"Wie gut ist dein Hautarzt, dein Gynäkologe und dein Akupunkteur?" Das sind typische Fragen unter Bekannten und Freunden, wenn es um die Wahl eines Arztes geht. Das Patientenportal DocInsider ( www.docinsider.de) versucht diese Fragen bundesweit zu klären: Dort können (Ex-)Patienten eines Arztes oder anderer Heilberufler wie Physiotherapeuten oder Chiropraktiker Bewertungen abgeben, an denen sich andere Patienten orientieren können. Neben festen Bewertungskriterien wie Vertrauensverhältnis, Freundlichkeit des Arztes und der Mitarbeiter sowie der Praxisausstattung kann der Bewertende persönliche Erfahrungen schildern. Vier Monate nach dem Start des Unternehmens liegen bereits 7000 Bewertungen vor. Meist fallen die Beurteilungen positiv aus. So beschreibt eine Userin ihre Allgemeinärztin wie folgt: "Begleitet jeden/jede Patient/in mit fachlicher und sozialer Kompetenz. Erklärt die Sache mit viel Geduld und lächelt sanft." Ein anderer beschreibt seinen Chirurgen als "sehr kompetenten Arzt". Er nehme sich die für den Patienten erforderliche Zeit, und auch seine Mitarbeiter seien kompetent.

Doch nicht alle Urteile fallen so positiv aus: "Hat zwar eine sehr nette Art, arbeitet aber sehr unsauber. Und anstatt sich zu entschuldigen, lügt er noch. Finger weg!", schreibt ein User über seinen Zahnarzt. Bei den Gründern von DocInsider gingen deswegen bereits zehn Klageandrohungen ein. Unzufriedene Ärzte fordern das Löschen ihrer Einträge.

Kritisiert wird, dass Meinungsportale wie DocInsider oder spickmich.de, wo Schüler ihre Lehrer bewerten können, lediglich subjektive Einschätzungen verbreiten. Das Urteil des Oberlandesgerichts Köln im Fall spickmich.de Ende Januar unterstützt jedoch die Idee der unzensierten Meinungsäußerung: Eine Gymnasiallehrerin hatte geklagt, das Oberlandesgericht hatte die auf Lehrkompetenz basierende Benotung von Pädagogen jedoch als rechtmäßig erklärt. Sowohl auf spickmich

.de als auch bei DocInsider würden lediglich Meinungsäußerungen verbreitet - und das sei erlaubt. Obwohl DocInsider sich auf weitere Klageandrohungen Einzelner einstellt, kann sich das Hamburger Patientenportal zunächst über den Sieg der Meinungsfreiheit im Internet freuen. Vorerst haben sich die Betreiber der Internetseite, die von Yahoo zur Entdeckung des Jahres 2007 in der Kategorie "Freunde im Netz" (Web 2.0) gewählt wurde, um keine Anklagen mehr zu sorgen. Auch Konkurrenzportale wie helpster.de, arztspiegel.de oder topmedic.de können sich freuen und dank des Gerichtsurteils im Fall spickmich.de die Arztbewertungen weiter unzensiert veröffentlichen. Wie auch DocInsider fördern helpster, topmedic und Co. den Dialog zwischen Ärzten und Patienten. Neben Arztbewertungen können auf helpster.de Krankheits- und Erfahrungsberichte verbreitet werden. Die Bewertungen beschränken sich auf eine kurze Stellungnahme sowie die Kategorien Fachliche Bewertung, Persönliche Bewertung, Gesamtbewertung und die Frage, ob der Arzt nur Privatpatienten behandle. Auf arztspiegel.de läuft es ähnlich: Service, Beratung, Behandlung, Wartezeit und Personal sowie das Praxisambiente werden nach Schulnoten bewertet. Auch hier kann man einen Kommentar zu seinen persönlichen Erfahrungen abgeben. Unumstritten ist, dass ein Großteil potenzieller Arztkunden sich bei der Auswahl ihres Mediziners vorwiegend auf die Empfehlung anderer verlässt. DocInsider bietet mit mehr als 370 000 Adressen von Ärzten und Dienstleistern, die angesehen und bewertet werden können, genau wie die Konkurrenz einen Service, der die Wahl erleichtern soll.