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Umwelt

Umwelt-Sprechstunde: Carsharing, Bahnen und Busse, Umstieg aufs Fahrrad

Alternativen zum eigenen Auto

Wer mobil sein will, muss nicht immer in den Wagen steigen. Gerade in Großstädten gibt es gute Angebote, die oft noch preiswerter sind.

Das Autofahren wird immer teurer, nicht zuletzt durch die steigenden Kraftstoffpreise. Welche kreativen Auswege führen aus der Spritpreisfalle? Was sind die Alternativen zum eigenen Auto? Diese Fragen beantworteten Prof. Klaus Schlabbach, Verkehrsexperte an der HafenCity-Universität, und Ewald Hauck vom Hamburger Landesverband des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) bei der Umweltsprechstunde von NDR und Hamburger Abendblatt live im Studio.

Wie funktioniert Carsharing? Ewald Hauck erklärt das Prozedere: Man wird Mitglied in einem der drei in Hamburg vertretenen Unternehmen. Dann bucht man nach Bedarf ein Auto, für Stunden oder Tage. Alle Mitglieder haben eine elektronische Chipkarte oder einen Schlüssel, um am Abholpunkt einen Tresor zu öffnen, in dem der Fahrzeugschlüssel liegt. Oder Sie öffnen direkt mit der Chipkarte das Auto, in dem der Zündschlüssel deponiert ist. "Vor der Fahrt kontrollieren Sie das Auto auf Beschädigungen, wie Sie es bei einem Mietwagen auch tun würden. Ansonsten sind die Fahrzeuge aber Vollkasko versichert", so Hauck. Abgerechnet werden Stunden- plus Kilometerpreise und eine Monatsgrundgebühr.

Standorte in Hamburg "In Hamburg gibt es insgesamt 60 bis 70 Stationen. Sie sind in den Kernbereichen konzentriert, weil dort die Dichte der Bevölkerung am größten ist", sagt Ewald Hauck. In kleineren Städten und Randgemeinden ist Carsharing meist nicht zu haben. Das kann sich ändern, wenn sich mindestens 20 bis 25 Interessenten finden, die einen neuen Stützpunkt nutzen würden. Dann wird es für einen Anbieter attraktiv, einen neuen Standort einzurichten. Hauck: "Wenn keine 20 Leute zusammenkommen, können die Interessenten sich zu privaten Gemeinschaften zusammenschließen. Dabei ist der VCD gern behilflich." Der Engpass für weitere Standorte sind meist fehlende Parkplätze. Die novellierte Straßenverkehrsordnung soll dem Carsharing gesonderte Stellplätze ähnlich den Taxiständen einräumen. Doch sie ist noch nicht verabschiedet.

Wann sich Carsharing lohnt Die Faustregel lautet: Bei Fahrleistungen unter 8000 bis 9000 Kilometer pro Jahr lohnt sich der Umstieg auf das Carsharing. Ein Beispiel: Wer sich ein Auto sieben Stunden lang ausleiht und damit 100 Kilometer fährt, zahlt etwa 60 Euro, Benzin inklusive. Insgesamt zahlen Carsharing-Nutzer sicherlich weniger als 300 Euro im Monat - das kostet nach ADAC-Angaben ein eigener Kleinwagen. Und: Jedes Carsharing-Mitglied durchläuft eine Lernkurve: Am Anfang wird es das Auto relativ oft nutzen, mit der Zeit organisiert es sein Leben mit weniger Autonutzung. Wer sehr selten mit dem Auto unterwegs ist, fährt womöglich in einem Taxi preiswerter. Und für den Wochenendausflug käme alternativ ein Mietwagen in Frage.

Ein Auto für viele entlastet die Umwelt Bislang nutzen etwa 6000 Hamburger das Carsharing. Prof. Klaus Schlabbach: "Ein Anfang ist gemacht, nun ist es wichtig, dass die Nutzer immer mehr werden, die Jahreskilometerleistung jedes Einzelnen dadurch zurückgeht und der ökologische Verkehr gestärkt wird." Die Carsharing-Flotten sind sehr jung und emittieren deshalb weniger Schadstoffe als Privatautos, nach einer Studie des Wissenschaftszentrums Berlin zum Beispiel 33 Prozent weniger Stickoxide. Zudem ersetzt ein Carsharing-Auto vier bis sechs Pkw.

Erfolgsmodell HVV 618 Millionen Fahrgäste nutzten im Jahr 2007 Hamburgs Busse und Bahnen, so viele wie noch nie. Seit Jahren steigt die Zahl der Fahrgäste. Für Klaus Schlabbach ist das kein Wunder: "Das Verbundgebiet ist viel größer geworden, das erhöht die Zahl der Fahrten und der durch das Netz bedienten Personen. Zudem hat sich das Angebot verbessert, etwa durch den Nachtbetrieb der U-Bahnen und den Fünf-Minuten-Takt in den Abendstunden. Das Nachtbusnetz ist bei jungen Leuten und Touristen sehr beliebt. Der HVV profitiert auch davon, dass das Autofahren immer teurer wird. Er hat bundesweit den besten Kostendeckungsgrad von 87 Prozent."

Die ideale Kombination: Fahrrad plus Bahn Fahrräder reisen im HVV-Netz gratis mit, allerdings nicht in den Regionalzügen. Dort kostet die Fahrrad-Tageskarte 3,50 Euro. Dafür gibt es auf den Linien keine zeitliche Beschränkung für Fahrräder - in Bussen, U- und S-Bahn müssen sie während des Berufsverkehrs (6-9 Uhr und 16-18 Uhr) draußen bleiben. Viele Buslinien nehmen Fahrräder mit. Wer vollkommen flexibel sein und gleichzeitig auch in Fernzügen seinen Drahtesel mitnehmen möchte, kann sich ein Faltrad kaufen, das als Gepäckstück überall mitfahren kann. Klaus Schlabbach möchte besseren Service für normale Fahrräder: "Radfahrer sollten weiter gegen die Restriktionen vorgehen. Diese gehören abgeschafft, sowohl im Nah- als auch im Fernverkehr."

Eine Alternative sind Fahrradboxen an Bahnhöfen, in denen man sein Fahrrad diebstahlsicher wegschließen kann. Hauck: "An den S-Bahnlinien werden die Boxen über die P&R-Betriebsgesellschaft für monatlich acht Euro vermietet. Allerdings sind die viel gefragten Stationen ausgebucht. Da gibt es zum Teil lange Wartelisten."

Netzausbau zu zaghaft Im Dezember soll die Flughafen-S-Bahn in Betrieb gehen, die U4 zur HafenCity ist in Bau; es gibt den Koalitionsbeschluss, eine Stadtbahn nach Steilshoop zu bauen. Für Klaus Schlabbach reicht dies nicht aus: "Eine Metropole wie Hamburg braucht drei Verkehrssysteme: schnelle U- und S-Bahnen auf den Hauptstrecken, Busse für die Verteilung in den Stadtteilen und als Bindeglied ein Stadtbahnnetz - und nicht nur einen ersten Streckenabschnitt von Steilshoop bis zum Borgweg. Es sollten mindestens die drei Linien geschaffen werden, deren Trassen längst ausgearbeitet sind: von Steilshoop zur Lufthansawerft, eine zweite Linie in die Innenstadt hinein und eine dritte von Niendorf auf der Metrobuslinie in die City."


Bericht: Angelika Hillmer

 

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