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Medizin

Chirurgie: Schwerverletzte erhält 80 Prozent eines fremden Antlitzes

Nach 22 Stunden ein neues Gesicht

Es ist eine Sensation in der Medizin. In einer bisher einmaligen OP wurden einer entstellten Frau Haut, Knochen, Muskeln, Nerven, Zähne und Blutgefäße transplantiert.


Foto: AP

Das Gesicht war furchterregend, die Verletzungen waren schrecklich: keine Nase, kein Gaumen, keine Möglichkeiten, normal zu essen oder zu atmen. Dank der bislang weltweit umfassendsten Gesichtstransplantation kann die Frau nun auf ein neues Leben hoffen.

Amerikanische Chirurgen der Cleveland Clinic haben der Schwerverletzten 80 Prozent ihres Gesichts mit dem Gesicht einer wenige Stunden zuvor Verstorbenen ersetzt. Es war die erste derartige Operation in den USA und die vierte weltweit, von denen aber keine derart weit ging.

"Unsere Patientin wurde gehänselt und gedemütigt. Man braucht ein Gesicht, um der Welt ins Antlitz zu sehen", sagte die Chirurgin Maria Siemionow, die die Operation vor zwei Wochen leitete. Als sie ihre Patientin vor einigen Monaten zum ersten Mal sah, wusste sie, dass die völlig entstellte Frau die Richtige für die Gesichtstransplantation war.

Vom Gesicht der Betroffenen waren nicht viel mehr übrig als Stirn und Kinn. Sie konnte keine Nahrung mehr zu sich nehmen und atmete durch ein Loch in ihrer Luftröhre.

Gesicht einer Toten transplantiert


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Nach der 22-stündigen Operation habe die Patientin glücklich mit den Händen ihr neues Gesicht berührt und gefühlt, dass sie eine Nase und einen Kiefer habe, erklärte Siemionow am Mittwoch vor Journalisten. "Sie möchte nach draußen gehen und in der Menge nicht mehr auffallen." Der Frau gehe es gut, und es gebe keine Anzeichen, dass das Gewebe wieder abgestoßen werde, erklärten die Ärzte. Verpflanzt wurden sowohl Knochen, Muskeln, Nerven, Haut und Blutgefäße als auch einige Zähne. Ausgenommen blieben Stirn, Augendeckel, Unterlippe und Kinn.

Nach Angaben von Siemionow soll die Patientin in etwa sechs Monaten wieder Gefühl im Gesicht entwickeln und im Laufe der Zeit essen, sprechen und normal atmen können. Allerdings muss sie den Rest ihres Lebens Medikamente einnehmen, die die Abstoßung des Fremdgewebes verhindern sollen.

Die Identität der Patientin und ihr Alter halten die Ärzte geheim. Auch Details über die Art ihrer Verletzungen wurden nicht genannt. Die Frau muss wahrscheinlich noch einige Wochen im Krankenhaus verbringen.

Der Patientin wurde kein Foto der Spenderin gezeigt. Und nach dem Ausheilen werde die Frau wohl auch nicht wie die Spenderin aussehen, weil die Knochenstruktur des Kopfes eine völlig andere sei, betonte die Chirurgin.

Weil bei einer solchen Transplantation der Knochen, der auch das Gesicht formt, der gleiche bleibe, verändere sich das Aussehen nicht komplett, es werde wahrscheinlich eine Mischung sein aus dem eigenen früheren Gesicht und dem Gesicht der Spenderin, sagte dazu Prof. Thomas Kreusch, Chefarzt der Abteilung für Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie an der Asklepios-Klinik Nord Heidberg.

Aber dieses neue Gesicht werde nie so beweglich sein wie das eigene. Die Patientin müsse richtig neu lernen, ihr Gesicht wieder zu bewegen.

Damit eine solche Operation überhaupt stattfinden kann, sind schon einige Hürden zu überwinden. "Es ist schwierig, einen Spender zu finden, der die gleichen Maße hat und bereit ist, sein Gesicht zu spenden", sagte Kreusch.

Im Prinzip hält der Gesichtschirurg eine solche Operation auch in Deutschland für denkbar: "Die Technik ist die gleiche wie bei kleineren Transplantationen, die auch jetzt schon vorgenommen werden, aber die Operation ist viel aufwendiger. Aber ich bin davon überzeugt, dass sie auch in Deutschland nur eine Frage der Zeit ist."

 

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