30.03.07

Gebärmutterhalskrebs: Empfehlung der Experten für Zwölf- bis 17-Jährige

Jedes Mädchen soll geimpft werden

Die erste und einzige Impfung gegen Krebs schützt vor Viren, die das gefährliche Leiden auslösen. Demnächst müssen alle Kassen die Kosten bezahlen.

Von Angela Grosse
Foto: Wisc. Edu.
Der Impfstoff gegen die Papilloma-Viren (r.) ist seit Oktober erhältlich.

Gebärmutterhalskrebs ist bislang die einzige Krebsform, gegen die es eine Impfung gibt. Seit Mitte Oktober ist das erste Präparat in deutschen Apotheken erhältlich. Jetzt rät die Ständige Impfkommission (Stiko) beim Robert-Koch-Institut in Berlin, dass zwölf bis 17 Jahre alte Mädchen generell geimpft werden sollten. Viele Krankenkassen zahlen die rund 470 Euro teure Dreifach- Impfung bereits, bis Ende Juni werden die anderen wohl nachziehen. "Das ist ein riesiger Fortschritt in der Vorbeugung von Krebs", betont Professor Fritz Jänicke, Direktor der UKE-Frauenklinik, der die Impfstudie in Hamburg leitete.

In Europa ist der Gebärmutterhalskrebs die zweithäufigste krebsbedingte Todesursache von Frauen zwischen 15 und 44 Jahren. In Deutschland erkranken jedes Jahr rund 6500 Frauen, etwa 1700 sterben an dieser Krebsform, so das Berliner Robert- Koch-Institut (RKI). Bei 98 Prozent der erkrankten Frauen finden die Forscher sogenannte Humane Papillomaviren (HPV). Von diesen Viren sind Dutzende unterschiedlicher Typen bekannt. Die häufigsten sind HPV 16 und HPV 18. Sie treten bei sieben von zehn Krebs-Patientinnen auf.

Vor 30 Jahren wies der Virologe und spätere Chef des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ), Prof. Harald zur Hausen, nach, dass HPV Gebärmutterhalskrebs verursachen können. Mitte der 1980er-Jahre war klar, welche Viren-Typen für die Entstehung der bösartigen Tumore verantwortlich sind. Anfang der 1990er-Jahre gelang der Durchbruch, der die Herstellung eines Impfstoffes ermöglichte: Die DKFZWissenschaftler identifizierten das entscheidende Gen. Es wurde - nach heftigem Streit mit US-Behörden - in einem Patent geschützt, das dem National Institut of Health (NIH) und dem DKFZ zuerkannt wurde.

Die Viren, die beim Geschlechtsverkehr übertragen werden können, werden in den meisten Fällen vom körpereigenen Immunsystem binnen eines Jahres besiegt, ohne dass sie irgendwelchen Schaden anrichten. "Nach weltweit durchgeführten Studien infizieren sich sieben von zehn Frauen im Laufe ihres Lebens", so der Virologe Lutz Gissmann vom Deutschen Krebsforschungsinstitut. Nur etwa ein Prozent der Infizierten erkranken an Krebs - und das teilweise erst nach Jahren. "Der entscheidende Vorteil der Impfung ist, dass Krebsvorstufen sich nicht entwickeln können. Somit kann kein Krebs entstehen. Das setzt allerdings voraus, dass die Impfung vor der Aufnahme des ersten Geschlechtsverkehrs erfolgt ist, denn mit Hygiene lässt sich eine Übertragung nicht verhindern", erläutert Prof. Jänicke.

Ob es sinnvoll sei, zu einem späteren Zeitpunkt noch zu impfen, sei noch unklar. Man wisse zu wenig darüber, so Jänicke, ob und wie eine Impfung den Verlauf einer Infektion beeinflusst. "Frauen, die zwischen zwölf und 17 Jahren keine Impfung erhalten haben, können ebenfalls von einer Impfung profitieren", betont hingegen die Stiko. Klarheit in diese Fragen sollen neue Studien bringen. In diesen wird auch erforscht, ob der Impfschutz länger als fünf Jahre anhält, eine Wiederimpfung nötig ist und Jungen sowie Männer von einer Impfung profitieren könnten.

Auf keinen Fall macht die im Allgemeinen gut verträgliche HPV-Impfung die regelmäßige Vorsorge-Untersuchungen überflüssig. Nur wer regelmäßig beim Gynäkologen einen Zellabstrich nach Papanicolaou (Pap-Test) durchführen lässt, hat gute Chancen, dass Vorläuferzellen erkannt werden. Die Überlebensrate liegt dann bei über 90 Prozent.

Der Erfolg dieser Früherkennungsmaßnahme, die es seit 1970 gibt: Die Sterberate und die Zahl der Neuerkrankungen sanken in Deutschland seitdem um mehr als zwei Drittel. "Wie erfolgreich die Impfung wirkt", so Jänicke, "werden wir erst in etwa zehn bis fünfzehn Jahren wissen."

Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Alles über Ihre Straße

Top Bildergalerien mehr

Kate, William und George besuchen Australien

Rotherbaum

Gas-Alarm am Mittelweg

Billstedt

MEK-Einsatz in Mümmelmannsberg

Champions League

Überlegene Bayern verlieren bei Real Madrid

Highlights
tb_hh_mahjong100.jpg
Mahjong

Spielen Sie mit!mehr

rb_wetter_926045a.jpg
Wetter in Hamburg

Der aktuelle Wetterbericht mit Karte und Vorhersagemehr

rb_stadtplan_926042a.jpg
Stadtplan Hamburg

Mit dem Hamburger Stadtplan Adresse und Orte findenmehr