04.08.12

Modernes Wohnen

Böse Geister finden keinen Einlass dank Raumteiler

Ihre Maisonette- Wohnung in St. Georg haben Jörg Sannert und Stefan Sauck nach eigenen Vorstellungen geplant - mit raumteilender Wand im Entree.

Von Friederike Ulrich
Foto: Jörg Sannert
Auf dieser Terrasse (l.) sitzen die beiden gern am Mittag oder abends
Auf dieser Terrasse (l.) sitzen die beiden gern am Mittag oder abends

Nach einem alten balinesischen Glauben können böse Geister nicht um die Ecke gehen. Und weil in solchen Weisheiten ja vielleicht doch ein Körnchen Wahrheit stecken könnte, sagen Jörg Sannert und Stefan Sauck augenzwinkernd, haben sie sich entschieden, vis-à-vis der Wohnungstür eine Wand zu errichten. Dunkelrot ist sie gestrichen, reicht wie ein Raumteiler nicht ganz bis zur Decke, und trennt den Eingangsbereich, der links zum Essraum, rechts zu Bad und Schlafzimmer führt, von der offenen Küche.

Eine tolle Idee, nicht nur wegen der Geister, die draußen bleiben müssen. Durch diese Lösung haben Architekt Sannert und sein Lebensgefährte, der bei einer Versicherung und Bausparkasse arbeitet, Großzügigkeit und Offenheit geschaffen. Vom Esstisch aus hat man sowohl die Wohnungstür als auch die Küche im Blick. "Den Raumteiler beim Generalunternehmer durchzusetzen, war nicht einfach", erinnert sich Sannert. Ursprünglich hatte dieser nämlich die klassische Aufteilung Flur, Küche und Esszimmer vorgesehen.

Glücklicherweise kauften Sannert und Sauck die zweigeschossige Maisonette-Wohnung, als sie noch im Planungsstadium war. Sie thront wie ein Hut auf der Betonplatte eines zwei Jahre zuvor ausgebrannten Hauses. Während die beiden im unteren Geschoss den Plänen des Bauunternehmers zumindest hinsichtlich Lage und Größe von Bad und Schlafzimmer zustimmten, durchkreuzten sie diese im oberen Geschoss komplett. Statt weiterer zwei bis drei Zimmer wollten sie hier nur einen einzigen Raum haben.

+++Wohnen in Hoflage +++

Seit knapp zehn Jahren wohnen sie mittlerweile hoch über St. Georg, in einer kleinen Straße nicht weit vom Hansaplatz. "An dem Stadtteil hat uns damals die Mischung gereizt", sagt Sannert und meint damit den ungepflegten Hansaplatz mit dem nahen Straßenstrich einerseits, und die Wohngebiete an der Brennerstraße und der Koppel andererseits. Dass sich St. Georg in den letzten Jahren von seinem Schmuddel-Image weitestgehend befreit hat, stört sie nicht. St. Georg sei noch immer vielschichtiger und abwechslungsreicher als Eppendorf oder Eimsbüttel.

Um ihre prädestinierte Lage auszunutzen und so viel wie möglich von der fantastischen Aussicht zu bieten, wurde die Wohnung an den beiden Traufseiten komplett verglast - auf der Westseite sogar über zwei Stockwerke, da die obere Etage wie eine Galerie angelegt ist. "Während oben unsere Frühstücksterrasse ist, haben wir unten nachmittags und abends Sonne", sagt Stefan Sauck. Er hat zahlreiche Blumen und Bäumchen gepflanzt und die beiden Außenplätze zu blühenden Oasen verwandelt: Oben auf der Terrasse nehmen Sannert und Sauck auf einer einfachen Holzbank Platz, unten sitzen sie auf Schnurstühlen von Garpa, einer modernen Interpretation des ersten Spaghetti-Chairs, den Verner Panton in den 70er-Jahren entworfen hat.

+++Dank Kooperations-Projekt: Hansaplatz wird Liegewiese+++

Überhaupt legen die beiden viel Wert auf Design, das sie mit Antiquitäten und Reise-Andenken kombinieren. Den Esstisch hat Egon Eiermann in den 1930ern als Arbeitstisch konzipiert, die Tischplatte aus Glas ist höhenverstellbar. Darüber hängt ein moderner Lüster aus einer Edelstahlstange, lose darüber verteilen Swarowski-Kristalle das einfallende Sonnenlicht. Der Blick nach draußen wird dabei nicht beeinträchtigt. Am Boden steht ein Jugendstil-Vestibül. Zu Füßen der Glasfront zwischen Esstisch und Abendterrasse - dort, wo einer von zwei gewaltigen T-Trägern verläuft - steht eine buddhistische Stupa aus Java neben einem modernen Windlicht von Strellson und einem Weihrauchgefäß aus dem Oman.

Design-Mix auch in der Edelstahl-Küche, wo ein moderner Kühlschrank und ein Biedermeierschrank einträchtig nebeneinanderstehen. Und im oberen Geschoss, geprägt von Bücherregalen aus Metall, schwarzen Ledersofas, Möbeln von USM Haller, einem kubischen Ofen und einem 50er-Jahre-Sessel, erhellen Glaslampen des italienischen Herstellers Foscarini den Raum. Der Boden der gesamten Wohnung besteht aus geöltem Pitchpine, das im Laufe der Zeit einen edlen, grauen Farbton annehmen wird. Die vernickelten Türgriffe sind Repliken aus der Bauhaus-Zeit. Die Wände der Dachgeschosswohnung sind geschmückt mit Vergrößerungen eigener Kunst: Fotografien, beispielsweise des Strandes bei Princetown auf der US-Insel Cape Cod, und ein schwarzes Gemälde mit feinen bunten Streifen, zu dem Stefan Sauck von einem Bild im Museum of Modern Art in New York inspiriert wurde.

Eindeutiger Lieblingsplatz des Paares ist die obere Terrasse, von der aus man über die Dächer St. Georgs blickt. Auch hier schweift der Blick über Alt und Neu: vom historischen Mariendom bis zu den modernen Glasbauten am Berliner Tor. "Nachts ist das durch die jeweilige Beleuchtung besonders eindrucksvoll", sagt Jörg Sannert. Bei schlechtem Wetter oder zum Essen sitzen sie am gläsernen Esstisch. Kochen gehört zu ihren Hobbys. Dazu laden sie auch gern Freunde ein. Denn die sind, im Gegensatz zu Geistern, bei ihnen herzlich willkommen.

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