Das Wohnprojekt "Open House" der IBA soll die locken, die bislang um Wilhelmsburg einen Bogen machten.

Das "Open House" ist das erste Bauprojekt der IBA. Geplant sind nach Entwürfen des Büros onix mehr als 40 Wohnungen Es soll zum Vorzeigeprojekt für neue Wohnformen werden.

Das "Open House" ist das erste Bauprojekt der IBA. Geplant sind nach Entwürfen des Büros onix mehr als 40 Wohnungen Es soll zum Vorzeigeprojekt für neue Wohnformen werden.
Foto: IBA

Das Reiherstiegviertel entwickelt sich zum familienfreundlichen Standort. "Wir wohnen hier im Grünen, direkt am Wasser und doch nah an der City", sagt Erwin Wolgast. Er fühlt sich wohl im Wilhelmsburger Reiherstiegviertel. Vor zwei Jahren ist er mit seiner Freundin aus Ottensen hierher gezogen.

Es gibt weitere gute Gründe für die Elbinsel: Die Miet- und Eigentumspreise sind deutlich niedriger als im Rest der Stadt, und aktuell entsteht hier eine Vielzahl attraktiver Wohngebiete - gerade auch für Familien. Das beginnt sich rumzusprechen. So hat etwa die Baugemeinschaft "Schipperort", deren Sprecher Erwin Wolgast ist, gerade die letzte Wohnung in ihrem Bauprojekt direkt am Ernst-August-Kanal vergeben: Es umfasst 19 genossenschaftliche Wohnungen in Nullenergiehäusern, die sich dank Fotovoltaikanlage und Blockheizkraftwerk selbst mit Strom und Wärme versorgen. Die Mitglieder der Baugemeinschaft sparen sich also die Energiekosten - und zahlen für ihre (Kalt-)Miete nur zwischen 5,20 Euro und 6,40 Euro je Quadratmeter. Baubeginn ist Sommer 2009.

Die Internationale Bauausstellung (IBA) Hamburg fördert diese klimaverträglichen Modellwohnungen finanziell und hilft bei der Umsetzung, denn das Vorhaben ist Teil des größeren IBA-Projekts "Open House", dem "ersten Bauprojekt der IBA überhaupt", wie deren Geschäftsführer Uli Hellweg ankündigt. Über 40 Eigentums- und Mietwohnungen entstehen insgesamt in diesem "Vorzeigeprojekt für neue Wohnformen und die Nutzung regenerativer Energien", so Hellweg. Hinzu kommen Gemeinschaftsräume für Bewohner und Öffentlichkeit. Nach einem Entwurf des niederländischen Architekturbüros "onix" entsteht auf der Gewerbebrache ein Y-förmiger Gebäudekomplex, in dessen Westflügel die Baugemeinschaft ihre Heimat findet.

Im Ostflügel realisiert die Wohnungsbaugenossenschaft Schanze zwölf Maisonettewohnungen von rund 95 Quadratmetern Größe zu Mietpreisen von etwas über fünf Euro für Familien und Studenten. Einige der geförderten Wohnungen sind noch zu haben. Ebenso im "yDock" genannten Südflügel, wo die Stadterneuerungs- und Stadtentwicklungsgesellschaft (Steg) 13 Loftwohnungen zwischen 60 und 113 Quadratmetern Größe errichtet. "Wir sprechen damit vor allem mittelständische Familien und kreative Milieus an", wie Kurt Reinken von der Steg erklärt. Mit Selbstausbau liegen die Verkaufspreise bei rund 1850 Euro pro Quadratmeter. Im Januar 2009 beginnt die Steg mit dem Verkauf.

Mittelstandsfamilien, Umweltbewusste, Kreative und Studenten - "Open House" wendet sich an Bevölkerungsschichten, die bisher bei ihrer Wohnungssuche einen Bogen um Wilhelmsburg mit seinem Negativimage machten. Der Hamburger Senat hat die IBA nicht zuletzt deshalb gegründet und mit Fördergeldern ausgestattet, um die Elbinsel als Wohnstandort aufzuwerten und den viel beschworenen "Sprung über die Elbe" in der Stadtentwicklung zu schaffen. Dazu gehört auch die Sanierung der vorhandenen Wohnhäuser und Infrastruktur.

Erste Erfolge sind im Reiherstiegviertel mit seinen stuckverzierten Gründerzeitbauten und Siedlungshäusern zu sehen. Im Sommer haben die Wohnungsbaugenossenschaft SAGA und die IBA mit der Sanierung des sogenannten "Weltquartiers" rund um die Weimarer Straße begonnen. Auch hier zahlen die alten Bewohner nach der Sanierung ihrer Wohnungen Einstandsmieten weit unter dem Hamburger Mietspiegel.

Andere IBA-Projekte richten sich, so wie das "Open House", bewusst an neue Bevölkerungsschichten. Einige Projekte sollen bis 2013, dem Ende der IBA, fertiggestellt, andere auf den Weg gebracht sein. Sie alle setzen nicht zuletzt auf die Aufwertung der vielen Grün- und Wasserflächen wie dem Veringkanal, dessen Umgestaltung zu einer idyllischen Promenade fast abgeschlossen ist. Im Süden sollen die Parkflächen der Internationalen Gartenschau (igs) das Reiherstiegviertel und Wilhelmsburg attraktiver machen. "Im Frühjahr 2009 beginnen wir damit, Interessenten für die 'Neuen Hamburger Terrassen' anzusprechen", so Hellweg.

Derzeit wird der Bebauungsplan für diese nach Klimaschutzkriterien geplante Einfamilienhaussiedlung unmittelbar neben dem igs-Park erstellt. Ende 2009 gehen die Baugrundstücke dann in die Vermarktung.

Direkt nebenan ist am Haulander Weg für die nächsten Jahre sogar ein noch größeres Projekt geplant: Nicht weniger als 700 Einfamilienhäuser sollen hier als "Klimahäuser" die Ergebnisse der Solarbau-Ausstellung von 2005 weiterführen. Es ist damit das größte zusammenhängende Wohnprojekt in ganz Hamburg.


www.iba-hamburg.de

www.ydock.de