16.06.12

Wohnen

LichtAktiv Haus: So lebt es sich im Haus der Zukunft

Viel Licht und Luft, wenig Stromverbrauch: Familie Oldendorf erprobt zwei Jahre lang ein hoch technisiertes Gebäude in Wilhelmsburg.

Foto: Marcelo Hernandez
Lichtaktivhaus in Wilhelmsburg
Im langgestreckten Erweiterungsbau befindet sich der Wohn- und Essbereich der Oldendorfs. Bereits seit einem halben Jahr fühlt sich die Familie hier wohl

Selbst an Tagen, an denen es regnet und der Himmel grau in grau ist, brennt bei den Oldendorfs kein Licht. Irina, 37, und Christian Oldendorf, 39, sowie ihre Söhne Lasse, 8, und Finn, 6, sitzen an solchen Tagen gern am großen Esstisch im Wohnzimmer und spielen ein Brettspiel. "Anfangs wusste ich gar nicht, wo der Lichtschalter ist, weil wir ihn so selten brauchen", sagt Irina Oldendorf.

Im Dezember 2011 zog die Familie von Ottensen nach Wilhelmsburg in ein ehemaliges Siedlungshaus aus den 1950er-Jahren. Das war zuvor vom Fensterhersteller Velux aufwendig zum Modellhaus 2020 umgebaut worden. Mit dem "LichtAktiv Haus" am Katenweg 41 will das Unternehmen zeigen, "dass zukunftsweisende Gebäude beides sein können: energieeffizient, also schonend im Umgang mit natürlichen Ressourcen - und gleichzeitig behaglich, attraktiv und mit viel Tageslicht und frischer Luft." Das Haus soll weiterhin CO2-neutrales Wohnen ermöglichen und seinen gesamten Energiebedarf durch eigene Produktion abdecken.

Um herauszufinden, ob es wirklich ein Null-Energie-Haus oder sogar ein Gebäude ist, das mehr Energie produziert, als es verbraucht, dürfen die Oldendorfs zwei Jahre lang mietfrei darin wohnen. Im Gegenzug berichten sie etwa einmal im Monat in kurzen Gesprächen oder per Online-Fragebogen an ein Forscherteam aus Architekten und Soziologen sowie Gebäude- und Solartechnikern, wie es sich in so einem hoch technisierten Einfamilienhaus lebt und wo sich der Nutzungskomfort ihrer Einschätzung nach noch steigern ließe. "Mittlerweile läuft die Technik fast unbemerkt im Hintergrund. Natürlich mussten wir uns an einige Dinge erst gewöhnen", sagt Irina Oldendorf. Zum Beispiel daran, dass "das Haus plötzlich lüftet und die Fenster aufgehen. Man kann aber alles auf die eigenen Bedürfnisse einstellen. Jetzt schalten wir die Lüftung meist ab, bevor wir es uns auf dem Sofa gemütlich machen."

+++Strom aus der Wohnung - zu Besuch im Einfamilienkraftwerk+++

Die Fensterfläche des Hauses wuchs mit der Modernisierung von 18 auf 93 Quadratmeter, davon entfallen 36 auf den Altbau, in dem sich die Schlaf- und zwei Badezimmer sowie ein großzügiges Treppenhaus befinden. Auf den Erweiterungsbau mit Küche, Essbereich, Wohnzimmer, Gäste-WC und Technikraum bzw. Abstellkammer kommen 57 m² Fensterfläche. Die Kinder können hier auf 132 m² Wohnfläche sowie in einem großen Garten toben. "Für uns ist das Luxus: Die hohen Decken, das viele Licht, der viele Platz", schwärmt Christian Oldendorf und fügt hinzu, dass er sich früher nie vorstellen konnte, aus Ottensen wegzuziehen. "Als wir dann aber letztes Frühjahr am Tag der offenen Tür das Haus sahen, war für uns klar, dass wir bei dem Casting mitmachen wollen." Am Schluss wählte ein Gremium, zu dem auch Nachbarn gehörten, die Oldendorfs aus.

An einem von zwei kleinen Monitoren im Erdgeschoss erklärt Christian Oldendorf, wie sich die Temperatur und die Öffnung der Fenster regeln lassen. Alle Fenster und Schiebetüren können zudem per Hand geöffnet werden, die Dachfenster mit einer Fernbedienung. "Ganz toll wäre noch eine portable Möglichkeit - eine App, mit der man die Fenster und die Temperatur von unterwegs steuern könnte", sagt der Fotoredakteur. Seine Frau ergänzt: "Und manchmal bin ich mir nicht sicher, ob wir die Technik auf Stand-by geschaltet haben, damit die Fenster nicht aufgehen, wenn wir nicht da sind." Gewöhnungsbedürftig sei auch, dass sie nach Abwesenheit die Software für die Lüftung im Haus wieder in Gang setzen müssten. "Wenn man das vergisst, herrscht besonders im Sommer schnell stickige Luft", sagt Irina Oldendorf.

+++Haustechnik: Volle Kontrolle per Fingerdruck+++

Dann plötzlich ein Knall - die Dachfenster öffnen sich. Christian Oldendorf zuckt mit den Schultern. "Die ersten Monate haben wir uns immer erschrocken. Es kam dann ein Techniker vorbei, aber offenbar ist das vorerst nicht anders machbar." An den Fenstern befinden sich kleine Solaranlagen, die den Strom zum Öffnen und Schließen erzeugen.

Ein großer Monitor im Flur zeigt das Raumklima, also den CO2-Gehalt für alle Räume an, außerdem die Temperatur, den Energieverbrauch und die Solarthermie. "Ich bin kein Techniker", sagt Oldendorf, "aber ich würde es so erklären: Solarthermie wandelt die Energie in Warmwasser um, die Fotovoltaik-Anlage speist die Energie ins Netz ein, und wir entnehmen demselben Netz unseren Strom. Das wird verrechnet." Wasser für Spüle, Gartenbewässerung und Waschmaschine kommt aus der Regenwasser-Zisterne.

Ihre 73 Quadratmeter große Wohnung in Ottensen haben die Oldendorfs untervermietet. Dass sie dort wieder einziehen, können sie sich im Moment nur schwer vorstellen. Die Option, das Haus am Katenweg 41 zu übernehmen, besteht. Zu welchen Konditionen, das ist jedoch offen. Irina und Christian Oldendorf hoffen, dass sie es sich leisten können. Der Neuwert dieses "premium-modernisierten" Hauses liegt bei rund 460 000 Euro, die Kosten für die "Basis-Modernisierung" ohne den Erweiterungsbau werden mit etwa 140 000 Euro angegeben.

Mehr unter www.velux.de

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