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Medizin

Heilkunst mit Holunder - die Beeren sind reif

Holunderbeeren, die jetzt reif sind, gelten als Hausmittel - und das seit Jahrhunderten. Schon im fünften Jahrhundert vor Christus pries Hippokrates...

Holunderbeeren, die jetzt reif sind, gelten als Hausmittel - und das seit Jahrhunderten. Schon im fünften Jahrhundert vor Christus pries Hippokrates das Gewächs als wahren "Medizinschrank". Der berühmte Arzt der Griechen empfahl Holunder bei Frauenleiden und als Abführmittel. Aber die Liste der Beschwerden, die Holunder lindern soll, ist viel länger. Die Heilpflanze soll blutreinigend und entschlackend wirken, gegen rheumatische Beschwerden, Atemwegserkrankungen und Hautprobleme helfen.

Aus den Beeren gewinnt man Saft, mit dem man einen heißen Punsch zubereiten kann (siehe Extratext). Der wird gegen Erkältung getrunken. Auch die Blüten werden genutzt. "Sie enthalten schweißtreibende Glycoside", erklärt Bernd C. Steffin (58), Leiter der Heilpraktikerschule Arcana in Hamburg. "Bei Virusinfektionen ist es wichtig, dass die im Körper entstehenden Toxide ausgeschieden werden", sagt der Heilpraktiker. Er empfiehlt ein "ansteigendes Fußbad" (von 36 Grad bis auf maximal 42 Grad steigern) und einen Tee aus Linden- und Holunderblüten. Denn "flores tiliae" und "flores sambuci" ergänzen sich und haben dadurch eine noch stärkere Wirkung.

Erhältlich sind diese Teesorten in der Apotheke. Man kann Holunder auch selbst sammeln, er ist weit verbreitet. Der Holunderstrauch oder -baum kann über zehn Meter hoch werden. Im Frühling fällt er durch duftende weiß-gelbe Blüten auf, die in Dolden wachsen. Daraus wird der Tee gemacht. Im Spätsommer und Herbst ist Holunder an den reifen schwarzen Beeren zu erkennen. Doch Vorsicht! "Man darf die Beeren nicht unreif oder roh essen", warnt Steffin. "Dann können blausäureähnliche Vergiftungserscheinungen und starke Beschwerden im Magen-Darm-Trakt auftreten." Die reifen Beeren des schwarzen Holunders sind daran zu erkennen, dass sie von den Ästen herabhängen. Die schwarzen, aber giftigen Beeren des Zwergholunders stehen dagegen aufrecht, unreife Beeren allgemein und die des giftigen Trauben-Holunders sind auffällig rot.

Holunder schmeckt als Saft, Sirup, Likör, Wein, kalt oder warm, als Mus, Marmelade, Gelee. Er enthält Vitamin C und stärkt die Abwehrkräfte. Außerdem fördern die Anthocyane in den Beeren die Sauerstoffverwertung in den Zellen. Anthocyane sind natürliche Farbstoffe und werden für Lebensmittel (Gummibärchen, Rotwein) verwendet, früher auch, um Haare oder Leder zu färben.

Ist die Heilwirkung des Holunders wissenschaftlich belegt? Prof. Elisabeth Stahl-Biskup (61) vom Institut für Pharmazie der Uni Hamburg sagt: "Es gibt keinen Wirkungsnachweis für Holunder."

Aber vielleicht hilft es ja, an die Wirkung zu glauben. Bei den Kelten und Germanen hatte der Holunder den Ruf eines heiligen Baumes, der gute Hausgeister beherbergt und so die Bewohner schützt. Wer ihn fällte, musste mit Unglück rechnen. Und wenn man seine Blüten, Blätter oder Beeren pflücken wollte, baten ihn unsere Urahnen vorher um Erlaubnis - um ihn nicht zu verärgern und seine Heilkraft zu bewahren.

 

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