Von Chemnitz nach Paris - mit einem Liter Benzin
Wer rollt mit einem Liter Kraftstoff am weitesten? Dies ist das Anliegen eines Autorennens der ökologischen Art, des Shell Eco-Marathons. Er läuft von heute bis Sonntag in Nogaro (Südfrankreich). 255 Teams aus 21 Ländern werden in den drei Kategorien "Verbrennungsmotoren", "Brennstoffzellen" und "geringste Kohlendioxid-Emissionen" ihre Leistungen messen lassen. Dabei spielt die Geschwindigkeit nur eine untergeordnete Rolle (mindestens Tempo 30 ist gefragt). Punkten können die Fahrzeuge vor allem mit Sparsamkeit.
Wird der Rekord von 3836 Kilometer mit nur einem Liter Benzin in diesem Jahr fallen? Ihn stellte das Team der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich im vergangenen Jahr auf. Dazu mußten die Teilnehmer jedoch nicht 3000 Kilometer fahren - der Kraftstoffverbrauch, den die windschnittigen Gefährte für ihre sechs Runden auf der 3,6 Kilometer langen Teststrecke benötigen, wird entsprechend hochgerechnet.
Vier deutsche Teams sind in diesem Jahr am Start. 19 Studenten und Absolventen der Technischen Universität Chemnitz schicken ihren "Fortis Saxonia" ins Rennen. Ihr Ziel: Das 2,7 Meter lange halbtropfenförmige Fahrzeug aus Kohlefaser-Verbundmaterial sollte umgerechnet mit einem Liter Superbenzin zumindest 1000 Kilometer schaffen, also etwa die Strecke von Chemnitz nach Paris.
"One drop only" (nur ein Tropfen) heißt das Gefährt der Gewerblich-technischen Schulen in Offenbach. Es ist eine Mischung aus Mofa und Liegefahrrad. Während die 13 Offenbacher erstmals dabei sind, hat das "Team Schluckspecht" der Hochschule Offenburg bereits acht Jahre Erfahrung und war schon im vergangenen Jahr erfolgreich. Nach einem Benzin- und zwei Diesel-Schluckspechten folgt nun eine Variante mit Brennstoffzelle. Dagegen setzt das "Shell-Witchcraft-Team" von der Fachhochschule Merseburg nicht etwa auf Hexerei, sondern auf Rapsöl-Technik. Das Sextett schickt eine dreirädrige, tropfenförmige Holzkonstruktion ins Rennen.
Insgesamt sind in dem europäischen Teil des weltweiten Wettbewerbs Preisgelder von 25 000 Euro zu verteilen. Die Wurzeln der Kraftstoffspar-Wettfahrt liegen jedoch in den USA. Dort maßen Mitarbeiter eines Shell-Labors bereits 1939 den Spritverbrauch ihrer eigenen Autos. Das sparsamste kam damals mit einem Liter Benzin immerhin 21,14 Kilometer weit.
Internet (in Englisch): www.shell.com/eco-marathon



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