Medizin-Erfolge: Experten bewerten die aktuelle Forschung
Einfallsreich und aufregend
Zwei Meldungen - und viele Schwerkranke hoffen: Gibt es bald eine Spritze, die vor Bluthochdruck schützt? Wissenschaftler aus der Schweiz arbeiten daran. Und Medizinforscher aus Hamburg und Dresden hoffen, den Schlüssel gefunden zu haben, mit dem der tödliche Kreislauf des Aidsvirus gestoppt werden kann. Der Weg bis zu einer Therapie im Alltag ist noch weit. Doch der Anfang ist gemacht.
Bluthochdruck ist eine Volkskrankheit. Behandelt wird sie mit Tabletten. Kürzlich berichtete die Schweizer Firma Cytos Biotechnology auf einer Fachtagung in Mailand (Italien) über Erfolge im Kampf gegen Bluthochdruck durch eine Impfung. "Es ist das erste Mal, dass eine Immuntherapie mit einem Impfstoff bei einer chronischen Krankheit erfolgreich verabreicht wurde", sagt Dr. Frank Wagner von der Charite Research Organisation (Berlin). Er leitete die Studien, die die Verträglichkeit und Sicherheit testen. "Die Idee war, dass der Körper Abwehrstoffe gegen eine körpereigene Substanz, genauer gegen Angiotensin, bildet. Dieses Hormon, das in der Blutdruck-Regelung eine zentrale Rolle spielt, sollten die neuen Antikörper ausbremsen. Erste Ergebnisse deuten darauf hin, dass das gelingen kann."
Im Januar stellte die Schweizer Biotech-Firma den Impfstoff "CYT006-AngQb" vor. Die Phase-IIa-Studie, an der 72 Patienten mit milder und mäßiger Hypertonie teilgenommen haben, belegte, "dass der Impfstoff, der unter die Haut gespritzt wird, sicher und gut verträglich ist", so Wagner. "Und dass er eine blutdrucksenkende Wirkung zeigt. Aber wir befinden uns noch in einem frühen Stadium der Entwicklung." Eine besonders ausgeprägte Wirkung des Impfstoffes sei in den frühen Morgenstunden beobachtet worden, "einer Zeitspanne, in der es häufig zu schweren kardiovaskulären Erkrankungen kommt", sagt Wagner. Die Wirkung der Impfung war auch vier Monate nach dem letzten Pieks bei bestimmten Dosierungen noch zu messen.
"Diese Strategie ist ein interessanter Ansatz", urteilt der Hamburger Mediziner Prof. Heiner Greten, Chairman des Hanseatischen Herzzentrums Hamburg (St. Georg). Allerdings sei es bei einer Impfung unmöglich, auf plötzliche Blutdruckschwankungen zu reagieren. Die Medikamentation könne man dagegen sofort anpassen.




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