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Medizin

Psychotherapie für Kinder

Wann hat die liebe Seele Ruh'?

Wenn Kinder Furchtbares erleben, dann schütteln sie das nicht einfach ab. Die Spuren finden sich in der Seele des Kindes. Und oft sind diese Verletzungen so schwer, dass sie bleibende Schäden hinterlassen. Weil sie unsichtbar sind, ist es viel schwieriger seelische Schmerzen zu lindern, als es bei körperlichen der Fall ist. "Das ist einer der Gründe, warum man sich jahrzehntelang um psychische Traumata von Kindern kaum gekümmert hat. Erst seit den 90er-Jahren hat sich dafür eine zunehmende Sensibilität entwickelt", sagt Professor Peter Riedesser, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie im Universitätsklinikum Eppendorf. "Ein Trauma ist immer mit dem Gefühl der Ohnmacht, des Schutzlosausgeliefertseins verbunden und führt zu tief greifenden Veränderungen des Selbst- und Weltbildes", sagt der Kinderpsychiater. Das Kind zeigt psychische Alarmsymptome: Es leidet zum Beispiel unter Schlaflosigkeit, ist schreckhaft oder will der Mutter nicht mehr von der Seite weichen.

In jeder Altersgruppe gibt es unterschiedliche Empfindlichkeiten, je nachdem in welcher Entwicklungsphase sich das Kind befindet. So können traumatische Situationen beim Säugling durch Vernachlässigung und Unterstimulation entstehen. "Ein anderes Beispiel ist die Misshandlung von kleinen Kindern: Gerade wenn Eltern ihrem Kind, das sie eigentlich beschützen sollten, Gewalt antun, gerät die kindliche Seele in eine ausweglose Situation", sagt Riedesser. Schulkinder können auch durch Mobbing traumatisiert werden, wenn sie von ihren Klassenkameraden ausgegrenzt und gedemütigt werden. Es gibt Kinder, die solche Erlebnisse ohne psychische Traumasymptome verarbeiten können. "Aber auch wenn ein Kind unauffällig ist, heißt das noch lange nicht, dass es nicht traumatisiert ist. Wir haben Kinder erlebt, die jahrelang unauffällig waren, aber innerlich gelitten haben und die Flucht in die Normalität geschafft haben", betont Riedesser.

Deswegen wäre es hilfreich, bei bestimmten schweren Erlebnissen grundsätzlich eine psychologische Abklärung vorzunehmen. "Wenn es Eltern gelingt, das Kind dazu zu bewegen, über die schlimmen Ereignisse zu reden, ist schon ein entscheidender Schritt getan", sagt Riedesser.

"In der Therapie geht es darum, dem Kind einen sicheren Ort zu geben, sodass es die Möglichkeit hat, das, was es beschäftigt, im Spiel oder im Gespräch auszudrücken. Als Therapeut muss man das behutsam aufgreifen. Das Kind bestimmt selbst, wie viel es erzählt. Denn Vertrauen muss erst wachsen." Wird nicht geholfen, können später psychische Störungen die Folge sein. Bei Frauen sind es vor allem Depressionen, Angststörungen und die Borderlinestörung mit Selbstverletzung. Bei Jungen kann die frühe Traumatisierung auch in eine destruktive Charakterstruktur münden: "Dann haben wir Kinder und Jugendliche, die nach traumatischen Erlebnissen selbst auf der Täterseite stehen."cw

 

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