Neuer Wall: Start der Schönheitskur
Pilotprojekt: Business Improvement District. Granitboden, neue Lampen und Gastronomie. Sechs Millionen Euro stehen bereit, und die Stadt zahlt nichts dazu.
Am Bürgermeister-Petersen-Platz am Neuen Wall wird gebaut. Der Platz hinter dem Denkmal des ehemaligen Bürgermeisters erhält seit Mitte Oktober eine neue Pflasterung aus gelbem Granit, moderne Bänke werden aufgestellt und Bäume gesetzt. Optisch wird der Platz durch die Pflasterung über die Straße bis ans Görtzsche Palais erweitert werden. Mitte November soll er fertig sein. Damit ist der Startschuß für die Verschönerung des Neuen Walls und das Business Improvement District - kurz BID genannt - gefallen. "Weitere Baumaßnahmen erfolgen von Mitte Januar an, wenn das Weihnachtsgeschäft zu Ende ist", so Hans-Werner Schrader, Vorsitzender des Grundeigentümervereins Neuer Wall.
BID steht für ein in Nordamerika entwickelten Weg, die Qualität eines Geschäftsquartiers zu verbessern. 1970 wurde das erste BID im Süden Torontos durchgeführt, aktuell laufen in den USA rund 1200 BIDs, davon allein 45 in New York, so die Beratungsgesellschaft für Stadtentwicklung D-Plan.
Das von Hamburg als erstes Bundesland kürzlich verabschiedete BID-Gesetz sieht vor, daß die Grundeigentümer zur Teilnahme verpflichtet werden, wenn mehr als 15 Prozent zustimmen. In Bergedorf (Sachsentor) startete das erste BID bundesweit, das zweite am Neuen Wall. Weitere sind in Wandsbek und Harburg geplant.
"Am Neuen Wall haben sich nur drei Eigentümer gegen die BID-Maßnahmen ausgesprochen", so Schrader. 55 Eigentümer sind es, darunter 27 private und 28 institutionelle wie Banken und Versicherungen. Sie zahlen nach einem Umlageschlüssel, der sich nach dem Einheitswert ihrer Immobilie berechnet, jährlich in einen Topf ein. Die Investitionen, die aus diesem Topf bezahlt werden, dürfen maximal zehn Prozent der gesamten Einheitswerte aller betroffenen Immobilien betragen. Der Prozentsatz kann aber auch niedriger sein. Sind es zum Beispiel acht Prozent aller Einheitswerte, muß der Eigentümer korrespondierend acht Prozent vom Einheitswert seines Geschäftshauses in den BID-Etat einzahlen - verteilt über die Laufzeit der Maßnahme, die meist fünf Jahre beträgt. Die Eigentümer können die Abgaben in der Regel auf die Miete umlegen. Knapp sechs Millionen Euro stehen am Neuen Wall in den nächsten fünf Jahren zur Verfügung. Davon werden 2,3 Millionen Euro für die gesamten Baumaßnahmen benötigt. "Wir werden den Neuen Wall modernisieren und ein helles freundliches Straßenbild schaffen, ohne daß der Steuerzahler dafür auch nur einen Cent bezahlen muß", betont Schrader.
Im Mai 2006 soll sich Hamburgs Nobeleinkaufsstraße im neuen Gewand präsentieren, rechtzeitig zur Weltmeisterschaft: Die Fußwege werden breiter und mit gelbem chinesischen Granit gepflastert sein. Die asphaltierte Straße soll höhergelegt und die Kreuzungen ausgepflastert werden. Vor den Geschäften werden rund 150 Terrakottatröge aufgestellt. Pendellampen werden für Licht sorgen, zwei neue Plätze sollen zum Verweilen einladen. Der Bürgermeister-Petersen-Platz am oberen Ende des Neuen Walls soll eine Eventfläche werden, auf der sich Schrader eine gastronomische Nutzung vorstellen kann. Ein Teil des Verbindungsfleets zwischen Alster- und Bleichenfleet soll überbaut werden - ebenfalls für Gastronomie. "Die Straße wird sich in einem vornehmen Stil mit hanseatischen und mediterranen Elementen präsentieren", so BID-Sprecher Sebastian Binger.
Das Parken in der zweiten Reihe wird es künftig nicht mehr geben, da die Straße auf eine Spur verengt wird. Parkstreifen mit 60 Plätzen stehen abwechselnd links und rechts zur Verfügung. Kurierdienste sollen nur zu bestimmten Zeiten in festgelegten Zonen parken dürfen.
Zudem werden Marketingaktionen wie die Weihnachtsbeleuchtung und eine Servicegesellschaft bezahlt, die für Sauberkeit und Sicherheit sorgen soll. "Wir möchten die Stadt zudem überzeugen, statt Parkautomaten 30 Minuten kostenloses Parken mit Parkscheibe zu erlauben", so Schrader.



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