Medizintechnik: Modernster Operationssaal Europas in Hamburg eröffnet
Der blaue OP in Volksdorf
Im Amalie-Sieveking-Krankenhaus ist in Zusammenarbeit mit der Firma Olympus ein Hightech-OP entstanden - mit vernetzter Technik und Bildverarbeitung.
Ungewöhnliches Design und modernste Technik - gestern eröffnete Gesundheitssenatorin Birgit Schnieber-Jastram im Evangelischen Amalie-Sieveking-Krankenhaus einen neuen Operationssaal. Für Prof. Fokko ter Haseborg, den Vorsitzenden des Albertinen-Diakoniewerks, zu dem die Klinik gehört, ist es "ein Hightech-OP der Extraklasse". Was damit gemeint ist, sieht man schon auf den ersten Blick, wenn man den "modernsten OP-Saal Europas" betritt. Der Raum ist umgeben von blaugläsernen Wänden mit zwei großen Fenstern, die für Tageslicht sorgen. Die gesamte Ausrüstung, abgesehen vom OP-Tisch, ist an langen beweglichen Armen aufgehängt, die an der Decke befestigt sind. So lassen sich sämtliche Geräte für jede Operation in eine optimale Position bringen - Stolperfallen durch herumliegende Kabel gehören der Vergangenheit an.
Für die Ausstattung des OPs mit modernsten Technologien hat das Unternehmen Olympus gesorgt. So werden alle Geräte zentral gesteuert, über zwei Touch Screens, auf denen Ärzte und Pflegekräfte allein durch die Berührung mit den Fingern schnell alle erforderlichen Funktionen einstellen können. Über Monitore haben die Ärzte jederzeit das Operationsfeld in Großaufnahme vor sich. Digitalisierte Röntgenbilder und Endoskopiebefunde können direkt auf die Bildschirme der Operateure übertragen werden.
Über einen großen in die Wand eingelassenen Monitor sind jederzeit Live-Schaltungen in andere Krankenhäuser, zu Kongressen oder in Praxen möglich. Welche Vorteile das für Patienten bringen kann, demonstrierte Dr. Thomas Langwieler, Chefarzt der Chirurgie am Amalie-Sieveking-Krankenhaus, gestern mit einer Live-Schaltung in eine Ahrensburger Praxis.
Dort führte ein Internist gerade bei einem Patenten eine Spiegelung von Speiseröhre und Magen durch. Diese Endoskopiebilder wurden live in den OP gesendet. Langwieler hatte die Endoskopiebilder auf seinem Bildschirm, und die beiden Ärzte konnten das weitere Vorgehen besprechen, insbesondere die Frage, ob eine Operation sinnvoll wäre.
Besonders hervor hob Langwieler auch die verbesserte Bildqualität durch den Einsatz hochauflösender HDTV-Kamerasysteme zusammen mit NBI (Narrow band imaging). "Dadurch können bei Tumoroperationen selbst kleinste Veränderungen im Bauch- oder Brustraum aufgespürt werden", so der Chirurg. Die minimal-invasive Operation von bösartigen Tumoren im Magen-Darm-Trakt ist einer der Schwerpunkte in seiner Abteilung.
Auch an die jungen Kollegen, die noch in der Ausbildung sind, haben die Konstrukteure des OPs gedacht: In einer Wand ist eine transparente Glasscheibe eingebaut, sodass junge Assistenzärzte und Krankenpflegekräfte, die noch in der Ausbildung sind, die Operation von einem Nebenraum aus mitverfolgen können.
Der blaue OP soll auch über Hamburgs Grenzen hinaus berühmt werden. "Der hochmoderne OP-Saal dient Olympus als ein globales Referenzzentrum für Kunden aus aller Welt, die zur Besichtigung ins Amalie-Sieveking-Krankenhaus nach Hamburg kommen möchten, um unsere System-Lösung live zu erleben", sagte Heinz Jacqui, Geschäftsführer von Olympus Winter & Ibe GmbH.
Der neue OP-Saal sei eine wichtige Investition für den Krankenhausmarkt der Metropolregion und verbessere die Behandlungsmöglichkeiten der Patienten, sagte Schnieber-Jastram. Die Stadt Hamburg hat das Modellprojekt im Rahmen der Sanierung des Zentral-OPs der Klinik mit 1,7 Millionen Euro gefördert, die weiteren Kosten von insgesamt einer Million Euro hat das Albertinen-Diakoniewerk gezahlt.
Für ter Haseborg ist dieser neue OP "eine weitere Stärkung unserer Kompetenz in der minimal-invasiven Chirurgie, der Ausbau des Konzepts der strategischen Partnerschaften und eine Stärkung des Diakonie-Campus Hamburg-Volksdorf.
Und für Chefchirurg Langwieler eröffnen sich mit dem neuen OP auch neue Perspektiven. Er kann sich sehr gut vorstellen, künftig auch mit anderen Fachdisziplinen, wie zum Beispiel der Neurochirurgie und der Urologie, enger zusammenzuarbeiten.



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