31.03.12

Mümmelmannsberg

Aufwertung: eine Großsiedlung im Wandel

Um der Entwicklung in Mümmelmannsberg Schwung zu verleihen, sollen 100 Millionen Euro investiert werden. Die Aufwertung hat schon begonnen.

Foto: Marcelo Hernandez
Mümmelmannsberg wird aufgewertet
Mümmelmannsberg soll aufgewertet werden. Schon jetzt handelt es sich auch um ein durchgrüntes und lebendiges Wohnquartier

Vorurteile sind hartnäckig: Einmal in der Welt, sind sie nur schwer zu überwinden. Eine Erkenntnis, mit der die Bewohner von Mümmelmannsberg zu leben gelernt haben. Aber für sie gilt: Die Wirklichkeit ist anders - nicht perfekt, aber lebenswert. Mümmelmannsberg heute, das ist ein durchgrüntes und lebendiges Wohngebiet, Heimat für 18 500 Menschen.

40 Jahre sind seit der Fertigstellung der ersten Häuser 1971 vergangen. Wer Mümmelmannsberg hört, denkt an den langen, achtgeschossigen Block in der Max-Pechstein-Straße, denn hier sind die Fotos entstanden, die das Image von Mümmelmannsberg so nachhaltig geprägt haben. Charakteristisch für die Siedlung sind aber die vielen drei- und viergeschossigen Häuser. Entlang der Straßenränder erbaut, umschließen sie eine Vielzahl begrünter Innenhöfe, die Kindern Raum zum Spielen geben.

Als nach der Flutkatastrophe 1962 die Planungen für das Quartier begannen, sollten vor allem Wohnungen für Familien mit Kindern geschaffen werden. So überwiegen Wohnungen von 75 bis 95 Quadratmeter, die Mieten liegen zwischen 4,50 und 6,50 Euro/m² ohne Betriebskosten. Eigentümer sind die Saga-GWG und neun Hamburger Genossenschaften.

+++Baubeginn für mehr als 1200 Wohnungen bis 2012+++

Wie in anderen Großsiedlungen auch, gab es anfangs viel zu bemängeln: zu wenig Kindergartenplätze, unzureichende Einkaufsmöglichkeiten und Dienstleistungsangebote, vor allem fehlte der U-Bahn-Anschluss. Als die Leerstände dann Mitte der 80er-Jahre anstiegen und die Proteste der Bewohner heftiger wurden, erkannten Eigentümer und Stadt: Zeit zu handeln!

Bereits seit September 1990 fährt die U-Bahn-Linie 2 bis zur Endstation Mümmelmannsberg. Der Hauptbahnhof ist jetzt in 19 Minuten zu erreichen. Ein Jahr später war der Stadtteil als Sanierungsgebiet anerkannt. Bis heute sind mehr als 50 große und kleinere Maßnahmen umgesetzt, die den Stadtteil nachhaltig aufgewertet haben. Unter anderem wurde die Kandinskyallee umgestaltet. Es entstand eine Vielzahl von Kindergärten. Und die beiden Grundschulen und die Stadtteilschule sind heute Ganztagsschulen.

Im vergangenen Jahr hat die Saga-GWG ein 100-Millionen-Euro-Programm beschlossen, mit dem der positiven Entwicklung weiterer Schwung verliehen werden soll. Innerhalb von zehn Jahren will das städtische Wohnungsunternehmen nicht nur seine Gebäude energetisch modernisieren, sondern auch die Außenanlagen und Innenhöfe erneuern. Ein weiterer Baustein ist die Umgestaltung des Zentrums zu einem Bereich mit vielen Dienstleistungsangeboten und seniorengerechtem Wohnen. Da für die Maßnahmen öffentliche Mittel bereitstehen, werden die Mieten auch zukünftig bezahlbar bleiben.

+++Die bunte Welt von Mümmelmannsberg+++

Die Bevölkerung in Mümmelmannsberg ist jung und bunt, kein Wunder bei der Vielzahl großer und preisgünstiger Wohnungen. So ist der Anteil von Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren deutlich höher als im Hamburger Durchschnitt. Bereits seit Mitte der 80er-Jahre bietet der Stadtteil Menschen aus verschiedensten Nationen und von unterschiedlicher sozialer Herkunft eine Heimat. Dass sich das Zusammenleben friedlich und tolerant gestaltet, daran haben viele mitgewirkt: aktive Bewohner und engagierte Mitarbeiter aus Schulen, Kitas, sozialen Einrichtungen und Vereinen.

Eine herausragende Rolle bei der Einübung von Toleranz und respektvollem Umgang hat die Stadtteilschule. Schulleiter Detlef Aßmann ist besonders stolz darauf, "dass ungefähr ein Viertel der Schüler eines Jahrgangs bei uns das Abitur erreicht".

+++Mutter Courage von Mümmelmannsberg+++

Auch der evangelische Pastor Michael Ostendorf hat sich auf die kulturelle und religiöse Vielfalt im Stadtteil eingelassen: "Unser Gemeindezentrum steht allen Menschen offen. Das ist ein Prinzip, das wir auch in der Jugendarbeit mit Erfolg beherzigen." Eine weitere Besonderheit sind die vielfältigen Aktivitäten zum Thema Kunst im Stadtteil. Auch sie tragen dazu bei, das Miteinander zu gestalten.

Wer sich in Mümmelmannsberg umschaut, trifft an vielen Ecken auf Bewohner, die schon 25 Jahre und länger im Stadtteil wohnen, wie zum Beispiel Thorsten Kunde und Hildegard Klünder. "Wir fühlen uns wohl und haben es nie bereut, hierhergezogen zu sein." Für beide gilt das Lebensprinzip: "Wer sich nicht engagiert, kann auch nichts verändern." Als langjähriger Sprecher von "aktiv wohnen", dem Trägerverein der Stadtteilzeitung, hat Thorsten Kunde sich bei vielen Gelegenheiten eingemischt. Für Hildegard Klünder ist die Kunst das Mittel, um Menschen unterschiedlicher Nationalität zusammenzuführen; ihre Kurse für Batik und Seidenmalerei finden über Mümmelmannsberg hinaus Anerkennung.

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