Stadtarchiv Stralsund Ausschuss berät über Kündigung von Archiv-Chefin

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Nach umstrittenem Verkauf von historischen Büchern aus Stralsunder Stadtarchiv entscheidet Ausschuss heute über fristlose Kündigung.

Stralsund. Nach dem umstrittenen Verkauf von rund 6000 historischen Büchern und der Schimmelbelastung im Stralsunder Stadtarchiv beginnt nun die politische Aufarbeitung. Der Hauptausschuss der Stralsunder Bürgerschaft entscheidet am Donnerstagnachmittag darüber, ob der Archivleiterin Regina Nehmzow fristlos gekündigt werden soll. In der Bürgerschaftssitzung will die Linke die Einsetzung eines zeitweiligen Ausschusses zur Aufklärung des Bücherverkaufs erreichen. Zudem verlangen die Bürgerschaftsabgeordneten Informationen über die Hintergründe des Verkaufs von Büchern aus der Stralsunder Gymnasialbibliothek.

Wie ein Sprecher der Stadt sagte, wird Oberbürgermeister Alexander Badrow (CDU) auch über das weitere Vorgehen beim Umgang mit dem schimmelbelasteten Johanniskloster informieren. Experten halten das im 13. Jahrhundert erbaute Kloster für die Lagerung von Archiv- und Bibliotheksgut als ungeeignet.

Die Archivleiterin war im Oktober mit dem inzwischen rückabgewickelten Verkauf von rund 6000 historischen Büchern aus dem Stadtarchiv in die Kritik geraten. Die Stadt hatte sich nach Angaben von Oberbürgermeister Alexander Badrow (CDU) bei der Veräußerung der Bücher auf das Fachurteil des Archivs verlassen, das die Bücher nicht als besonders wertvoll eingestuft habe. Auch soll die Stadtspitze erst im Zusammenhang mit dem Buchverkauf von dem Schimmelbefall erfahren haben. Vor 14 Tagen wurde Nehmzow vom Dienst suspendiert. zwischen hat die Stadt die Archivleiterin bei der Staatsanwaltschaft angezeigt.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt inzwischen auch wegen möglicher weiterer Buchverkäufe des Stadtarchivs in den 1990-er Jahren, also zu einer Zeit, in der Nehmzow noch nicht Leiterin des Stadtarchivs war.