17.03.12

Wohnen und Leben

Mit dem Kanu durch Neuallermöhe

Bewohner aus vielen Nationen schätzen den Stadtteil und die zahlreichen Fleete. Besonders Familien mit Kindern wohnen hier gerne.

Foto: Klaus Bodig
Leben in Neu-Allermöhe
Edris Faez kam als Zehnjähriger aus Afghanistan nach Allermöhe, machte sein Abitur und studiert Maschinenbau

"Wohnen am Wasser" - keine Beschreibung trifft den Charakter von Neuallermöhe, dem am 1. Januar 2011 aus Neuallermöhe Ost und Neuallermöhe West hervorgegangen Stadtteil, besser. "Wer sich ein Kanu ausleiht, der kann 15 Kilometer auf eine Vielzahl von Fleeten durch ganz Neuallermöhe schippern oder sich im Sommer an einem der vier Badeseen vergnügen", sagt Uwe Jensen voller Begeisterung. Er ist Leiter des Bürgerhauses in Allermöhe und Anwohner der ersten Stunde. Fragt man allerdings in anderen Stadtteilen nach Neuallermöhe, gibt es meist ein unwissendes Schulterzucken.

Das Stadtgebiet liegt etwa 13 Kilometer von der Hamburger City und 2,5 Kilometer vom Bergedorfer Zentrum entfernt, eingebettet zwischen der A 25 und der S-Bahn Linie S 2 nach Bergedorf. Von der Haltestelle Allermöhe erreicht man den Hauptbahnhof in 16 Minuten. Als sich 1979 der Senat entschließt, in den Elbmarschen den neuen Stadtteil Neuallermöhe Ost zu realisieren, ist die Diskussion über Vor- und Nachteile von Großsiedlungen bereits in vollem Gange. Hier soll daher ein überschaubarer Stadtteil mit anspruchsvollen Freiraumqualitäten entstehen.

Das Ergebnis ist ein attraktives Angebot von 1250 Reihen- und Einfamilienhäusern sowie von 2500 hochwertigen Mietwohnungen in Gebäuden mit nicht mehr als vier Geschossen. Den Reiz der Siedlung bildet jedoch das nach Holländischem Vorbild entwickelte Fleetsystem, das zur Absenkung des hohen Grundwasserstandes in der Marsch erforderlich ist.

Anfang der 90er-Jahre herrscht plötzlich wieder Wohnungsknappheit. Viele Menschen aus den neuen Bundesländern ziehen westwärts, und die Zahl der Aussiedler steigt deutlich. Der Senat muss handeln. 1994 beginnt in Neuallermöhe West der Bau von 4750 Geschosswohnungen und 850 Reihen- und Einzelhäusern, ergänzt durch Schulen, Kindergärten, Geschäfte und alle anderen erforderlichen Einrichtungen. Innerhalb von zehn Jahren ist der Stadtteil nahezu fertig.

+++In Neu-Allermöhe entstehen die vorerst letzten Neubauten+++

Entspricht Neuallermöhe Ost eher dem Ideal einer kleinstädtischen Siedlung, orientiert sich Allermöhe West am Leitbild der städtischen Quartiere der 20er-Jahre. Aber auch hier hat kein Gebäude mehr als vier Geschosse. Das Prinzip Wohnen am Wasser ist konsequent umgesetzt.

Neuallermöhe ist in seinen beiden Teilen uneingeschränkt familienfreundlich: Neben seinen großzügigen Grün- und Sportflächen, den vielen Kindergärten und dem umfassenden Schulangebot tragen vor allem die überwiegend großen und bezahlbaren Wohnungen zu dieser Bewertung bei. Die Mietpreise liegen netto kalt je nach Finanzierungsart und Vermieter zwischen 5,50 bis 7,10 Euro/Quadratmeter. Viele Wohnungen sind zudem noch langfristig öffentlich gefördert.

Kein Wunder, dass Neuallermöhe der Stadtteil mit der im Verhältnis jüngsten Bevölkerung und dem höchsten Anteil von Familien mit Kindern in Hamburg ist.

"Wir sind über den Berg", das ist die einhellige Meinung von Mietern und Mitarbeitern von Freizeit- und Kultureinrichtungen in Allermöhe, wenn man sie auf ihre persönlichen Erfahrungen und die Vorurteile anspricht, die immer noch außerhalb des Stadtteils bestehen.

"Für viele Menschen, die in den 90er-Jahren aus Osteuropa hierher kamen, war der Anfang ausgesprochen schwer", sagt Jeanette Winter, Mitarbeiterin im Kulturverein Kokus und seit 1997 zusammen mit ihrer Familie Bewohnerin eines Reihenhauses in Neuallermöhe West. "Besonders schwierig war es für die Jugendlichen, die plötzlich aus ihrem Freundeskreis herausgerissen waren", beschreibt auch Uwe Jensen die damalige Situation.

Dass sich nach einigen schwierigen Jahren die Lage im Stadtteil heute normalisiert hat, ist dem großen Engagement von aktiven Bewohnern und Mitarbeitern von Schulen, Vereinen und freien Trägern zu danken. Viele Aussiedler und Migranten haben inzwischen den Weg in die Arbeitswelt gefunden und Eigentum erworben.

Für die Kinder, die seit der ersten Klasse zur Schule gegangen sind, spielt die Herkunft keine Rolle. Eine Erfahrung, die sowohl Jeanette Winter als auch Uwe Jensen bei ihren Kinder immer wieder gemacht haben. Und sage einer, mit Migrationshintergrund könne man nicht erfolgreich sein: Als Edris Faez nach einer dramatischen Flucht aus Afghanistan mit seinen Eltern und Geschwistern in Allermöhe landet, ist er zehn. Sein Abiturzeugnis weist ihn als Hamburgs Jahrgangsbesten aus. Inzwischen studiert er Maschinenbau, sein Vorbild ist Helmut Schmidt.

Wer in Neuallermöhe eine Wohnung sucht, schaut am besten ins Internet, wo man Hinweise auf Wohnungsbaugenossenschaften, die Saga-GWG und auf freie Baugesellschaften findet.

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