Auf der Jagd nach Monsterwellen
Tsunami-Frühwarnsystem: Hamburger Firma ist beteiligt. Eine neue Technik soll die ersten Anzeichen einer drohenden Katastrophe registrieren - und Menschen rechtzeitig warnen.
Lassen sich 30 Meter hohe, zerstörerische Monsterwellen wie im Dezember 2004 im Indischen Ozean vorhersagen? Diese Welle schwappte mehrmals um die Erde und erreichte sogar Peru und Kanada. Ein deutsches Betreiberkonsortium, darunter das Hamburger Unternehmen "Send", hat eine Tsunami-Frühwarnanlage entwickelt ("TEWS"). Damit sei eine Warnung nach 20 Minuten möglich, sagte Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn gestern in Hamburg. Im Oktober soll der Testbetrieb des von Deutschland mit 45 Millionen Euro finanzierten Projekts vor der Küste Indonesiens starten.
Ein Tsunami wird etwa durch ein Beben oder einen Hangrutsch am Meeresgrund ausgelöst. Das erste Glied der Frühwarnkette ist also ein zuverlässiges Netz, das Beben registriert . In der Region um den Sundagraben, wo sich die Australische Platte unter die Eurasische schiebt, sind trotz hoher seismischer Aktivität nur wenige Meßstationen installiert. Der TEWS-Plan sieht vor, das Netz auszubauen.
Als zweite Komponente messen Sensoren unter Wasser die Höhe des Meeresspiegels. Bevor sich Riesenwellen küstennah aufschaukeln, sind sie nur zehntel Meter hoch. Empfindliche Drucksensoren können aber den Unterschied zur harmlosen Höhe zwischen den Gezeiten millimetergenau feststellen. Sie sind am Meeresboden verankert in einer "OBU" (Ocean Bottom Unit, Meeresboden-Einheit).
In rostfreien Titanbehältern zeichnen Recorder der Hamburger Firma die Daten auf. Registrieren sie eine verdächtig hohe Welle, funken sie Alarm zu einer über der OBU schwimmenden Boje. Die Relaisstation sendet die Daten über einen Satelliten zum Festland. Hier werden sie ausgewertet. Als dritte Komponente kann die Höhe der Boje und damit die Größe der Wellen per GPS ermittelt werden. Alle Daten ergeben ein Modell über den Verlauf des Tsunamis. Dann wird über eine Warnung entschieden.
In der Testphase werden zwei von 20 Meßstationen auf dem Meeresgrund verankert. Die endgültigen Positionen werden noch vom Forschungsboot "Sonne" aus mit einem Fächerscan ermittelt, der Unterwasserreliefs aufzeichnet. Das Boot setzt im Oktober auch die Bojen aus.
Noch gibt es allerdings einige "Schwachpunkte" bei der Unterwassermessung, sagt Klaus Schleisiek von "Send". Der Betrieb der Unterwassermodems sei energieintensiv, da der hochfrequente Schall auf fünf Kilometern von Partikeln im Wasser gestreut werde und es so zu Verlusten komme. Ein Kabel wäre eine kostengünstige Alternative, aber da die Boje nicht fixiert sei, könne sich das Kabel verdrehen. Die Bewegung würde dann die Sensoren unter Wasser stören.
Im Pazifik unterhalten die USA schon ein Frühwarnsystem für Tsunamis, doch zum ersten Mal vereinen deutsche Unternehmen Sensoren für Erd- und Wasserbewegungen in einem Gerät.
Nicht jedes Meeresbeben löst Tsunamis aus, aber ein Beben kann die OBU anheben, was als Veränderung der Wassersäule fehlinterpretiert werden kann. So senkt sich die Wahrscheinlichkeit eines Fehlalarms, wenn man solche Beben mitregistriert.
Die Verbreitung der Warnung an Küstenbewohner ist nicht Teil des High-Tech-Projektes, sondern in der Verantwortung von Indonesien. Dessen Forschungsminister Kusmayanto Kadiman sagte gestern in Hamburg: "Hier werden vorerst noch Trommeln und Bambusstäbe zum Einsatz kommen müssen."



100. Geburtstag
Axel Springer
Branchenbuch Hamburg







Das Rätsel des Tages



