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Umwelt

Widerborstige Algen

Mikroalgen fordern Büsumer Forscher heraus. Diese Minipflanzen könnten in der Zukunft wertvolle Rohstoffe liefern.

Mehrfach hatte das "Kleine Monster" im Forschungs- und Technologiezentrum Westküste (FTZ) zugeschlagen: So tauften die sechs Wissenschaftler, die im Büsumer FTZ mikroskopisch kleine Algenzellen (Mikroalgen) züchten, eine widerborstige Blaualge. Diese schlüpfte mehrfach unerkannt in Glasbehälter, in denen andere Mini-Meeresalgen für die Forschung heranwuchsen und machte denen den Garaus. Doch nun scheint das "Kleine Monster" besiegt: Bereits 35 reine Algenstämme umfasst die Sammlung, bis Ende 2004 soll sie auf etwa 60 Kulturen anwachsen. An ihnen wollen die Forscher unter anderem testen, welche Mikroalgen sich als Rohstofflieferanten der Zukunft eignen.

Die größten Mikroalgen sind nicht einmal einen Millimeter groß und mit bloßem Auge nicht sichtbar. "Wir quälen sie mit UV-Licht, Nahrungsmangel, verschiedenen Temperaturen oder künstlich erzeugten Turbulenzen, um zu sehen, unter welchen Bedingungen sich die Produktion von Substanzen, die für den Menschen von Nutzen sind, steigern lässt", beschreibt Projektkoordinator Dr. Klaus Vanselow den wichtigsten Forschungsansatz im Algenlabor.

Ganz vorn auf der Liste steht die Alge "Synechocystis sp.". Sie enthält zwei Wirkstoffe, die für Sonnenschutzmittel interessant sind: Das eine, ein Enzym, repariert Hautschäden. Das zweite, ein Pigment, sorgt dafür, dass es möglichst gar nicht erst zu solchen Schäden kommt. Im FTZ erhält die Algenkultur nun intensive "Sonnenbäder" aus der UV-Lampe, um die Bildung der beiden Wirkstoffe anzuregen.

Andere Mikroalgen erzeugen Antioxidantien, mit denen zum Beispiel Lebensmittel haltbarer gemacht werden können. Doch stehen hohe Produktionskosten einer breiten Anwendung noch im Wege. Sehr viel praxisnäher ist die Fahndung nach ungesättigten Fettsäuren und anderen wertvollen Nahrungsbestandteilen. Hier wurden die Büsumer Forscher längst fündig. Drei von ihnen machen sich im Jahr 2000 selbstständig und bauten einen Algenreaktor auf, um die Produktion im größeren Maßstab zu betreiben. Derzeit vermehrt sich dort die Mikroalge "Nannochloropsis". Das Trio, das im Gebäude des FTZ untergebracht ist, vermarktet die kleine Grüne unter der Firma BlueBioTech. Die Alge dient als Fischfutter, vor allem für die benachbarte Aquakultur Ecomares.

Neben den Büsumer Algenkulturen gibt es in Deutschland eine Hand voll weiterer Sammlungen mit wissenschaftlichem Anspruch. Sie, wie auch ihre internationalen Kollegen, stehen erst am Anfang: Etwa 40 000 Mikroalgenarten sind weltweit beschrieben - nicht einmal ein Prozent der Süß- und Salzwasserbewohner wurde bislang auf sein Wirkstoffpotenzial getestet.

Aber auch anderen Fragen gehen die Forscher des FTZ - eine Außenstelle der Christian-Albrechts-Universität Kiel - nach. So entwickeln sie ein Schnell-Erkennungsverfahren für Mikroalgen, das auf Schiffen eingesetzt werden kann. Und sie testen, inwieweit Turbulenzen im Meer das Wachstum von pflanzlichem Plankton fördern, weil im bewegten Wasser die Mikroalgen-Gesellschaft gleichmäßiger mit Sauerstoff, Nährstoffen und Licht versorgt wird.

Die Vorstellung, dass zukünftige Algenpest-Ausbrüche wertvolle Rohstoffe liefern, ist allerdings zu optimistisch. Denn frei lebende nützliche Mikroalgen lassen sich kaum von schädlichen (beispielsweise giftigen) trennen - "Kleine Monster" gibt es nicht nur in Laboren, sondern hauptsächlich im Freien.

Das Forschungszentrum im Netz: www.uni-kiel.de/ftzwest/ Stichwort "Projekte"

 

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