"Heparin"-Rückruf: Ist der aus China gelieferte Rohstoff verseucht?
Wenn eine Behörde wie das Landesamt für soziale Dienste Schleswig-Holstein den "umfassenden Rückruf" eines Arzneimittels anordnet, dann muss schon ein erheblicher Schaden eingetreten sein.
Wenn eine Behörde wie das Landesamt für soziale Dienste Schleswig-Holstein den "umfassenden Rückruf" eines Arzneimittels anordnet, dann muss schon ein erheblicher Schaden eingetreten sein. "Circa 80 Fälle unerwünschter Nebenwirkungen" seien "innerhalb kurzer Zeit gemeldet worden", heißt es aus dem Kieler Gesundheitsministerium. Es geht um Heparin, hergestellt bei der Trittauer Firma Rotexmedica, der das "weitere Inverkehrbringen des Lagerbestandes untersagt wurde". Der Hersteller startete in der vergangenen Woche eine Rückrufaktion (wie berichtet) und informierte Ärzte und Apotheker. Der Verdacht: Das Mittel, das bei Herzoperationen und in der Dialyse gefährliche Blutgerinnsel (Thrombosen) verhindern soll, hat offensichtlich allergische Reaktionen ausgelöst, die im Einzelfall tödlich enden könnten. Bereits vor Wochen war von 19 ungeklärten Todesfällen in den USA und 800 schweren allergischen Schocks berichtet worden. Das Heparin dort stammte von der Firma Baxter. Dieses US-Unternehmen bezog den Rohstoff für sein Mittel, ebenso wie das Trittauer Unternehmen, aus dem südchinesischen Changzhou. Die Substanz ist synthetisch kaum herzustellen und wird deshalb aus Schweinedärmen und -lungen gewonnen. Liegt hier die Ursache für die Verunreinigung?
Und hätte dies bei Kontrollen in Deutschland nicht auffallen müssen? "Die Verunreinigung ist mit den vorgeschriebenen Standardtests nicht zu ermitteln", sagte Dr. Marcus Wittstock, Wissenschaftlicher Rat im Bundesinstitut für Arzneimittel in Bonn, gestern dem Abendblatt.
Millionen Krankenhauspatienten bekommen täglich diesen Stoff, meist unter die Haut gespritzt, um die durch längeres Liegen auftretenden gefürchteten Thrombosen zu verhindern. Sie sind offensichtlich nicht betroffen. Denn nach bisherigen Erkenntnissen sei eine Verunreinigung nur bei sogenanntem unfraktionierten Heparin aufgetreten, so Wittstock. Dieses hochmolekulare Heparin wirkt schneller und wird als Infusion in eine Vene gegeben, zum Beispiel während der Blutwäsche (Dialyse). Dabei soll es auch zu den gefürchteten Reaktionen gekommen sein.




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