Kongress: 5000 Anästhesisten im CCH
Meldesystem soll Sterberate senken
Der Einsatz von Defibrillatoren kann nach neuen Erkenntnissen nur einem Viertel der Patienten nach einem plötzlichen Herzstillstand helfen.
Seltener als bisher angenommen gelingt es, Menschen nach einem plötzlichen Herzstillstand durch eine Defibrillation, den gezielten Stromstoß auf den Brustkorb, zu retten. Das ist eines der ersten Ergebnisse des sogenannten Reanimationsregisters, das auf dem Deutschen Anästhesiekongress vorgestellt wird, der vom 5. bis 8. Mai im Congress Centrum Hamburg stattfindet. Auf der Tagung, zu der mehr als 5000 Teilnehmer aus dem ganzen Bundesgebiet erwartet werden, stellen über 500 Referenten die neuesten Erkenntnisse aus der Anästhesie, der Intensiv- und Notfallmedizin sowie der Schmerztherapie vor.
In der Erprobungsphase des Reanimationsregisters, das jetzt bundesweit eingeführt werden soll, wurden die ersten 1000 Fälle ausgewertet. Dabei habe sich herausgestellt, dass mit einer Defibrillation nur einem Viertel der Patienten nach dem plötzlichen Herzstillstand geholfen werden könne, so Prof. Jens Scholz, Direktor der Klinik für Anästhesiologie und operative Intensivmedizin am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel. Deswegen werde jetzt für Laien und Notärzte empfohlen, bei einem plötzlichen Herzstillstand vor einer Defibrillation zur Wiederbelebung Herzdruckmassage und künstliche Beatmung anzuwenden.
Mit dem Reanimationsregister soll die Versorgung von Menschen verbessert werden, die einen plötzlichen Herzstillstand erleiden. "100 000 Menschen müssen pro Jahr wiederbelebt werden", berichtete Scholz. Nur die Hälfte dieser Patienten erreiche nach einer Wiederbelebung lebend die Klinik. Insgesamt liegen die Überlebenschancen aber nur bei 20 Prozent. In dem Reanimationsregister sieht der Notfallmediziner eine Chance, diese hohe Sterblichkeit zu senken. Das Register wird geführt, indem alle beteiligten Notärzte Daten zum Notarzteinsatz, zur Weiterbehandlung in der Klinik und aus der Nachbeobachtung für ihre Patienten in anonymisierter Form in ein Online-Register eintragen. Dabei können die beteiligten Ärzte ihre Ergebnisse mit denen ihrer Kollegen in Form von Durchschnittswerten vergleichen. "So kann jeder seine Stärken und Schwächen erkennen", sagte Scholz. Und die Ärzte könnten voneinander lernen, in welchen Punkten noch Verbesserungsbedarf besteht.
Sorgen bereitet den Anästhesiespezialisten auch der Mangel an ärztlichem Nachwuchs. Denn von den rund 10 000 Studenten, die jährlich ihr Studium abschließen, würde nur etwa die Hälfte in deutschen Kliniken zu einer Weiterbildung zum Facharzt erscheinen. Verantwortlich dafür sei, dass der Arztberuf in Deutschland an Attraktivität verliere, so Prof. Hugo van Aken, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Anästhesie und Direktor der Klinik für Anästhesiologie und operative Intensivmedizin am Universitätsklinikum Münster. Als Beispiel nannte van Aken, dass junge Ärzte mit Dokumentationsaufgaben zugeschüttet werden. " Das kostet 25 Prozent der ärztlichen Arbeitszeit, und dafür müssen sie ärztliche Tätigkeiten an Hilfskräfte delegieren." Ein weiterer Punkt sei die schlechte Bezahlung. Beides führe dazu, dass viele junge Mediziner andere Berufe ergreifen oder aber ins Ausland gehen, wo sie besser bezahlt würden und bessere Arbeitsbedingungen vorfänden. Nach einer Untersuchung des Deutschen Krankenhausinstitutes hätten, so van Aken, 28 Prozent der deutschen Kliniken unbesetzte Arztstellen. "Wir müssen uns Sorgen machen, dass wir irgendwann nicht mehr genug gut ausgebildete Fachärzte haben", betonte van Aken.
Auch die Weiterbildung zum Facharzt sei in Deutschland unzureichend geregelt. Die Kosten für die ärztliche Weiterbildung würden bei dem neuen Krankenhausabrechnungssystem mit Fallpauschalen, den sogenannten DRGs, nicht berücksichtigt, kritisierte van Aken. In anderen Ländern, wie zum Beispiel Spanien und den USA, würden die Kosten für die ärztliche Weiterbildung vom Staat übernommen.
Ein weiteres Thema auf dem Kongress ist auch der Einsatz von lebensrettenden Behandlungsmaßnahmen in kritischen Situationen, den junge Ärzte mit Hilfe von Simulatoren trainieren können. "Wir haben Simulatoren aus der Luftfahrttechnik für die Anästhesie umgebaut", berichtete Prof. Klaus van Ackern, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin und Direktor des Instituts für Anästhesiologie und operative Intensivmedizin am Universitätsklinikum Mannheim. Mittlerweile würden diese Simulatoren an 35 Unikliniken bundesweit zur Ausbildung von Ärzten eingesetzt.




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