Baugeld: Auch Verbraucherzentrale vermittelt jetzt Kredite. Wie Finanzierungsmakler arbeiten und weshalb immer mehr Bauherren die Angebote nutzen.
Die Verbraucherzentrale Hamburg ist in die Vermittlung von Baufinanzierungen eingestiegen. War ihr Angebot in den vergangenen 15 Jahren auf die Beratung von Immobilienkäufern bis hin zur Pflege einer Vergleichstabelle der günstigsten Baugeldanbieter beschränkt, können die Verbraucherschützer künftig auch unterschriftsreife Darlehensverträge vorlegen. Das Ganze funktioniert wie bei anderen Vermittlern oder Brokern wie Interhyp, Dr. Klein oder Baufi-Nord: Der Berater gibt die Daten des Antragstellers und der Immobilie in ein Computerprogramm ein, das die Konditionen verschiedener Banken, Bausparkassen und Versicherungen gespeichert hat. Nach einem Abgleich der Daten wirft das Programm dann die Anbieter aus, die für eine Finanzierung in Frage kommen, der günstigste Anbieter steht oben in der Liste. Entscheidend können dabei der Standort der Immobilie, die Höhe der Beleihung, der Beruf oder eine Selbstständigkeit des Bauherren sein.
Beim deutschen Marktführer Interhyp sind zum Beispiel mehr als 45 Anbieter im Programm enthalten, bei Baufi-Nord und der Verbraucherzentrale sind es rund 30. So erhält ein Immobilienkäufer auf einen Schlag einen Preisvergleich zwischen mehreren Dutzend Anbietern.
Der Darlehensvertrag kommt stets zwischen Immobilienkäufer und Darlehensgeber zustande. Der Vermittler bleibt außen vor. Er nimmt der Bank lediglich die Arbeit ab, den Kunden zu beraten und seine Daten ins Programm einzugeben, was durchaus zwei oder mehr Stunden in Anspruch nehmen kann. Für seine Arbeit erhält der Finanzierungsvermittler von der Bank eine Abschlussprovision, die in der Regel zirka ein Prozent der Darlehenssumme ausmacht - mal etwas mehr, mal etwas weniger.
"Bei uns fließt dagegen keine Provision", sagt Christian Schmid-Burgk, Leiter des Bereichs Baufinanzierung der Verbraucherzentrale Hamburg. "Denn jede Provisionszahlung bedeutet, dass ein Vermittler sich zu einem bestimmten Anbieter hingezogen fühlt." Bei der Verbraucherzentrale sei dies nicht mit ihrer Unabhängigkeit vereinbar, so Schmid-Burgk. "Wir verlangen stattdessen vom Kunden eine Gebühr in Höhe von 400 Euro, wenn eine Finanzierung durch uns abgeschlossen wird", sagt er. Die fehlende Provision schlage sich im Gegenzug in niedrigeren Zinssätzen nieder. Wer zuvor eine individuelle Finanzierungsberatung bei der Verbraucherzentrale in Anspruch nimmt, die wie bisher 120 Euro kostet, erhält auf die 400 Euro einen Rabatt von 50 Euro.
In den ersten zwölf Monaten wollen die Verbraucherschützer aus Hamburg und Bremen gemeinsam rund 50 Millionen Euro Darlehensvolumen vermitteln, so Schmid-Burgk. Zum Vergleich: Die Interhyp hatte allein im ersten Halbjahr 2006 schon Darlehen von mehr als zwei Milliarden Euro Volumen. In Deutschland haben Vermittler heutzutage noch einen Anteil am Neugeschäft mit Baufinanzierungen von zwölf Prozent, während es in Großbritannien rund 50 Prozent und in den USA 68 Prozent sind. 1982 lag der Marktanteil in den USA noch bei fünf Prozent. Deshalb rechnet Robert Haselsteiner, Gründer der Interhyp AG, in den kommenden Jahren auch hierzulande mit einem deutlichen Anstieg der Kundenzahl. Die lag 2005 bei Interhyp bereits bei 18 300 nach rund 8100 im Vorjahr.
Für die Hamburger Verbraucherzentrale ist das eine gewaltige Zahl. Dort sind bislang erst drei Finanzierungsberater für die neue Vermittlungstätigkeit geschult. "Aber die anderen Verbraucherzentralen in Deutschland werden sicherlich mit auf den Zug aufspringen", glaubt Christian Schmid-Burgk.





