Hausbesuch

Für Brigitte Ihns ist Dekoration die große Leidenschaft

Brigitte Ihns kann auf die Mithilfe ihres Mannes Manfred bei allen Umbauaktionen zählen.

Foto: Michael Rauhe

Brigitte Ihns kann auf die Mithilfe ihres Mannes Manfred bei allen Umbauaktionen zählen.

Die Einrichtering Brigitte Ihns lebt mit ihrem Mann in Eppendorf. Dort baut und dekoriert sie alles stetig um – insbesondere zu Ostern.

Hamburg.  Brigitte Ihns ist eine treue Seele. Seit mehr als 40 Jahren ist sie mit ihrem Mann Manfred verheiratet, fast ebenso lange lebt sie mit ihm in der 106 Quadratmeter großen Altbauwohnung eines Jugendstilhauses im Herzen von Eppendorf. Noch länger ist sie ihrer Berufung treu: Als Stylistin reist sie für Fotoproduktionen um die Welt, und quasi nebenbei berät sie Privatpersonen und Unternehmen bei Fragen zu Inneneinrichtungen. Soweit zu den Konstanten im Leben der Hamburgerin.

Dafür ist sie in anderer Hinsicht umso umtriebiger: Sie dekoriert in regelmäßigen Abständen ihre Wohnung um. "Es gibt so viele Möglichkeiten, einen Raum zu gestalten. Wenn ich eine Idee oder Sehnsucht nach bestimmten Farben und neuen Möbeln habe, will ich sie auch umsetzen, am liebsten sofort", sagt sie.

Kurzerhand eine neue Wand gezogen

Davon kann ihre Familie ein Lied singen. "Irgendwann vor Jahren, kurz vor Weihnachten, stand ein Betonmischer im Flur, da kurzerhand eine neue Wand eingezogen werden sollte", erinnert sich Sohn Sascha, der gerade aus München zu Besuch ist.

"Ein anderes Mal", erzählt Manfred Ihns, "stand die Wohnung tagelang voller Rigipsplatten, die vor Ort passgenau zugesägt wurden." Seine Frau hatte beschlossen, das WC zugunsten einer größeren Speisekammer zu verkleinern. Eigentlich ist er oft in banger Erwartung, wann seine Frau wohl wieder ihrer Kreativität freien Lauf lässt, denn dies bedeutet für ihn meist Arbeit.

Unzählige Kartons vom Dach holen

So muss er zum Beispiel die Tage vor Ostern, wie jedes Jahr, unzählige Kartons mit Dekoration vom Dachboden herunterholen. Zwecks Inspiration. Aus der Fülle der Möglichkeiten entwickelt seine Frau dann ein für Familie wie Gäste überwältigendes Oster-Szenario. "Dekoration ist nun einmal meine Leidenschaft", sagt Brigitte Ihns und lacht dabei. Kurz vor Weihnachten geht's ähnlich zu.

Doch auch außerhalb von Festtagen ist die Wohnung geprägt von Liebe zum Detail. Vor allem die beiden ineinander übergehenden Räume im vorderen Teil der Wohnung – Wohn- und Esszimmer – dienen zum Experimentieren.

Antiker Kronleuchter darf bleiben

Gegenwärtig beruht das Farbkonzept auf dem Wechselspiel verschiedener Taupe- und Weißnuancen: Die weiße Schrankwand im Esszimmer, das beigefarbene Sofa und die weiß gestrichene Decke sorgen für einen lichten Gegenpol zum dunkleren Taupeton der Wände, den beiden farblich darauf abgestimmten Flokatiteppichen und der Bestuhlung. In diesem Spannungsfeld setzen der schwarze Esstisch und der ebenfalls schwarze Couchtisch kraftvolle farbliche Zäsuren.

Optisches Highlight ist der 50 Kilo schwere Kronleuchter aus Holland über dem Esstisch. "Den haben wir vor 20 Jahren auf einer Antikmesse gekauft", sagt Brigitte Ihns. Ihr Tonfall macht deutlich: Dieser Leuchter wird jede Renovierungsrunde überleben.

Absehbar ist Handlungsbedarf im Flur

Nahezu alle Wände sind kahl. Warum? Das war mal anders, wie die Hausherrin einräumt: "Wir hatten immer Gemälde und Grafiken aufgehängt, die farblich und stilistisch zur Einrichtung passten. Aber eines Tages merkte ich, dass sie mich nicht mehr wirklich berühren oder ansprechen." Ehemann Manfred musste sie also von der Wand nehmen, säuberlich einpacken und auf den Dachboden tragen.

Zuletzt habe sie "gefühlt" vor etwa fünf Jahren richtig Hand an alle Räume gelegt. "Schon viel zu lange her", sagt die Stylistin. "Nein, das war erst vor zwei Jahren", korrigiert Manfred Ihns in fast schon flehendem Unterton. Er ahnt Arbeit. Zu Recht, wie sich beim Gang über den Flur erweist. Hier sieht seine Frau "dringenden Handlungsbedarf". So muss der Schiebeschrank, gekauft vor über 20 Jahren, weichen, denn eine Tür funktioniert nicht mehr richtig. "Das wird ein Kraftakt, der ist massiv", sagt Brigitte Ihns in Richtung ihres Mannes.

Maßgefertigte Lackspanndecke im Bad

Bleiben darf hingegen der fast wandhohe, vergoldete Spiegel mit barocken Zierelementen. Auch an den beiden flankierenden, halbrunden Ziertischchen und antiken Lampen hängt das Herz der Hausherrin. Sympathischer Kontrast: Gegenüber der perfekt inszenierten Flursituation hat Ehepaar Ihns ein kuscheliges Katzenhaus für ihre erst sechs Monate alten Stubentiger Candy und Coco geschaffen.

Ein Blick ins winzige Bad mit Duschkabine offenbart, wie intelligent sich selbst in kleinsten Räumen maximaler Luxus schaffen lässt. Dank der maßgefertigten Lackspanndecke wirkt der Raum "wie aus einem Guss". "Wir haben das Bad vor 15 Jahren von einem Anbieter einbauen lassen, der damals als einer der ersten solche Decken montiert hat", erzählt Manfred Ihns.

Einbauküche mit viel Stauraum

Hierbei wird eine exakt auf die Raummaße zugeschnittene Decke lose an den Raumecken montiert und anschließend mit einem Heizgebläse auf 40 Grad erwärmt, um die Textur geschmeidig zu machen. Mit Montagespachteln wird die elastische Masse anschließend in Form gezogen.

Bewusst auf Qualität hat das Paar auch bei der Einrichtung der Küche gesetzt. Alle Einbauten sind maßgefertigt, um dem Raum viel Staufläche abzugewinnen. Das ehemalige Kinderzimmer dient indes heute als kombinierter Büro- und Gästebereich. Hier lagern viele Accessoires, die Brigitte Ihns für ihre Fotoproduktionen benötigt. Dieser Raum, da kann Ehemann Manfred beruhigt sein, bleibt erst einmal, wie er ist.

© Hamburger Abendblatt 2017 – Alle Rechte vorbehalten.