: Die P+S-Werften erhalten einen weiteren Millionenauftrag über den Bau von zwei Offshore-Installationsschiffen.

März 2012: Land, Bund und Banken einigen sich auf Unterstützung bei der Finanzierung von Schiffbauaufträgen. Grund sind die teureren Spezialschiffe.

Mai 2012: Ein Finanzloch von 200 Millionen Euro gefährdet den Fortbestand. Das Land ist grundsätzlich zu erneuter Hilfe bereit, braucht aber die Zustimmung der EU und sieht auch Bund, Banken, das Unternehmen und die Belegschaft mit in der Verantwortung.

Juni 2012: Es stellt sich heraus, dass fast 300 Millionen Euro Umstrukturierungsbeihilfe nötig sind. Die Mitarbeiter erklären sich bereit, sich an der Rettung mit 68 Millionen Euro zu beteiligen. Schwerin sagt ein Darlehen von bis zu 152,4 Millionen Euro zu.

Juli 2012: Die EU-Kommission genehmigt die staatliche Garantie für die P+S Werften unter Vorbehalt.

August 2012: Der frühere Airbus-Manager und Sietas-Werftsanierer Rüdiger Fuchs wechselt als Unternehmenschef an die Spitze der P+S-Werften. Er deckt größere Probleme als bisher bekannt auf, darunter Lieferverzögerungen für Scandlines-Fähren und zwei Spezialfrachter.

20. August: Das Land stoppt die Hilfen.

1. November: Gut zwei Monate nach dem Insolvenzantrag für die P+S-Werften eröffnet das Amtsgericht Stralsund das Insolvenzverfahren. Die Gläubiger haben Forderungen in dreistelliger Millionenhöhe, auch das Land.

 Quelle: dpa

(dpa)
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