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Immobilien

Quartiersentwicklung: Vieles ist in der Diskussion - auch eine neue Flaniermeile

Aufbruchstimmung in Steilshoop

Das Projekt ist in Europa einmalig: Eigentümer teilen sich mit der Stadt die Kosten für die Neugestaltung des Stadtteils. Investiert werden Millionen.


Foto: Hernandez

"Die Kommunen in Deutschland schauen mit großem Interesse auf Steilshoop", sagt Thomas Krüger, Professor für Stadtplanung an der HafenCity-Universität. In der Hamburger Großsiedlung, die mit 15 000 Einwohnern die Größe einer Kleinstadt hat, organisieren sich die rund 50 Eigentümer gerade zu einem "Housing Improvement District" (HID). Vorbild ist das in Hamburg erfolgreiche "Business Improvement District" (BID), wie es beispielsweise zur Neugestaltung des Neuen Walls formiert wurde. Damit sich auch die Eigentümer von Wohnimmobilien organisieren können, um ihr Quartier oder ihre Straße in privater Initiative mit eigenem Geld voranzubringen, hat die Bürgerschaft im Dezember 2007 ein entsprechendes Gesetz verabschiedet. Aus dem amerikanischen Begriff HID wurde im Gesetz das griffigere Wort "Innovationsquartier".

"Was derzeit in Steilshoop geschieht, ist einmalig in Europa", betont Thomas Krüger. Die Eigentümer einigen sich - in diesem Fall für fünf Jahre - auf Projekte, sie bemühen sich um einen Träger, der sie umsetzt, und beantragen beim Senat, dafür grünes Licht zu geben. "Sie treten nicht länger als Einzelakteure, sondern als Einheit auf und nehmen gemeinsam Einfluss auf Dinge, die bislang Sache der öffentlichen Hand waren, so beispielsweise bei der Neugestaltung des öffentlichen Raums", erläutert Krüger. "Die Aufwertung des öffentlichen Raums oder das Stadtteilmarketing sind klassische Maßnahmen in einem HID" ergänzt Stadtentwicklungs-Senatorin Anja Hajduk. "Steilshoop kann, muss aber kein Vorbild für derartige Initiativen sein."

Im Fall Steilshoop geht es um die Neugestaltung der sogenannten Mittelachse zu einer Flaniermeile und um Marketingmaßnahmen, die das Image des Stadtteils verbessern sollen. Die Schwachstellen der Mittelachse fallen bei einem kurzen Gang sofort ins Auge. Gepflegte private Grünflächen grenzen an öffentliche Flächen, die erkennbar schon bessere Tage gesehen haben. Rost, abgesenkte Platten, unansehnliche, nicht mehr zeitgemäß verwinkelt angelegte Eckbereiche laden nicht zum Flanieren ein. "Die grünen Innenhöfe sind sehr beliebt", sagt Frithjof Büttner, BID-Beauftragter der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt. "Die Mittelachse hat auch das Potenzial, ein einladender öffentlicher Raum zu werden." Büttner ist als Vertreter der Behörde Mitglied des Lenkungsausschusses, der alle 14 Tage diskutiert, wie der Stadtteil vorangebracht werden kann. Anders als bei den BID beteiligt sich Hamburg am Innovationsquartier Steilshoop auch finanziell. "3,3 Millionen Euro stehen zur Verfügung", sagt Büttner. Die restliche Summe teilen sich die Eigentümer - neben den beiden großen Wohnungsgesellschaften Gagfah und Saga-GWG gibt es noch zahlreiche Wohnungsbau-Genossenschaften und viele kleinere Eigentümer. Sie dürfen diese Kosten nicht auf ihre Mieter übertragen. Zur Kasse gebeten werden dagegen die Besitzer von Eigentumswohnungen. "Für mich sind das im Jahr 250 Euro", sagt Brigitte Meyer. Eine Investition, die sich aber langfristig rechne. Sie erwarte eine Wertsteigerung der Eigentumswohnung.

"Die Stadt kann sich finanziell nur dann beteiligen, wenn es um Maßnahmen geht, die sie ohnehin durchführen würde", stellt Anja Hajduk klar. "Sollte das HID gleichzeitig die Nebenflächen umgestalten wollen, können die durch gemeinsames Handeln entstehenden Synergien genutzt werden. In solchen Fällen ist eine finanzielle Beteiligung sinnvoll." In einem "benachteiligten" Wohngebiet wie Steilshoop sei die Stadt in der Regel grundsätzlich in der Handlungspflicht.

"Die Eigentümer haben ein großes Interesse an der Stadtteilerneuerung, damit sich die Mieter nicht langfristig von Steilshoop verabschieden", sagt Saga-GWG Vorstandsmitglied Willi Hoppenstedt. "Noch identifizieren sich sehr viele Mieter mit ihrem Stadtteil." Die ersten Häuserblocks seien renoviert worden, andere würden folgen. So soll auch das Einkaufzentrum, das in der Mitte der neuen Mittelachse liegt, von innen und außen neu gestaltet werden, sagt EKZ-Manager Klaus-Dieter Löb. Mit dem Innovationsquartier sei eine neue Aufbruchstimmung festzustellen, betont Hoppenstedt. "Endlich wird die Siedlung in einer ganzheitlichen Betrachtung vorangebracht, bei der jeder, auch die Bewohner, ihre Ideen einbringen können." Viel versprechen sich die Akteure auch von der geplanten Straßenbahn. "Wenn Steilshoop moderner und bunter wird und auch noch leichter zu erreichen ist, wird der Stadtteil attraktiver werden, ist sich Hoppenstedt sicher. "Das beste Stadtmarketing sind zufriedene Mieter, die sich offen zu ihrem Quartier bekennen können."

 

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