11.09.07

Treibhausgase: Die Verbrennung von Öl, Gas und Kohle

Die Weltkarte der Klimasünder

Der CO2-Ausstoß pro Kopf ist in den einzelnen Ländern sehr unterschiedlich. Den größten Anstieg verzeichnen jene Nationen, die wirtschaftlich Nachholbedarf haben. Aber kein Weg führt daran vorbei: Der reiche Westen muss sich einschränken.

In Westeuropa weisen die grünen Pfeile nach unten: Hier gehen die CO2-Emissionen zurück, in den Schwellen- und Entwicklungsländern steigen sie stark an.

Der Mensch ist dabei, seinen Lebensraum dauerhaft zu verändern. Eine wachsende Weltbevölkerung von derzeit sechs Milliarden Menschen mit nie da gewesenen technischen Kapazitäten beeinflusst das globale natürliche System in einer massiven und sicher nicht "nachhaltigen" Weise. Paul Crutzen und Eugene Stoermer haben unsere geologische Epoche als das Anthropozän bezeichnet, als das vom Menschen dominierte Zeitalter. Unsere Zivilisation ist zur Naturgewalt geworden, die weit reichende Veränderungen in den Ökosystemen herbeiführt. Hier gehts zur Weltkarte der Klimasünder .

Klimawandel ist das Paradebeispiel für diesen Prozess: Seit Beginn der Industriellen Revolution Ende des 18. Jahrhunderts hat der ungebremste Verbrauch von fossilen Brennstoffen und der damit verbundene Ausstoß von Treibhausgasen dazu geführt, die Atmosphäre zu erwärmen. Die Wissenschaft hat große Fortschritte gemacht, die Folgen abzuschätzen. So helfen uns, komplexe Modelle, den Einfluss steigender Temperaturen auf den Wasserkreislauf oder das Auftreten von Extremereignissen verstehen zu können. Es existieren allerdings Bereiche, in denen wir schnell an unsere Grenzen stoßen. Zum Beispiel gibt es sogenannte Kippschalter im Erdsystem, wo nach dem Überschreiten bestimmter Grenzwerte für Temperatur, pH-Niveau etc. irreversible Prozesse in Gang kommen können. Dazu zählen die Kontinentaleismassen des Grönländischen und Westantarktischen Eisschildes, der Regenwald des Amazonas, der westafrikanische und indische Monsun sowie die großen Korallenriffe.

Abgesehen von den ökologischen Folgen, die ein Absterben des Regenwaldes oder ein Ausbleiben des indischen Sommermonsuns nach sich ziehen würden, wären die sozialen und ökonomischen Auswirkungen in den betroffenen Ländern immens.

Dies führt uns zum harten Kern der Klimaproblematik. Während die Industrieländer ihren Wohlstand den historischen Treibhausgasemissionen verdanken - bisher war wirtschaftliches Wachstum mit einem Anstieg des fossilen Energieverbrauchs verbunden -, haben die Entwicklungs- und Schwellenländer fast nichts zu dem Problem beigetragen. Zudem werden Letztere am stärksten von den Folgen des Klimawandels betroffen sein. Andererseits erlaubt es die rasche ökonomische Entwicklung in den Schwellenländern nicht, diese ganz aus der Verantwortung zu nehmen. Die große Herausforderung ist, die Kausalität von wirtschaftlicher Entwicklung und Energieverbrauch zu durchbrechen, wofür eine Dritte Industrielle Revolution vonnöten sein wird. Dies erfordert eine Umstrukturierung der Industrieländer in nachhaltig wirtschaftende Gesellschaften. Andererseits müssen die Schwellen- und Entwicklungsländer bei ihrem Streben nach Wohlstand unterstützt werden, künftig jedoch auf dem Pfad der Nachhaltigkeit. Die Aufgaben könnten monumentaler nicht sein. Der Klimawandel ist zu Recht zu einem überragenden Thema geworden.

\* Prof. Hans Joachim Schellnhuber ist klimapolitischer Chefberater der Bundesregierung und Vorstandsvorsitzender des Potsdam-Institutes für Klimafolgenforschung.

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