HOCHBEGABTE
Fixe Denker können einsam sein
Das Gefühl, mit den Talenten allein zu sein, kann den Kontakt zu Gleichaltrigen erschweren.
Sie sind anders. Sie haben andere Interessen als ihre Altersgenossen und sind damit allein. Hochbegabung, das heißt ein Intelligenzquotient von mehr als 130, kann zwar vieles im Leben leichter machen, aber auch zu Problemen führen. "Diese Kinder stellen schon früh in ihrem Leben fest, dass sie mit ihren Interessen allein bleiben. Und diese Einsamkeit, dieses Gefühl: ,Mit mir ist irgendetwas anders', nehmen die Kinder mit in ihr späteres Leben", sagt Prof. Michael Schulte-Markwort, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychosomatik am Universitätsklinikum Eppendorf. Das kann dazu führen, dass die Kinder Gleichaltrigen gegenüber reserviert bleiben, schwer Kontakt finden und zu Außenseitern werden.
Oft fehlt es an guten Lernstrategien
Ein weiteres Problem: Da sie zu Anfang in der Schule alles schnell lernen, ohne dass sie sich dabei besondere Mühe geben müssen, erwerben sie häufig keine guten Lernstrategien. "Und wenn sie nicht gelernt haben zu lernen, können sie auf einer höheren Schule Schwierigkeiten bekommen, wenn es darum geht, komplizierte Zusammenhänge zu erfassen, was eine gewisse Lerndisziplin erfordert", so der Kinderpsychiater. Das kann so weit gehen, dass sie letztendlich zu schlechten Schülern, sogenannten Underachievern, werden.
Auch Kinder, die nur in einem Bereich hochbegabt sind. können damit Probleme bekommen. Als Beispiel nennt Schulte-Markwort Kinder, die nur in der sprachabhängigen Intelligenz hochbegabt sind. "Wer gedanklich analytische Zusammenhänge sofort erfassen kann, aber in der Geometrie nicht in der Lage ist, ein Teil neben das andere zu setzen, kann unter dieser Diskrepanz sehr leiden", sagt Schulte-Markwort.
Solche Probleme können bei hochbegabten Kindern zu psychischen Störungen führen, dass sie depressiv werden, sich zurückziehen, wenig Selbstbewusstsein haben oder Angststörungen entwickeln. Zu solchen Auffälligkeiten zählt auch, wenn die Kinder in der Schule unterfordert sind, sich langweilen und deshalb ständig den Klassenkasper geben. "Um diesen Kindern zu helfen, ist es zunächst am wichtigsten, eine umfangreiche Diagnostik durchzuführen und genau herauszufinden, in welchen Bereichen die Stärken und die Schwächen liegen." Und dann geht es darum, die Bereiche, in denen die Kinder besonders gut sind, anzureichern, und zwar so, dass sie noch weiter motiviert sind und Spaß haben. "Das bedeutet zum Beispiel, dass sie in den entsprechenden Schulfächern ein Extraprogramm bekommen, besondere Aufgaben, die über den üblichen Lehrstoff hinausgehen", sagt Schulte-Markwort. Eine andere Strategie sei, die Kinder frühzeitig einzuschulen oder eine Klasse überspringen zu lassen. "Allerdings muss man dabei beachten, ob die Kinder dafür die sozialen Fähigkeiten haben und nicht darunter leiden, wenn sie als 14-jährige in eine Klasse kommen, in der die meisten Kinder schon drei Jahre älter sind", betont der Kinderpsychiater.
Fähigkeiten und soziale Kontakte fördern
Dass diese Kinder einen Sonderstatus haben, lasse sich nicht verhindern. "Doch wenn sie zu ausgeprägten Außenseitern werden, brauchen sie Unterstützung. Dann muss man ihnen helfen, sich besser zu integrieren. Man sollte die Kinder fördern, aber nicht überfordern, auf Kontakte zu Gleichaltrigen achten und soziale Defizite ausgleichen, zum Beispiel durch ein soziales Kompetenztraining", sagt Schulte-Markwort. Hilfe bietet dabei die Hochbegabten-Ambulanz im Altonaer Kinderkrankenhaus.



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