Bauhaus und Kaffeemühle
Das "Büro gruppe3 Architekten" hat in Winterhude ungewöhnliche Neubauten geplant - doch auch Sanierungen und Umbauten gehören zum Geschäft
Ursprünglich sollten die Dorotheenterrassen am Mühlenkampkanal aus sieben Gebäuden bestehen. Jetzt wird auf die kleineren Stadthäuser verzichtet. Baustart ist vermutlich 2011.
Foto: Gruppe3 Architekten
Hamburg. Die Lage des Büros lädt eigentlich dazu ein, zwischendurch auch mal eine Pause einzulegen und sich auf einen der beiden Rattansessel auf dem kleinen Balkon zu setzen. Immerhin befinden sich die Räumlichkeiten der Gruppe3 Architekten in der HafenCity am Sandtorkai, und damit in bester Adresslage der Hansestadt. Doch den beiden Geschäftsführern des 2001 gegründeten Büros, Johannes Störtenbecker und Bernd Kruskop, sowie ihren vier Architekten, drei davon als freie Mitarbeiter, fehlt dafür die Zeit. Zu viele Projekte warten darauf, umgesetzt zu werden.
Eines davon, das größte, firmiert unter dem Namen Dorotheenterrassen. Es sieht den Neubau von 40 Wohnungen auf einem begrünten Tiefgaragendeckel am Mühlenkampkanal in Winterhude vor. Zurzeit findet das Bebauungsplanverfahren statt. "Wenn das Baurecht steht, können wir loslegen", sagt Johannes Störtenbecker. Alles in allem rechnet der Architekt aber nicht vor 2011 mit dem Baustart.
Mit seinen Plänen überrumpelte der Architekt den Grundstückseigentümer
Die Entstehungsgeschichte des Projekts - es läuft unter der Zielvorgabe innerstädtische Nachverdichtung - ist ein wenig kurios und zugleich bezeichnend für das Vorgehen Störtenbeckers, der in dem gut florierenden mittelständischen Architektenbüro mehr und mehr den kreativ-gestalterischen Part übernommen hat. "Ich wusste, wem das Grundstück an dem Kanal gehört. Die Fläche zwischen der vorhandenen Hochbebauung inspirierte mich dazu, dort weitere Wohngebäude anzudenken", erinnert sich der Architekt. Also machte er sich daran, insgesamt sieben Gebäude zu skizzieren, darunter drei Stadthäuser mit 140 m² Wohnfläche und ein Wohnhaus, in dem Generationenwohnen oder Wohnraum für Studenten möglich werden sollte.
Die Robert Vogel GmbH, Besitzerin des Grundstücks, zeigte sich überrascht, aber auch angetan von den ungefragt vorgelegten Plänen. "Auch bei den Bezirkspolitikern vor Ort war dies der Fall", sagt der Hamburger Architekt.
Kein Wunder, sehen die Pläne doch den Bau von hochwertigem Wohnraum an einem stark nachgefragten Standort vor. Doch es bildete sich eine Initiative, die den Baumbestand vor Ort bedroht sah und gegen die zu hohe Verdichtung des Geländes votierte. "Wir haben jetzt die Pläne geändert, indem wir auf den Bau der drei Stadthäuser verzichten", sagt Störtenbecker. Geplant würden jedoch nach wie vor die drei mehrgeschossigen Wohnhäuser mit Einheiten zwischen 80 und 90 m² Fläche und ein weiteres Gebäude, in dem Mehrgenerationenwohnen möglich werden soll.
Erfahrungen mit einem vergleichbaren Projekt sammelt der agile Architekt derzeit in Barmbek, wo er für eine Baugemeinschaft ein Mehrfamilienhaus auf dem ehemaligen Güterbahnhof-Gelände in Barmbek erstellt. Hier entstehen 14 Einheiten, teilweise als Maisonette-Wohnungen, zwei davon sind von vornherein für die Großeltern zweier Familien vorgesehen. "Wir befinden uns hier kurz vor dem Baustart", freut sich der Architekt, der mit seiner Frau und den drei Söhnen selbst in einem von ihm modernisierten Reihenhaus in Othmarschen wohnt.
Die Sanierung von Bestandsbauten gehört mittlerweile zu einem wichtigen Standbein des Büros. "Besonders in der Ahornstraße und im Hohenkamp sind wir zurzeit mit dem Umbau und der Erweiterung von Einfamilienhäusern befasst", sagt Störtenbecker. Angefangen habe eigentlich alles mit einem Haus eines Bekannten in Marienthal, das modernisiert werden sollte. "Danach ergaben sich die weiteren Aufträge im Quartier von selbst", erinnert sich Störtenbecker, der - ebenso wie Kruskop - sein Handwerk an der Fachhochschule in Flensburg gelernt hat und vor der Selbstständigkeit mit ihm gemeinsam in einem großen Architekturbüro gearbeitet hat. "Diese Erfahrungen kommen uns auch bei diesen kleineren Projekten zugute", sagt der Architekt. Während Störtenbecker auch hier weitestgehend die Entwurfsgestaltung verantwortet, hat sich Kruskop auf die Ausschreibung der Arbeiten und die Bauplanung verlegt.
Für eine Kundin im Hohenkamp in Alt-Rahlstedt ist das Team bereits zum dritten Mal tätig. "Zuerst haben wir nur die Bäder saniert und den Eingangsbereich neu gestaltet, jetzt sind wir gerade dabei, das Dachgeschoss der alten Kaffeemühle so auszubauen, dass unter anderem zwei Kinderzimmer mit hohen Gauben entstehen", sagt der Architekt. Angedacht sei in einem weiteren Schritt ein halbrunder Anbau, durch den der Ess- und Wohnbereich erweitert wird.
Die Entwürfe zeigen ein gewisses Faible für den Bauhausstil. "Wir planen auch neue Häuser, aber ich finde es als Architekt sehr reizvoll, mit Bestehendem zu arbeiten und den Bestand behutsam neu zu gestalten", sagt Störtenbecker. Offenbar hat der Architekt dafür auch ein Händchen. Seinen Stolz kann der Hamburger jedenfalls nicht verhehlen, wenn er erzählt, dass jeder seiner Entwürfe bislang gleich beim ersten Vorlegen auch rückhaltlosen Zuspruch fand. "Da macht die Arbeit natürlich Spaß", sagt Störtenbecker.
Brandschutzsanierungen erlauben dem Büro visionäre Gedankenspiele
Strahlende Augen bekommt er auch, wenn er über die jüngste Akquise des Büros spricht. Wie so oft, kam das Geschäft über einen guten Kontakt zustande. "Für einen prominenten Hamburger planen wir den Ausbau eines Dachgeschosses in seinem Wohnhaus in Eimsbüttel. Hier werden drei Wohnungen mit Flächen zwischen 73 und 86 m² entstehen, die mittels bodentiefer Fenster gut belichtet werden und teilweise überdachte, und damit auch schallgeschützte Loggien erhalten", sagt Störtenbecker. In Rahlstedt wiederum ist das Büro derzeit mit der Brandschutzsanierung durch eine private Hausverwaltung betraut. "Solche Aufträge bekommen wir öfter", sagt der Architekt. Letztlich ermöglichten ihm diese Arbeiten, Entwürfe wie für Winterhude ungefragt zu machen. Dass diese nun auch Realität werden, freue ihn natürlich.




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