Wasser(werk) als Geldquelle
Trinkwasser ist derzeit in aller Munde, nicht nur in flüssiger Form: Nach der Liberalisierung des Strommarktes ist die Liberalisierung des deutschen Wassermarktes im Gespräch. Zwar verfolgt heute kaum mehr jemand die Idee, dass mehrere Wasserlieferanten, wie beim Strom, in ein gemeinsames Netz einspeisen - hygienische, technische und rechtliche Bedenken sprechen dagegen. Stattdessen denken die Kommunen darüber nach, ihre städtischen Wasserversorger zumindest zum Teil zu verkaufen, um damit chronisch leere Kassen zu füllen. Eine Bestandsaufnahme zum Weltwassertag am Sonnabend, 22. März. Die Stadtkämmerer machten eine "eiskalte Rechnung" auf, so Nikolaus Geiler, Sprecher des Arbeitskreises Wasser im Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz: "Der Verbleib der Stadt- oder Wasserwerke lohnt sich für die Kommune nur dann, wenn die Werke mehr Gewinn abwerfen als die eingesparten Zinsen, die sich aus einem Verkauf und dem damit erzielten Schuldenabbau ergeben", schreibt Geiler im Fachblatt "Politische Ökologie" (siehe unten). Damit würden die Werke unter Rentabilitätsdruck geraten, der Qualitäts- und Umweltstandards gefährde. Vielerorts seien die Investitionen in den Erhalt der Rohrnetze bereits deutlich gesunken. Die Hamburger Wasserwerke (HWW) bringen beides unter einen Hut: Sie arbeiten bei hohen Qualitäts- und Umweltstandards relativ profitabel. Die HWW verfolgen eine Wachstumsstrategie, um zukünftig gegen internationale Wasserriesen wie die französischen Unternehmen Vivendi und Ondeo bestehen zu können. Doch die anvisierte Übernahme des größten deutschen Wasserversorgers Gelsenwasser in Verbindung mit einer Teilprivatisierung der HWW haben bereits für Proteste gesorgt. Frühestens im Sommer sollen in Hamburg die Weichen gestellt werden. "Auch wenn nur Anteile an den Wasserwerken verkauft werden, bringt dies in jedem Fall eine Interessenverschiebung mit sich", warnt Manfred Braasch vom BUND Hamburg. Die Wasserwerke gehörten allen Hamburgern, das solle so bleiben. Die Stadtwerke Herne gehen einen alternativen Weg: Sie verkaufen Fondsanteile an ihre Mitarbeiter und Kunden - eine "Teilprivatisierung", bei der die Bürger nicht ausgegrenzt, sondern stärker einbezogen sind. Als der "Hertenfonds" im Herbst startete, war die Nachfrage doppelt so groß wie das geplante Fondskapital. (hi) Zum Weiterlesen: "Wasser - Grundrecht oder großes Geschäft?" aus der Heftreihe "Politische Ökologie", ökom Verlag, zehn Euro, Bestelladresse: pan adress, Semmelweisstraße 8, 82152 Planegg. Diskussion: Die globale Wasserversorgung ist Thema einer Veranstaltung der evangelischen Akademie (Esplanade 15): Do., 20.3., 19 Uhr, Eintritt frei). Aktionsbündnis "Unser Wasser Hamburg": www.unser-wasser-hamburg.de



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