Foodwatch: Futtermittel sind Ursache von Lebensmittelskandalen
Fast alle Lebensmittelskandale der vergangenen zwei Jahre hatten ihren Ursprung in Futtermitteln. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Berliner Vereins Foodwatch, den der ehemalige Greenpeace-Geschäftsführer Thilo Bode leitet. Nach der Untersuchung können Probleme mit BSE, Nitrofen oder Dioxin jeder Zeit erneut auftreten, weil die Landwirtschaft auf billiges Futter angewiesen ist. Gleichzeitig fehlten effektive Kontrollen und abschreckende Sanktionen bei Gesetzesverstößen, so Foodwatch.
Etwa 68 Millionen Tonnen Futtermittel landen in deutschen Trögen, täglich mehr als 7000 Lkw-Ladungen. Sie bestimmen maßgeblich die Produktionskosten. In der Geflügelmast liegt ihr Anteil an den Kosten bei 50 Prozent, in der Schweinemast sogar bei 66 Prozent. Dies führe zu einem hohen Preisdruck und als Folge zu Futtermitteln mit niedriger Qualität und unakzeptabler Schadstoffbelastung.
Beispiel Dioxin: Mehr als 90 Prozent des Giftes nehmen Menschen über die Nahrung auf, allein gut 80 Prozent mit tierischen Lebensmitteln. Ins Vieh gelangen die Dioxine ebenfalls hauptsächlich über die Nahrung. Immer wieder würden zudem dioxinähnliche Polychlorierte Biphenyle (PCB) in Futtermitteln gefunden, so die Studie.
Die Stoffe stammen aus verschiedenen Quellen: Enthält das Futter pflanzliche Öle, so können diese belastet sein. Grünfutter wird teils über offenem Feuer getrocknet und den Abgasen ausgesetzt. Belastete Abfälle aus der Lebensmittelproduktion oder verschmutzte Transportfahrzeuge sind weitere Eintragspfade.
Behörden kontrollierten nur das fertige Mischfutter, nicht aber die besonders sensiblen Einzelkomponenten, kritisiert Foodwatch. Zudem würden Gesetzesverstöße nur halbherzig verfolgt. Im Nitrofen-Skandal von 2002 wurde bislang niemand bestraft. Auch Bußgelder seien noch nicht verhängt worden.



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