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Umwelt

Wer rettet die grauen Riesen?

Artenschutz: Wale durch neue Ölplattformen gefährdet. Im Ochotskischen Meer vor der russischen Insel Sachalin gibt es riesige Öl- und Gasvorkommen. Doch das Gebiet ist auch die Vorratskammer der Meeressäuger. Ein Thema für den Bundestag.

Einst durchquerten Grauwale beide Ozeane der nördlichen Hemisphäre. Vor etwa 300 Jahren starben sie im Atlantik aus, übrig blieben zwei getrennte Bestände im Pazifik. Während die ostpazifische Population mit etwa 25 000 Tieren recht stabil ist, schwimmen nur noch gut 100 westpazifische Grauwale vor den Küsten Rußlands und Japans. In der Nähe ihrer Nahrungsgründe entsteht derzeit das weltgrößte Ölerschließungsprojekt Sachalin II. Demnächst soll sich der Deutsche Bundestag mit dem Projekt befassen, denn es soll auch mit einem Kredit der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE) finanziert werden.

Alljährlich fressen sich die Grauwale im Ochotskischen Meer vor der russischen Insel Sachalin von April bis November Energiereserven für die Wanderung ins südliche Winterquartier an. Dazu wühlen sie mit ihren langen Köpfen am Meeresgrund, denn sie ernähren sich von Bodenorganismen. Unterhalb ihrer Nahrungsgründe liegen große Öl- und Gasvorkommen - die Reserven der russischen Provinz Sachalin entsprechen denen, die heute noch unter der Nordsee liegen. Zehn Prozent davon will ein Konsortium unter der Führerschaft von Shell erschließen. Ölrückstände durch den Betrieb der bestehenden und der beiden geplanten Förderplattformen oder durch Unfälle träfen die am Boden gründelnden Wale besonders.

In vorbildlicher Weise habe das Konsortium "Sakhalin Energy Investment Company" (SEIC) durch unabhängige Experten die möglichen ökologischen Folgen untersuchen lassen, lobt selbst die Weltnaturschutzunion IUCN. Ein Ausschuß aus 14 führenden Walexperten hatte im vergangenen Jahr im Auftrag von SEIC eine Untersuchung über die Risiken des Öl- und Gasförderprojekts abgeschlossen, die gleichzeitig den Wissensstand über die wenig erforschte Walgesellschaft deutlich erhöhte. Der von der IUCN veröffentlichte Bericht hatte unter anderem geraten, den Verlauf einer Pipeline zwischen Plattform und Küste weiter von den Wal-Lebensräumen entfernt zu verlegen. SEIC stoppte 2005 daraufhin den Pipeline-Bau und entschied sich für die vorgeschlagene Lösung. Sie ist 20 Kilometer länger und entsprechend teurer.

Dennoch bleibe auf Grund bestehender Informationslücken eine bedeutende Unsicherheit über die möglichen Folgen der Öl- und Gasgewinnung für die Grauwale, warnt der IUCN-Bericht. So seien schleichende Veränderungen durch Umwelteinflüsse wie eine nachlassende Fruchtbarkeit der Wale kaum erkennbar. Skeptisch sind auch die Bundestagsabgeordneten der SPD- und CDU/CSU-Fraktion. Unter Federführung der SPD-Kollegin Mechthild Rawert wollen sie die Europäische Entwicklungsbank bewegen, dem Projekt den von der Shell beantragten 400-Millionen-Dollar-Kredit zu verweigern - die Bank ist für ihre hohen Umweltstandards bekannt, eine Zusage des Geldes hätte daher eine Signalwirkung auf andere Banken. Im Antrag heißt es: "Alle beteiligten Staaten im Direktorium der EBWE sollten sich gegen eine Finanzierung des Projekts aussprechen. Auch in Zeiten des erhöhten Bedarfs von Öl und Gas darf die Ausbeutung unserer natürlichen Ressourcen nicht auf Kosten des Artenschutzes und der Umwelt gehen."

 

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